19:51 15 Dezember 2019
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    Pawel Rodjkin

    Antirussische Welt

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    Die Bildung einer antirussischen Welt vollzog sich im Laufe von mehreren Jahren im ganzen postsowjetischen Raum, doch sie zeigt sich nicht im geografischen, sondern vor allem im mentalen Bereich, äußert das Mitglied des Sinowjew-Klubs Pawel Rodkin.

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    Die Ukraine hat irrational mit der russischen Welt gebrochen, was zu ihrem Tod führt. Einer der Gründe dieser Katastrophe ist die aufgedrängte und von der Gesellschaft angenommene negative Identität der „antirussischen“ Welt in Form einer Massenhysterie. Eine negative Identität ist ein Instrument der modernen Geopolitik, das von den USA aktiv genutzt wird. Kann das moderne Russland dieser humanitären und Kommunikationswaffe Widerstand leisten? Zudem war es die Sowjetunion, die ihre Zerstörungskraft als erste vollumfänglich erlebte.

    Negative Identität: Lehren des Kalten Krieges

    Die Technologie des Eindringens von negativen Identitäten in das gesellschaftliche Bewusstsein wurde gegen die Sowjetunion eingesetzt und verwandelte sich in eines der effektivsten Instrumente zur Zerstörung des Gegners von innen. Die sowjetische und später die russische Gesellschaft konnte nicht verstehen, was geschieht – so stark und unbemerkbar wurde die Gesellschaft bearbeitet. In der Tat zeigen die Ukraine-Ereignisse erst heute, wie ein Spiegel, diese Prozesse, die für die russische Gesellschaft und einen Teil der Elite ernüchternd wirken.
    Das Wesen des Phänomenons der negativen Identität besteht darin, dass die Gesellschaft (sowohl auf personeller als auch auf der Ebene der Massen) die von außen aufgedrängte kritische Inakzeptanz der eigenen Kultur, Geschichte, des Sozialsystems und des Staates annimmt. Die negative Identität bildet ein spezifisches und unkritisches Bild der Welt und einer positiven Gestalt der äußeren Kräfte, wobei die Illusion der Zugehörigkeit geschaffen wird.

    Die Opposition gegenüber der eigenen Gesellschaft wird über soziale (Klassen-), kulturelle, religiöse, nationale und ethnische Widersprüche in der Gesellschaft verwirklicht, die sich zuspitzen und manchmal künstlich durch eine massenhafte negative Identifikation  geschaffen werden. Die Opfer werden damit zum freiwilligen und treusten Mithelfer ihres Mörders.

    Die negative Identität ist eine Virus-Technologie der inneren Selbstzerstörung der Gesellschaft und als Folge des Staates, die sich im mentalen Bereich entwickelt, wie sie von Alexander Sinowjew definiert wird. Der mentale Bereich kann technologisch in Unterbereiche wie Entwicklung, Akkumulation und Eindringen in das Bewusstsein der Menschen mit einem bestimmten Wertesystem eingeteilt werden, die mit ihren Gedanken zusammenhängen.

    Der mentale Bereich bildet das Verhalten der Menschen zu politischen und sozialen Prozessen, die ihre Tätigkeit bzw. Untätigkeit bei Wenden bestimmen. Die Entwicklung der Gesellschaft und die sprunghafte Entwicklung der Netztechnologien führten zum Verlust der Dichtheit des mentalen Bereichs durch den Staat und das Monopol über ihn.

    In den letzten Jahren der Existenz der Sowjetunion kam die negative Identität durch die Verneinung, Verspottung und den fehlenden Glauben an die Ideologie, die Werte und die Symbole des Landes zum Vorschein. Seit diesem Zeitpunkt war der Sieg der antisowjetischen Welt vorausbestimmt. Doch die antisowjetische Welt, die gewonnen hat, verwandelte sich sofort in eine antirussische Welt – „gezielt wurde auf den Kommunismus, getroffen jedoch Russland“, wie es Sinowjew sagte.

    Antirussische Welt – Tragödie der Ukraine

    Die Bildung der antirussischen Welt vollzieht sich nicht im geografischen, sondern vor allem im mentalen Bereich. Obwohl die antirussische Welt im ganzen postsowjetischen Raum aufgebaut wurde, wurde dieses Projekt im vollen Ausmaß  in der Ukraine verwirklicht – es wurde durch die negative Identität umgesetzt.

