Widgets Magazine
11:12 13 November 2019
SNA Radio
    Boris Pankin

    Unnötiger Krieg

    © Sputnik / Alexander Makarov
    Sinowjew-Klub
    Zum Kurzlink
    Von ,
    1706
    Abonnieren

    Der Experte des Sinowjew-Klubs Boris Pankin empfiehlt dem Donezkbecken und Kiew, sich an die Madrider Konferenz zum Nahen Osten zu erinnern.

    Sinowjew-Klub
    Sinowjew-Klub

    Wenn ich heute gebeten werde, mich zu den Ukraine-Ereignissen zu äußern, dann sage ich, dass das, was in der und um die Ukraine geschieht, das Ergebnis einer Kette von Verbrechen ist, darunter der militärischen Verbrechen der jetzigen Kiewer Behörden sowie einer Reihe von Fehlern der russischen Staatsführung sowie anderer Personen, die in einen tödlichen Prozess verwickelt wurden, der endgültig in eine Sackgasse geriet.

    Alles begann jedoch mit dem Fehler der EU-Führung, die mit ihrem Entwurf eines Assoziierungsabkommens mit der Ukraine den zwar schwachen, jedoch legitim gewählten Präsidenten Viktor Janukowitsch vor ein provokatives Dilemma stellte – entweder mit der EU oder mit Russland weiter zu gehen.

    Dieser Zwang zur Wahl erwies sich für den schwachen Janukowitsch als unerfüllbare Aufgabe. Zunächst verfiel er der Verführung, die Ukraine auf einmal in Europa zu verwandeln, obwohl sie auch immer zu Europa gehörte. Danach schämte er sich wegen der eigenen Leichtsinnigkeit und bewegte sich in Richtung Russland. Zudem war Russlands Präsident bereit, diese 180-Grad-Wende mit einer großen Gaspreisermäßigung und einem Kredit in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar zu belohnen, von denen drei Milliarden unverzüglich bereitgestellt wurden. Doch dann stellte sich heraus, dass eine Vereinbarung mit dem Präsidenten nicht ausreicht.

    Auch die Reaktion des Westens wurde nicht bis zum Ende kalkuliert, der nicht gewillt war, die Ukraine loszulassen. Er war sogar bereit, dem Land mehrere Millionen Dollar bereitzustellen — jedoch nicht für die Demokratie, sondern für die Demokraten, die dem Land die Zügel anlegen wollten.

    Einerseits kamen auf den Maidan im November des Vorjahres gerechte Ukrainer, die ihr Vaterland lieben, Vertreter verschiedener sozialer Schichten, die begriffen hatten, dass etwas in der Ukraine schief läuft.

    Andererseits gab es andere Kräfte, die begriffen, dass die Zeit gekommen war, die Macht zu ergreifen. Das waren die Nachfolger Banderas und seiner Ukrainischen Aufständischen Armee, Vertreter der früheren postsowjetischen Regierungen, Extremisten, Nationalisten aus den westlichen und anderen Regionen des Landes und einfache Verbrecher.

    Statt Freiheit und Demokratie sind jetzt Gewalt, Erpressung, Demütigung der Zweifelnden, der Betrug an den Leichtgläubigen an der Tagesordnung.

    Wenn man diese abstrakten Begriffe in reale Ereignisse, in Fakten und Verbrechen auf dem Maidan umwandelt, hat man es mit flammenden Rädern, Molotow-Cocktails und Scharfschützen zu tun. Das Schlagen der Nichteinverstandenen, das Besetzen der offiziellen und öffentlichen Gebäude, das Schlagen der Verfluchten von Russland, die damit nicht einverstanden sind.

    Doch ohne offene Unterstützung seitens des Westens hätten der Maidan und seine damaligen Anführer Jazenjuk, Tjagnibok und Klitschko plus Poroschenko Janukowitsch nie zum Februar-Abkommen bewegt, wobei die Macht de facto in ihre Hände übergeben wurde.

    Nach der Einwilligung in den Februar-Pakt zog es Janukowitsch vor, statt bis zum Ende zu gehen und nötigenfalls im Amt zu sterben wie Salvador Allende, den Weg des rumänischen Diktators Ceauşescu zu gehen und dann das Land zu verlassen, was nicht mehr ein Fehler, sondern ein Verbrechen war. Dass war Verrat, wobei die Usurpatoren, die sich beeilten, in die legitim gewählten Organe einzuziehen, freie Hand bekamen, wonach es später zu Unruhen im Südosten des Landes, im Donezbecken, kam.

