07:34 21 Oktober 2020
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    Putin hat zum offenen Dialog aufgefordert, um die gemeinsame Vergangenheit offen zu betrachten und frühere Fehler zu vermeiden. Auch auf Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg und auf Fragen der internationalen Zusammenarbeit ging er ein. Bleibt das eine Stimme in der Wildnis? Experten kommentieren im Gespräch mit Sputnik.

    In seinem Beitrag über dem Zweiten Weltkrieg, den der russische Präsident Wladimir Putin für die US-amerikanische Fachzeitschrift „The National Interest“ geschrieben hat, geriet das Staatsoberhaupt in eine Kontroverse mit europäischen Politikern, die "das Münchener Abkommen von 1938 unter den Teppich kehren" und die Rolle der Sowjetunion bei der Bekämpfung des Nationalsozialismus revidieren wollen.

    Putin betonte, es sei unfair, die Ursache des Kriegsausbruchs in dem am 23. August 1939 zwischen der UdSSR und Deutschland unterzeichneten Nichtangriffspakt zu sehen. Das Münchener Abkommen sowie die Politik der Westmächte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hätten ebenfalls zu den Kampfhandlungen geführt.

    Dem russischen Staatsoberhaupt zufolge tragen alle führenden Staaten der Welt auf die eine oder andere Weise die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges. Der Präsident stellte fest, dass die Geschichte des Kriegsbeginns gerade die Wissenschaftler untersuchen sollten. Er möchte nicht die Rolle eines Richters übernehmen, um jemanden zu rechtfertigen oder zu beschuldigen. Putin forderte andere Länder auf, einen offenen Dialog zu führen, um die gemeinsame Vergangenheit offen zu betrachten und frühere Fehler zu vermeiden.

    Im Gespräch mit Sputnik betonte der Politikwissenschaftler Juri Swetow, dass "in einer Atmosphäre der allgemeinen Entfremdung Putin darauf  hinweist, dass die Welt viel besser organisiert war, als die Führer der Weltmächte sich einig sein konnten. Wenn die Interessen aller Parteien berücksichtigt werden, profitieren alle gemeinsam davon."

    „Die Beziehungen zwischen dem 32. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Franklin Roosevelt, dem britischen Premierminister Winston Churchill und dem Generalissimus der UdSSR, Joseph Stalin, sind genau in diesem Sinne. Die USA erkannten die UdSSR 16 Jahre lang nicht an, Churchill war ein heftiger Gegner des Kommunismus, und Stalin forderte als Kommunist die Zerstörung des Kapitalismus und aller Grenzen. Als jedoch die Bedrohung durch den Faschismus aufkam, gelang es ihnen, sich untereinander zu einigen und schwierige Situationen zu überwinden, manchmal auch ungeachtet der öffentlichen Meinung. Das Ergebnis war der Sieg im Krieg", sagte der Politikwissenschaftler. 

    Ihm zufolge sollte Putins These, dass der Nuklear-Fünf-Gipfel des UN-Sicherheitsrates nützlich wäre, um viele wichtige Weltthemen zu diskutieren, nicht ins Leere laufen. 

    "Putin hat mehrmals gesagt, dass die Erfahrung der Verständigung zwischen den Ländern während des Zweiten Weltkriegs nützlich sein sollte. Putins Vorschlag zum Treffen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates hat zum Ziel, zu Interaktion zu finden", so Juri Swetow. 

    Anstatt nach einem Dialog zu suchen, gewinnen absurde Angriffe auf Russland an Dynamik und zwingen die russische Botschaft in den Vereinigten Staaten, die US-Gesetzgeber zu drängen, in „Emotionen und Einschätzungen“ zurückhaltend zu sein. Russische Diplomaten äußerten sich über den Gesetzentwurf zum Verbot des Abzugs von US-Truppen aus Europa, der durch die "russische Bedrohung" erklärt wurde.  

    "Wir müssen einen zivilisierten Dialog aufrechterhalten. Russland greift niemanden an und hat keine solchen Absichten. Hören Sie auf, amerikanische und europäische Bürger mit Horrorgeschichten über die ‘russische Bedrohung‘ einzuschüchtern", hieß es in der Mitteilung der Botschaft. 

    Der Experte für auswärtige Beziehungen, Dmitri Ofizerow-Belski, kommentierte gegenüber Sputnik: 

    "Es gibt seit langem einen Konsens zwischen Republikanern und Demokraten in den Vereinigten Staaten, dass Russland ein feindliches Land ist. Es liegt in der amerikanischen politischen Kultur, in großen Worten zu hetzen, und die UdSSR als ‘böses Reich‘ zu bezeichnen. Für sie ist dies eine normale Rhetorik." 

    Bei der Bewertung der US-Pläne zum Abzug ihrer Truppen aus Deutschland wies der Experte darauf hin, dass es unwahrscheinlich sei, dass diese Truppen in die USA zurückkehren. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass sie in Polen und Rumänien auftauchen, was Russland nur Sorgen machen wird: „Es erfolgt eine Militarisierung der Kontaktzone der NATO- und OVKS (Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit)-Länder. Wir haben genug Gründe zur Besorgnis, aber keine Gelegenheit zum Dialog. US-Politiker suchen niemals den Dialog als solchen, sie legen immer eine Reihe von Bedingungen fest, die ihre Gegner und sogar Anhänger akzeptieren müssen."

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    Tags:
    Erinnerungskultur, Geschichte, Zweiter Weltkrieg, Wladimir Putin