14:33 23 Oktober 2018
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    Explosion einer Kernwaffe (Symbolbild)

    Gebt dem Friedensnobelpreisträger die Atombombe!

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    Sinowjew-Klub
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    Sinowjew-Klub, Olga Sinowjewa
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    Die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine haben die Welt der pazifistischen Werte zerstört und aus den Nobelpreis-dekorierten „Friedenstauben“ Barack Obama und Lech Walesa aggressive „Falken“ gemacht, die den Dritten Weltkrieg entfesseln wollen, wie die Kovorsitzende des Sinowjew-Klubs, Olga Sinowjewa, einschätzt.

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    Unsere „kleinen Brüder“ – ich spreche von unseren einstigen sozialistischen Partnern im Rahmen des Warschauer Pakts – fühlen sich auch im großen Europa, im richtigen Westeuropa einsam und nicht anerkannt.

    Bis zu den 1990er-Jahren litten sie bekanntlich unter der furchtbaren Sowjetunion, die ihnen ihre Friedenspolitik aufzwang, gleichzeitig aber sie immer wieder finanziell unterstützte, damit sie ihre industrielle Infrastruktur aufbauen, Riesenbetriebe wie den Seehafen und die Lenin-Werft in Gdansk bauen, damit in Warschau eine Universität entstehen konnte. Dabei verlangte die Sowjetunion nie, dass die anderen Länder des Warschauer Pakts diese Mittel irgendwann zurückzahlen. Zudem übernahm die Sowjetunion die Ausbildung ausländischer Studenten, denen sie übrigens Stipendien zahlte, ohne von den jeweiligen Ländern dafür Geld zu verlangen.  Für die neuesten sowjetischen Technologien und die Brüderfreundschaft erhielten wir von dieser sozialistischen „Supermacht“ Johannisbeerkonfitüre, das Musikfestival in Sopot und die Kinofilme von Andrzej Wajda und Jerzy Kawalerowicz. Der Gerechtigkeit halber muss man sagen, dass sowohl die Konfitüre als auch die Filme erstklassig waren. Dennoch: Wir hatten unsere Partner mit Kleidung und Nahrungsmitteln versorgt, ausgebildet, verteidigt und auch Schritt für Schritt indoktriniert. Dann aber beschlossen die von der sowjetischen Protektion müden halbwestlichen Länder Osteuropas, die von richtiger Demokratie träumten, auf einmal, dass sie von Moskau unabhängig werden wollten.

    Mit so einem Anführer wie Lech Walesa, der im Grunde den „amerikanischen Traum“ erfüllt hat (indem er den Weg vom Schlosser in der oben erwähnten Lenin-Werft bis zum Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger gegangen ist) wurde es einigen Menschen offenbar vom Erfolg schwindelig, und ihr Minderwertigkeitskomplex verwandelte sich praktisch über Nacht in einen Vollwertigkeitskomplex. Zumal die Voraussetzungen dafür nahezu ideal waren: Der Westen und vor allem die USA unterstützten ja die Protest- und Menschenrechtsbewegung Solidarnosc in dem von der Sowjetunion unterdrückten Land, das Aufflackern der antisowjetischen Hysterie und schließlich die Unzufriedenheit der kleinbürgerlichen und stolzen Bevölkerung mit ihren Lebensbedingungen, die ganz banal gut essen wollten.

