17:45 11 Dezember 2019
SNA Radio
    Soldaten im Ersten Weltkrieg

    Unheil kommt aus dem Westen. Wer bereitete den Ersten Weltkrieg vor?

    © Sputnik / Stabschef Martynov
    Sinowjew-Klub
    Zum Kurzlink
    Von ,
    0 71111
    Abonnieren

    Das Mitglied des Sinowjew-Klubs Oleg Nasarow erinnert zum Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs daran, dass das Unheil aus dem Westen kommt.

    Sinowjew-Klub
    Sinowjew-Klub

    Vor 100 Jahren, am 28. Juli 1914, überfiel Österreich-Ungarn Serbien. Am 1. August erklärte Deutschland Russland den Krieg, am 3. August Frankreich und Belgien. Der drohende Angriff Deutschlands auf Belgien beendete das Zögern Großbritanniens, das am 4. August Deutschland den Krieg erklärte. Es begann der Erste Weltkrieg.

    Bei der Analyse der Ursachen der Katastrophe kam der Altmeister der amerikanischen Diplomatie Henry Kissinger zu dem Schluss, dass es keinen einzigen konkreten Anspruch Russlands gegenüber Deutschland sowie Deutschlands gegenüber Russland gab, der die Ursache für selbst für einen lokalen Krieg, geschweige denn für einen Weltkrieg hätte sein können.

    Russland hatte keine Ansprüche gegenüber Berlin und wollte nur das Zerfleischen Serbiens durch die Habsburger Monarchie verhindern.

    Dafür gab es jedoch viele Auseinandersetzungen zwischen Berlin und London in verschiedenen Teilen der Welt. Paris wollte von Deutschland Elsaß-Lothringen zurückerobern.

    „Das weltweite Blutbad“ wurde nicht von Nikolai II. und den „russischen Barbaren“, sondern von „Cousin Willi“ und anderen Vertretern des „zivilisierten Europas“ vorbereitet. Daran arbeiteten die Spitzenakteure Deutschlands, Österreich-Ungarns und Großbritanniens, westliche Finanzexperten, Industriemagnaten, Politiker, Militärs und Diplomaten. Jeder von ihnen rechnete damit, dass der Krieg seinem Land und ihm persönlich materielle und politische Vorteile bringen würde. Davon träumten auch die Eliten in den Kolonien.

    Keine Propheten im Vaterland

    Inzwischen gab es nüchterne und erfahrene Analysten, deren Prognosen auch heute interessant zu lesen sind.

    Im Jahre 1886 machte der heute unpopuläre Friedrich Engels darauf aufmerksam, dass die Widersprüche zwischen den führenden Ländern der Welt eine Lokalisierung der militärischen Konflikte zwischen ihnen unmöglich machen. 1895 betonte er kurz vor seinem Tod, dass jetzt nur ein Weltkrieg möglich sei. Im Unterschied zu den Militärstäben der Großmächte, deren Anführer bis zum Beginn des weltweiten Blutbads davon überzeugt waren, dass der Krieg nicht länger als ein Jahr dauern wird, prognostizierte Engels, dass er drei bis vier Jahre dauern und mit einer Niederlage Deutschlands enden würde.

    Der Wortführer der Rechten im Staatsrat des Russischen Reiches, Pjotr Durnowo, übergab im Februar 1914 eine Mitteilung für Zar Nikolai II. Darin prognostizierte er, dass der Krieg von den Koalitionen mit Großbritannien und Deutschland an der Spitze geführt und die schwierigste Rolle in der Entente von Russland übernommen würde.

    Durnowo verheimlichte seine Skepsis wegen der Annäherung zwischen Sankt Petersburg und London nicht. Er war der Ansicht, dass Russland keinen Gewinn aus einem Bündnis mit London ziehen würde. Bei der Analyse der möglichen geopolitischen Gewinne bzw. Verluste sagte er, dass der „einzige Preis in diesem Krieg nur Galizien sein könnte“. „Nur ein Verrückter kann Galizien angliedern wollen. Wer Galizien angliedert, verliert das Reich…”, sagte er.

    Falls es zu Misserfolgen im Krieg komme, werde eine soziale Revolution in ihren extremen Erscheinungsformen unvermeidlich sein, so der ehemalige russische Innenminister.

    Doch die politischen Eliten übersahen die Warnungen des deutschen Sozialisten und des russischen Monarchisten und begannen leichtsinnig ein massenhaftes Blutvergießen.