    Ein Konflikt zwischen den Ukrainern und den Russen aus Sicht der russischen Welt ist absurd und undenkbar. Die ukrainische Identität, obwohl sie von Anfang an antirussisch und künstlich war (das war das österreich-ungarische und deutsche Projekt vom Anfang des 20. Jahrhunderts), erhielt eine neue positive Entwicklung in der Sowjetunion. Die sowjetische und russische Welt nahm die Ukraine auf und machte sie zu einem Teil von sich. Für Russland, das in verschiedenen Formen existieren kann (Imperium bzw. Föderation) gibt es keine Probleme bei der Integration unterschiedlicher Ethnien, Nationalitäten, Kulturen und Religionen.

    Die moderne Ukraine bezeichnet sich selbst aufrichtig als Teil Europas und des abstrakten Westens nicht geografisch bzw. attributiv, sondern vor allem mental. Der naive Glaube an den erfundenen „europäischen Kommunismus“, von dem die ukrainische Gesellschaft erfasst ist, hat einen irrationalen und unkritischen Charakter und wird durch eine radikale Entgegensetzung zu Russland genährt. Auch wenn die ideologische Grundlage und der Inhalt dieser Entgegensetzung Abfallstoffe der Menschheit wie die faschistischen Straftäter aus der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges sind.
    Die Identität der modernen Ukraine hat einen infantilen und aggressiven Charakter, bei dem die ukrainische Gesellschaft die Fähigkeit verliert, die Situation nüchtern zu analysieren. Das Problem besteht darin, dass, unabhängig von der Stärke der virtuellen Identität des „Ukrainertums“ und der für sie tätigen Medien, die mit jedem Tag wachsende Zahl der Opfer des Bürgerkrieges und die kommende Wirtschaftskatastrophe real sind.
    Doch der Westen ist kaum besorgt über das Schicksal der Ukraine. Europa betrachtet die Ukraine als einen Absatzmarkt, die USA als eine neue Front gegen Russland. Nur die ukrainische Gesellschaft, die die negative Identität der antirussischen Welt annahm und jetzt nicht mehr zu den politischen und wirtschaftlichen sowie historischen Subjekten gehört, versteht das nicht.

    Nach der Ukraine: Bedrohungen für Russland

    Das historische Schicksal der Ukraine ist vorausbestimmt. Hier stellt sich die Frage: Wird Russland den Todeskampf der Ukraine überleben, der vom stärkeren Druck des globalen Westens begleitet wird?

    Die Gefahr der Aktivierung innerer mentaler Viren bleibt auch in Russland bestehen. Der mentale Bereich der antirussischen Welt ist keine abstrakte Kategorie, sie bildet das soziale Umfeld (das Eliten-Umfeld) und Institutionen, die sich mit dem Eindringen negativer Identitäten in die Gesellschaft befassen.

    Der Verfall der Gesellschaft setzt sich fort, obwohl er sich auch dank dem Impfstoff der Ukraine-Ereignisse verlangsamte. Doch das Begreifen der sozialen Realität und der Mechanismen der modernen Weltstruktur bleiben auf einem niedrigen Niveau. In der russischen Gesellschaft bleibt die Immunität vor einer negativen und manipulativen Informationswirkung auf dem Niveau von Instinkten.

    Die Ideologie der Überlegenheit des Westens, des eigenen Unrechts, der Zugehörigkeit zu einer zweiten Klasse und einer fehlenden Kultur wird bis heute von einem Teil der aktiven Gesellschaft geteilt und den Menschen auf verschiedenen Ebenen aufgedrängt. Die kritische Denkweise der Gesellschaft (insbesondere bei der so genannten kreativen Klasse) bleibt auf einem sehr niedrigen Niveau, wobei sie sehr leicht zum Objekt von Manipulationen gemacht wird, was der Versuch der Revolution der weißen Bänder 2011/2012 zeigte. Diese Situation wird anschaulich in den Sozialen Netzwerken illustriert.

    Um der negativen Identität Widerstand zu leisten, muss die politische Sprache des Westens übersetzt und erklärt werden, bei der die Dinge das Gegenteil bedeuten, nicht nur auf der Ebene der Propaganda, sondern auch auf der Ebene der politisch-wirtschaftlichen, soziologischen und philosophischen Kenntnisse (wodurch die Macht der liberalen Eliten bedroht wird). Sonst wird der neue zerstörerische Angriff auf die russische Welt auch dieses Mal nicht von außen, sondern innerhalb Russlands erfolgen.

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