07:46 23 Oktober 2020
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    Im Interview mit dem „Spiegel” blickt Nawalny darauf zurück , was mit ihm an Bord des Flugzeuges aus Tomsk nach Moskau am 20. August geschah, bevor er das Bewusstsein verlor.

    Laut Nawalny verbrachte er in Tomsk einen „wunderbaren Tag” und freute sich darauf, nach seiner Rückkehr nach Moskau sein wöchentliches Video aufnehmen zu können. Im Flughafen habe er sich noch gut gefühlt.

    „Und dann... Das ist einfach schwer zu beschreiben, weil man es mit nichts vergleichen kann. Organophosphate greifen dein Nervensystem an wie eine DDoS-Attacke den Computer – das ist eine Überlastung, die dich kaputtmacht.”

    Dann habe er gespürt, dass er seine Konzentration verliere und kalten Schweiß bekomme. Er bat seine Sprecherhin Kira Jarmysch, die neben ihm im Flugzeug saß, um ein Taschentuch und darum, mit ihm zu sprechen: „Ich muss eine Stimme hören, irgendwas ist komisch mit mir. Sie schaut mich an wie einen Verrückten und fängt an zu reden”, so Nawalny gegenüber dem „Spiegel” am Donnerstag.

    Daraufhin habe er versucht, sich frisch zu machen, und im WC sein Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen. Dabei sei ihm eingefallen – wenn er jetzt nicht rausgehe, komme er nie mehr heraus.

    Er habe sich an einen Flugbegleiter gewandt und zur „eigenen Überraschung” gesagt: „Man hat mich vergiftet. Ich sterbe.” Danach habe er sich auf den Boden gelegt – „um zu sterben”.

    Dabei habe Nawalny keinen Schmerz gefühlt: „Aber du weißt, du stirbst. Und zwar jetzt sofort. Dabei tut dir gar nichts weh.” Und weiter: „Hier verstehst du einfach: Das ist dein Ende”.

    Das Letzte, das er gehört habe, bevor er das Bewusstsein verlor, sei eine Frage, ob er Herzprobleme habe, sowie den Ruf einer Frau: „Jetzt nicht ohnmächtig werden!”

    Nach Nawalnys Einschätzungen dauerte das Ganze etwa eine halbe Stunde.

    Zuvor hatte einer der Entwickler des Nervengifts „Nowitschok”, Leonid Rink, im Sputnik-Gespräch erklärt, warum Nawalny nicht mit diesem Kampfstoff vergiftet werden konnte. Laut ihm wurde „Nowitschok” als eine Alternative für Atomwaffen entwickelt, und bei einem Giftanschlag mit dieser Substanz wäre Nawalny bereits nach zehn Minuten tot gewesen. Darüber hinaus hätten bei Nawalny wichtige Symptome einer „Nowitschok”-Vergiftung gefehlt, wie Muskelkrämpfe und verengte Pupillen.

    Nawalny selbst hat gegenüber dem „Spiegel” gesagt, er glaube, dass der russische Präsident Wladimir Putin hinter der Vergiftung stehe. Auf die Frage, was er denken würde, wenn es doch nicht Putin war, erläuterte der Kreml-Kritiker:

    „Wenn er es nicht war, dann wäre alles noch viel schlimmer (...)ю Wenn der Zugang zu dem Kampfstoff nicht bei drei Leuten liegt, sondern bei 30, dann ist das eine globale Bedrohung. Das wäre schrecklich.”

    Fall Nawalny

    Der oppositionelle Blogger Alexej Nawalny war am 20. August in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk gebracht worden, nachdem er beim Flug nach Moskau zusammengebrochen war. Örtliche Ärzte diagnostizierten bei Nawalny schwere Stoffwechselstörungen, deren Ursache unklar war. Giftspuren wurden weder im Blut noch im Urin nachgewiesen.

    Auf Drängen seiner Familie wurde Nawalny zur weiteren Behandlung in die Berliner Klinik Charité geflogen. Die Bundesregierung teilte unter Berufung auf Bundeswehr-Mediziner mit, dass bei Nawalny Spuren eines Nervengifts aus der Nowitschok-Gruppe festgestellt worden seien. Beweise wurden bislang nicht vorgelegt. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte deshalb Ende August ein Rechtshilfegesuch an Deutschland gerichtet. Inzwischen hat Russland drei Rechtshilfeersuche an Deutschland gestellt.

    Berlin zufolge wurden die Schlussfolgerungen deutscher Experten in Labors in Schweden und Frankreich bestätigt.

    Am 7. September wurde der Blogger aus der Klinik entlassen. Sein Zustand sei zufriedenstellend, hieß es bei der Charité.

    msch/sb/sna

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    Nowitschok, A-234 "Nowitschok", Vergiftung, Der Spiegel, Spiegel, Alexej Nawalny