23:41 04 Juli 2020
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    Für ihre Russland-Berichte und Recherchen hat die „New York Times“ (NYT) den renommierten Pulitzer-Preis erhalten. Die US-Zeitung habe über „eine Reihe packender Geschichten mit großem Risiko“ berichtet, verkündete die Jury am Montag in New York.

    Als Reaktion darauf schrieb die russische Botschaft in den USA am Dienstag auf Facebook, dass das Organisationskomitee damit seinen Ruf riskiert.   

    „Das Organisationskomitee des Preises übernimmt große Verantwortung, indem es auf diese Weise antirussische Berichte mit Aussagen hervorhebt, die nicht nur von offiziellen russischen Vertretern, sondern auch vom Leben selbst wiederholt widerlegt wurden. Wenn dies auch ein 'großes Risiko' birgt, so wie behauptet wird, dann nur für den Ruf“, heißt es in dem Facebook-Post der Botschaft.

    Solche Berichte der Zeitung würden als „wunderbare Sammlung purer russophober Erfindungen“ betrachtet, die „als Leitfaden für die Schaffung falscher Fakten studiert werden können“.
    Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hatte die Artikel der „New York Times“ wiederholt als falsche Informationen bezeichnet. So schrieb sie am 14. April auf Facebook, dass der Bericht unter dem Titel „Putins langer Krieg gegen die amerikanische Wissenschaft“ „ein Meisterwerk der Desinformation“ sei.

    Im November 2019 nannte Sacharowa die Behauptungen von NYT, Russland habe die Evakuierung eines kranken US-Militärattachés aus Moskau verhindert, einen „reine Fälschung“. Auch den Artikel über die Untersuchung von Angriffen auf syrische Krankenhäuser und den angeblichen Druck Russlands auf ihre Ergebnisse bezeichnete sie als Fake und unehrliche Arbeit von Journalisten.

    Coronabedingte Verschiebung

    Die Gewinner der Pulitzer-Preise wurden zum 104. Mal bekanntgegeben. Aufgrund der Corona-Krise war die eigentlich für den 20. April geplante Veranstaltung zuvor um zwei Wochen verschoben worden. 14 der 21 Kategorien der Pulitzer-Preise sind journalistischen Arbeiten US-amerikanischer Journalisten oder Medien vorbehalten, von investigativen Geschichten über Fotos bis zu Karikaturen. Die Auszeichnung wird aber auch für Literatur sowie für Musik und Theater vergeben. Die Preisträger bestimmt eine Jury, die an der New Yorker Columbia-Universität angesiedelt ist.

    In der Kategorie „Kommentar“ gewann Nikole Hannah-Jones von der „New York Times“ für einen „persönlichen Essay zum bahnbrechenden Projekt 1619“ zur Versklavung der ersten Afrikaner in Amerika. Brian Rosenthal von derselben Zeitung erhielt den Preis für die beste Investigativ-Recherche. Der Reporter hatte über die Ausbeutung von Taxifahrern in der Ostküstenmetropole New York City geschrieben.

    Die „Washington Post“ wurde für die „wissenschaftliche Klarheit“ ihrer Artikel über die schweren Auswirkungen extremer Temperaturen auf der Erde ausgezeichnet.
    Auch das Schicksal eines Insassen im US-Gefangenenlager Guantánamo bewegte die Jury des wohl begehrtesten Journalismus-Preises der Welt: Ben Taub vom Magazin „New Yorker“  gewann mit seinem Feature „Guantánamos Dunkelstes Geheimnis“ , das eine Mischung aus Berichterstattung von vor Ort und lyrischer Prosa enthalte. Darin geht es um einen Mann, der entführt, gefoltert und in dem Lager für mehr als ein Jahrzehnt seiner Freiheit beraubt wurde. Die Geschichte biete eine „nuancierte Perspektive auf Amerikas facettenreichen Krieg gegen den Terror“, hieß es.

    Die Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press wurden für ihre Foto-Berichterstattungen von den Protesten in Hongkong und der Krise in der umstrittenen Region Kaschmir ausgezeichnet.

    pd/sb

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    Tags:
    Fake-News, Russland, The New York Times