07:03 22 Oktober 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (123)
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    Russland ist nach Angaben von Kremlsprecher Dmitri Peskow eingeschränkt, die Situation um die Vergiftung des Oppositionellen Alexej Nawalny zu ermitteln. Es gäbe keine Möglichkeit, Untersuchungsergebnisse des Kremlkritikers zu analysieren.

    „Unsere Möglichkeiten sind leider ziemlich eingeschränkt, tatsächlich jegliche Ermittlung durchzuführen, da sich herausstellte, dass einige Gegenstände beseitigt, aus Russland abtransportiert worden waren; es stellte sich heraus, dass keine Möglichkeit besteht, sich mit den Untersuchungsergebnissen vertraut zu machen. Dies alles erschwert die Ermittlung erheblich, aber es werden mehr Fragen aufgeworfen als es Antworten gibt“, teilte Peskow mit. 

    Was als Beweis für die Vergiftung Nawalnys dienen könnte, sei aus Russland weggebracht worden, und es entsteht die Frage, warum dies getan worden sei, so der Kremlsprecher weiter.

    „Wir können dies nicht erklären, denn Sie wissen, dass eine solche Flasche weggebracht wurde; falls es sie gab, wurde sie irgendwohin abtransportiert – nach Deutschland oder irgendwohin sonst. Das heißt: Was zu einem Beweis zugunsten einer Vergiftung werden könnte, wurde leider weggebracht. Eine weitere Frage ist also, warum“, sagte Peskow. 

    Er erinnerte außerdem an Folgendes: Sollte die Flasche die Spuren eines Nervenkampfstoffs aufweisen, so wäre es unwahrscheinlich, dass jemand diese habe abtransportieren können. 

    „Die Anzahl von Unsinn und Fragen nimmt jeden Tag zu. Das Einzige, was tatsächlich Licht auf das Geschehen werfen kann, ist der Austausch von Informationen, Biomaterialien und Beweisen sowie gegebenenfalls die Zusammenarbeit von Ärzten, um die Situation zu analysieren“, erklärte Peskow. 

    Russland drängt zur Zusammenarbeit 

    Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt. 

    Die Bundesregierung hatte am 2. September nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der „Nowitschok“-Reihe vergiftet worden sei. Die Schlussfolgerungen deutscher Sachverständiger seien von Labors in Schweden und Frankreich bestätigt worden, hieß es weiter.

    Parallel dazu führt die OPCW auf Ersuchen Berlins eigene Untersuchungen durch. Der Kreml sagte diesbezüglich, dass Berlin Moskau nicht über seine Ergebnisse informiert habe. Das russische Außenministerium betonte wiederum, dass Russland auf eine Antwort Deutschlands auf die offizielle Anfrage warte.

    Russland sei an der Aufklärung des Falls interessiert, wofür es Informationen aus Deutschland bräuchte, die noch nicht eingegangen seien, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Ermittlungsmaßnahmen in Bezug auf die Situation um Nawalny würden de facto laufen, teilte er weiter mit. Wenn das Vorhandensein einer giftigen Substanz bestätigt werde, würden die Ermittlungen de jure eingeleitet, so Peskow.

    ao/mt/sna

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