    Schockierende Ergebnisse des Ersten Weltkriegs

    Es kann zwar merkwürdig scheinen, doch der Krieg wurde auch von breiten Volksmassen begrüßt. „Es war eine ungewöhnliche Mischung aus einer nicht realisierten Vaterlandsliebe, einer romantischen Freude wegen einer möglichen Teilnahme am großen Abenteuer und einer naiven Erwartung, dass dieser Konflikt die alten Probleme lösen würde. Die meisten Deutschen glaubten ebenfalls wie die meisten Briten und Franzosen daran, dass ihr Land Opfer eines brutalen Angriffs wurde“, so der britische Historiker Gordon Craig.

    Die Russen irrten sich nicht. Selbst die wütendsten Russenhasser und diejenigen, die die Fakten der Geschichte manipulieren, wagen es nicht, Russland für die Entfachung des Ersten Weltkriegs verantwortlich zu machen.

    Die Ergebnisse des Krieges waren schockierend. Es gab Millionen Tote und Verletzte. Städte wurden verwüstet, Dörfer entvölkert. Wie die Historikerin Jelena Senjawskaja betonte, erschütterte der Krieg das Bewusstsein der Gesellschaft und war ein psychologischer Schock für die gesamte moderne Zivilisation, wobei gezeigt wurde, dass der gesamte von den Menschen erreichte wissenschaftliche, technische, kulturelle und geistige Fortschritt ein blitzartiges Abgleiten der Menschheit in eine blutige Barbarei nicht verhindern kann.

    1919 wurde die politische Weltkarte von London, Washington und Paris ohne Beteiligung Russlands aufgeteilt, wobei „vergessen“ wurde, dass Russland die größten Verluste in dem Krieg trug.

    Danach lenkte der „zivilisierte Westen“ die Welt so „gekonnt“, dass man nicht lange auf ein weiteres Abgleiten der Menschheit in eine blutige Barbarei warten musste.

    Gegen Russland

    Das Näherrücken eines neuen weltweiten Blutbads war zu spüren, als in Deutschland die nach Revanche strebenden Nazis am 30. Januar 1933 an die Macht kamen.

    Auf internationaler Bühne begann ein Kampf zwischen den Anhängern einer kollektiven Sicherheitspolitik, deren kontinuierlicher Vermittler die Sowjetunion war, und den westlichen Demokratien, die einen Kurs auf die „Befriedung des Aggressors“ auf fremde Kosten verfolgten. Großbritannien und Frankreich verhielten sich nachsichtig gegen Deutschland und wollten seine Aggression gen Osten lenken.

    Großbritannien, Frankreich und Italien überließen am 30. September 1938 in München, wohin keine Vertreter der Sowjetunion eingeladen wurden, Hitler die Tschechoslowakei zum Zerfleischen.  Der britische Premier Neville Chamberlain sagte nach seiner Rückkehr nach London: „Ich brachte der jetzigen Generation den Frieden“.

    Doch nach weniger als einem Jahr mussten die Briten in den Krieg ziehen. Auch die Sowjetunion schaffte es nicht, den Krieg zu verhindern.

    Die Geschichte der zwei Weltkriege zeigt, dass sie von den Staaten der westlichen Welt initiiert und begonnen wurden. Der Hauptaggressor war 1914 und 1941 Deutschland.

    2014 erwies sich die Menschheit zum dritten Mal innerhalb von 100 Jahren am Rande eines globalen Blutbads. Der Westen mit den USA an der Spitze ist wieder bereit, gegen Russland zu kämpfen, was die Deutschen einst erlebt hatten.

    Doch die Amerikaner haben sich im Unterschied zu den Deutschen daran gewöhnt, mit fremden Händen zu kämpfen. Doch werden sie es schaffen, hinter dem großen Teich zu bleiben?

    Wir müssen zugeben — falls der Lebensinstinkt die Washingtoner Falken nicht stoppen würde, würden die friedlichen Erklärungen der russischen Diplomaten einen Dritten Weltkrieg kaum verhindern können, wie es auch die russischen und sowjetischen Diplomaten kurz vor Beginn der beiden Weltkriege nicht tun konnten.

    Deswegen ist es sinnlos, vor dem Krieg Angst zu haben.

    Wenn wir auf das Schlimmste gefasst sind, können wir auch bessere Zeiten erleben.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Logik der Lüge
    Die Säuberung eines Wohlfahrtstaates
    Demokratie am Ende. Was kommt danach?
    Kalter Krieg in zweiter Auflage
    Tags:
    Erster Weltkrieg, Sinowjew-Klub, Zweiter Weltkrieg, Gordon Craig