    Die Ausschreitungen der neuen ukrainischen Herrscher, die Entschlossenheit der Kiewer Behörden, die Einwohner des Donezbeckens zu „ukrainifizieren“, präsentiert als Rechtsakt und als Weg nach Europa, löste eine große Widerstandswelle aus, die bis heute nicht nachlässt.

    Damit kollidierten zwei ungleiche Kräfte – rechte und unrechte, wobei es mehr Menschenmassen auf der Seite der unrechten gab.

    Die Unruhen, die die sogenannte Antiterroroperation gegen die Bevölkerung des Südostens der Ukraine mit sich brachte, kann kaum mit etwas verglichen werden, was in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges passierte. Vor diesem Schrecken treten sogar die Bombenangriffe der Nato auf Serbien in den Hintergrund.

    Wenn man die Ruinen, in die sich viele Städte und Dörfer des Donezbeckens verwandeln, die Zahlen der Opfer und die fast eine Million Flüchtlinge nach Russland ansieht, versteht man, egal wie lange man über den Waffenstillstand und über Genfer und Minsker Vereinbarungen spricht: Diese gegeneinander kämpfenden Seiten können sich kaum mehr an den Verhandlungstisch setzen. Ihnen steht ein langsames und unausweichliches Aussterben der Region bevor. Es handelt sich um den Todeskampf von Millionen Menschen, für die es nicht mehr wichtig ist, von wo man schießt. Am wichtigsten ist, dass ihr Leid endlich endet.

    Es bleibt nur ein Ausweg – eine äußere Einmischung. Das können Russland, die EU und die USA sein. Dafür braucht man nichts anderes als den politischen Willen.

    Das historische Gedenken bewegt dazu, sich an die Ereignisse der jüngsten Jahre, an den Anfang der 1990er-Jahre zu erinnern, als die Madrider Konferenz für den Nahen Osten im November 1991 stattfand. Die Sowjetunion und die USA räumten ihre eigenen Interessen beiseite und übernahmen die Verpflichtungen der Kovorsitzenden des Friedensprozesses und haben es geschafft, Israel und eine Gruppe der arabischen Staaten zum ersten Mal seit Beginn des blutigen Konfliktes an den Verhandlungstisch im Madrider Königspalast zu bringen, was in der damaligen Situation bereits ein Erfolg war. Doch es wurde auch vieles vereinbart.

    Der damalige historische Kompromiss wurde unter anderem dadurch erreicht, dass die Kovorsitzenden ihre Rollen tauschten. Die USA bewegten Israel zu gewichtigen, jedoch erforderlichen Zugeständnissen, und die Sowjetunion tat dies mit den Arabern. Das war Chefsache von Gorbatschow und Bush, die alle anderen Sorgen beiseite räumten und nach Madrid kamen. Welche anderen Sorgen damals Gorbatschow hatte, wissen wir ganz gut.

    Unabhängig von der weiteren Entwicklung – einer der Kovorsitzenden (die Sowjetunion) wurde Geschichte — es blieben die Madrider Vereinbarungen im Gedächtnis der Völker als ein Präzedenzfall mit großer Anziehungskraft, eine Bestätigung dafür – falls es einen guten Willen und vernünftigen Verstand gibt, können auch Menschen Wunder vollbringen.

    Man will sehr daran glauben. Falls diejenigen, von denen die Außerbetriebssetzung des tödlichen Fließbandes abhängt, sich an die Stelle der unschuldigen Opfer dieses Krieges versetzen können, könnten unverzügliche Lösungen auftauchen – Feuereinstellung und Wiederaufbau des Zerstörten. Alles andere wird dann kommen.

    Ich hoffe, dass dieser Artikel auch dieser Entwicklung dient.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Assoziierungsabkommen, EU, Vitali Klitschko, Petro Poroschenko, Salvador Allende, Oleg Tjagnibok, Arsseni Jazenjuk, Viktor Janukowitsch, USA, Russland, Ukraine, Donbass, UdSSR