    Diese kleinbürgerliche Denkweise ist eben der Grund, warum dieser polnische Staatsbürger, ehemalige Präsident dieses Landes und Friedensnobelpreisträger sich immer noch nicht beruhigen kann. Wahrscheinlich hat ausgerechnet der Umstand, dass er mal den Friedensnobelpreis bekommen hat, Walesa dazu gezwungen, die Errichtung von Verteidigungsanlagen an der Grenze seines endlich mal frei gewordenen Landes zu verlangen, damit es sich von seinem großen und aggressiven Nachbar trennen kann, von dem man ja „alles erwarten kann“. „Polen muss gegen Russland auftreten“, erklärte Walesa in einem Interview für die Zeitung „Rzeczpospolita“. Und der italienischen „La Stampa“ sagte er: „Putin? Den muss man stoppen. Geben Sie uns Nuklearraketen, und wir werden sie in Richtung Moskau abfeuern. (…) Man sollte uns eine Atombombe leihen und Putin zeigen, dass wir sie einsetzen, falls der russische Soldat ohne Einladung zu uns kommt“, ergänzte der 70-jährige Weise und schlug damit der Nato vor, einen Teil ihrer Atomwaffen in Polen aufzustellen.

    Damit verfolgte Walesa offenbar gleich mehrere Ziele. Erstens wollte er der Europäischen Union zeigen, dass Polen ein gleichberechtigtes EU-Mitglied ist. Zweitens wollen die EU-Neulinge den alten Mitgliedsstaaten gefallen und ihren eigenen Enthusiasmus zeigen. Drittens erwarten sie wohl, dass Russland auf einmal Angst hat, seine „Sünden“ aus dem 20. Jahrhundert (nicht zuletzt die polnische Arbeitslosigkeit) unerwartet zugibt und die braven Polen einlädt, Russland zu verwalten. Man weiß ja nie, was sich der grauhaarige Nobelpreisträger noch einfallen lässt – denn er ist ja nun einmal auf die Idee gekommen, die Banditen vom „Maidan“ mit einer Sonderprämie von 100 000 Dollar auszuzeichnen! Kennzeichnend ist aber, dass sich im „aufgeklärten“ Westeuropa niemand gefunden hat, der ihn in die Schranken gewiesen hätte.

    Interessant ist, dass die Polen in den düsteren Zeiten des Warschauer Pakts nicht einmal auf die Idee kamen, die Sowjetunion nach Atomwaffen zu fragen. Warum? Weil sie ganz genau wussten, dass die Sowjetunion, die sie einst von der „braunen Pest“ befreit hatte, sie ohnehin zuverlässig beschützte. Zudem fühlten sie sich wirklich souverän und wussten, dass sie an der Arbeit des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) gleichberechtigt teilnehmen und mit der Unterstützung rechnen durften, die sie in der Nachkriegszeit sehr brauchten.

    Apropos RGW: Dieses Gremium sagte seinen einzelnen Mitgliedern nicht, wie viel Zuckerrüben, Milch oder Fleisch sie zu produzieren hatten — eine Bestrafung derjenigen, die gegen die Konvention verstießen, kam nicht einmal infrage. (Das ist unlängst Lettland, Estland und Litauen passiert, als ihre europäischen Freunde herausfanden, dass sie zu viele Zuckerrüben produziert, gelagert und abgesetzt hatten. Dafür musste jedes der drei Länder eine saftige Strafe von 3,182 Millionen Euro zahlen.)

    Da aber Polen seine Wirtschaftsprobleme Westeuropa, der Europäischen Gemeinschaft und der Nato nicht vorwerfen kann, ist der Frust des Nobelpreisträgers, der auf einmal eine Atombombe besitzen will, im Grunde nachvollziehbar.

    Er hat zwar gesagt, dass er damit sein Land vor Russland beschützen will. Aber vielleicht meinte er dabei eine ganz andere Richtung?

    Die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine haben nicht nur die Beziehungen zwischen Russland, den USA und Westeuropa sehr eigenartig verändert, sondern im Grunde die ganze Welt der pazifistischen Werte zerstört, so dass Nobelpreis-dekorierte „Friedenstauben“ wie Barack Obama und Lech Walesa sich auf einmal in aggressive „Falken“ verwandelt haben, die den Dritten Weltkrieg entfesseln wollen.

