02:08 27 November 2020
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    Dass ein deutsches Einsatzkommando russische Zivilisten in der Sowjetunion massenhaft hinrichtete, ist als Völkermord zu werten. So lautet der Beschluss eines Gerichts im Gebiet Nowgorod. Ein Historiker kommentiert die Gerichtsentscheidung im Sputnik-Gespräch.

    „Die Tatsache von rechtlicher Bedeutung als gegeben feststellen: Die erneut aufgedeckten Verbrechen des deutschen ‚Teilkommandos‘ in den Jahren 1942-43 gegen mindestens 2600 sowjetische Bürger sind als Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit, als Genozid an ethnischen Gruppen anzuerkennen.“ So lautet der Beschluss des Bezirksgerichts der Stadt Solzy im Gebiet Nowgorod, den der Historiker Nikita Buranow von der Russischen militärhistorischen Gesellschaft im Sputnik-Gespräch als „historisch wichtig“ bezeichnet.

    „Natürlich ist das wichtig. Den Genozid am sowjetischen Volk auf dem Gebiet der Sowjetunion hatte es nach meiner Auffassung gegeben. Dies wird schon aus der verbrecherischen Logik und den Dokumenten ersichtlich, mit denen die Nazis ihren sogenannten Ostfeldzug rechtfertigten“, so der Geschichtswissenschaftler. „Selbstverständlich hegten die Nazis Vernichtungspläne. Davon war die ganze Geschichte des Dritten Reichs durchzogen, angefangen bei den absurden Vorstellungen, die der deutsche Führer in ‚Mein Kampf‘ darlegte, bis hin zum Generalplan Ost, laut dem die Bevölkerung der sogenannten Ostgebiete entweder ermordet oder umgesiedelt werden sollte.“

    1942 richteten deutsche Schwadronen in der Siedlung Schestjanaja Gorka im Gebiet Nowgorod massenhaft Zivilisten durch Erschießungen hin. Teilnehmer des russischen Aufarbeitungsprogramms „Ohne Verjährungsfrist“ („Bes sroka dawnosti“) fanden dort Anfang letzten Jahres die sterblichen Überreste von mehr als 500 Menschen, darunter 188 Kinder: das jüngste war fünf Jahre alt gewesen. Für die Durchführung der Massenerschießungen bildeten die Nazi-Truppen das mehr als 20-köpfige Teilkommando, angeführt von deutschen und österreichischen Offizieren. Die Befehle wurden teilweise von Kollaborateuren lettischer Herkunft ausgeführt.

    Und: „Es war ja nicht diese Siedlung allein. Es gab hunderte ähnlicher Fälle, bei denen wehrlose Menschen starben“, erinnert der Historiker Buranow.

    Als Hauptverantwortlicher für die Massenerschießungen russischer Zivilisten gilt Wehrmachtsgeneral Kurt Herzog. Ein sowjetisches Militärgericht verurteilte ihn 1947 zu 25 Jahren Lagerhaft. Der Offizier starb 1948. Die Mitglieder der Todesschwadronen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft im Gebiet Nowgorod betonte im Zusammenhang mit dem gerichtlichen Beschluss, dass Kriegsverbrechen gemäß dem Statut des Nürnberger Tribunals nicht verjährten.

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    Tags:
    Völkermord, Kriegsverbrechen, Drittes Reich, Deutschland, Zweiter Weltkrieg