    Angesichts dessen habe ich mich vor drei Monaten an das Nobelkomitee gewandt und verlangt, dem US-amerikanischen Staatsbürger Barack Obama den Friedensnobelpreis abzuerkennen. Lassen Sie mich meinen Appell zitieren:

    „Ich, Olga Sinowjewa, habe als Bürgerin eines  freien Landes angesichts der gewaltsamen ‚Demokratisierung‘ der Welt an den Beispielen von Jugoslawien, Syrien, Libyen, Afghanistan, Venezuela und der Ukraine kein moralisches Recht, tatenlos zu beobachten, wie die zügellose Verleumdung Russlands durch den US-Präsidenten eskaliert, wie ein Volk aggressiv unterstützt und zur Hetze gegen ein anderes Volk provoziert wird, wie die Politik zur „friedlichen“ Regelung der Situation in der Ukraine weiterhin ausgeübt wird. Was wäre denn dann eine militärische Lösung, wenn auf Menschen mit Explosivgeschossen geschossen wird, wenn Luftwaffen friedliche Städte bombardieren, wenn Krankenwagen mit Verletzten beschossen werden?

    …Der US-Präsident, der von ungebildeten Assistenten umgeben ist, die nicht einmal wissen, wo der Iran oder Weißrussland liegt, sieht die endlosen Opfer unter den friedlichen Einwohnern der Ukraine nicht, wenn er in seiner Rede in West Point lügt und alles Russland vorwirft. Warum meldete er sich nicht vor Empörung, als friedliche Einwohner von Odessa auf  faschistische Weise lebendig verbrannt wurden? Warum erfolgt die konsequente Menschenvernichtung, die in allen Wörterbüchern als Völkermord bezeichnet wird, immer unter Beteiligung von privaten Militärunternehmen, die Amerikanisch sprechen? Ist denn die schreckliche Sprache von Bildern, auf denen man Menschen sterben lässt, unverständlich – und zwar in einem Land, in dem das US-Außenministerium für die gewaltsame Indoktrinierung der Demokratie fünf Milliarden Dollar ausgegeben hat?

    …Sehr geehrte Mitglieder des Nobelkomitees, haben Sie keine Angst vor einer Wiederholung dessen, was es bereits im 20. Jahrhundert gegeben hat und was während der Nürnberger Prozesse verurteilt wurde? Wo bleibt denn der Humanismus, wo bleiben denn die schönen Ideale, die bei der Einführung des Friedensnobelpreises galten? Werden Sie denn auch weiterhin schweigend und tatenlos zusehen, wie der amerikanische ‚Friedensstifter‘ Terror ausübt?

    Ich verlange, dass dem US-amerikanischen Staatsbürger Barack Obama der Friedensnobelpreis entzogen wird und dass das Internationale Gericht in Den Haag ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleitet, und zwar wegen seiner Kriegsverbrechen gegen friedliche Menschen und wegen der Aufrufe zu Handlungen, die zur Eskalation des Krieges gegen friedliche Einwohner von Syrien, Libyen, Afghanistan, Venezuela und der Ukraine, wegen der Vernichtung des Begriffs ‚Humanismus‘, wegen der aggressiven Verletzung von jeglichen Rechten und Normen, die in der UN-Charta verankert sind.

    Olga Sinowjew, Witwe des Veteranen des Großen Vaterländischen Kriegs und Verwalterin des künstlerischen Erbes von Alexander Sinowjew.“

    Jetzt ist aber offensichtlich, dass nicht nur Obama, sondern auch Lech Walesa der Friedensnobelpreis entzogen werden muss. Denn sonst würde der merkwürdige Eindruck entstehen, dass sich das Nobelkomitee in eine Fabrik verwandelt hat, die sich auf die Produktion von zertifizierten Kriegstreibern, Extremisten und Terroristen spezialisiert hat und damit das pazifistische Erbe von Alfred Nobel diskreditiert.

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    Tags:
    Sinowjew-Klub, Atomwaffen, Barack Obama, Lech Walesa, USA