05:39 15 November 2019
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    Russlands Befreiung von der Ratingmanie

    Russlands Befreiung von der Ratingmanie

    © Sputnik / Alexei Filippov
    Sinowjew-Klub
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    Das Mitglied des Sinowjew-Klubs, Alexej Blinow, betrachtet die heutigen Ratings als einen Teil der ideologischen Globalisierungsmechanismen, die die Etablierung eines neuen Kolonisierungssystems in der Welt als Ziel haben.

    Zusammenbruch des Vertrauens zu Ratings

    Sinowjew-Klub
    Sinowjew-Klub

    Der neue Kalte Krieg hat die ersten positiven Ergebnisse gebracht, und zwar der „Rating-Industrie“ einen heftigen Schlag versetzt, die im Grunde ein Produkt der Propaganda westlicher Nichtregierungsorganisationen und ein wichtiges Element der westlichen „Soft Power“ im globalen „Ideen-Kampf“ ist. Dank des neuen Kalten Krieges hat die Abwertung der globalen „Rating-Industrie“ begonnen. Diverse ideologische und propagandistische Tests für die Demokratie, politische Offenheit und wirtschaftliche Vollwertigkeit sind in letzter Zeit nicht mehr so wichtig.

    Russland müsste aus diesem zweck- und nutzlosen Wettlauf um allerlei Ratings, der wie ein Kampf gegen Windmühlen aussieht, aussteigen – es darf einfach nicht seine Zeit und seine Kräfte für diesen Unsinn vergeuden! Selbstkasteiung betreiben und sich Asche aufs Haupt streuen – das ist eines solchen Landes wie Russland nicht würdig.

    Man kann nicht mehr die offensichtliche Tatsache negieren: Ratings sind nichts als ein wichtiges ideologisches Mittel, die Führung und Überlegenheit der westlichen Länder in der Welt zu gewährleisten. Und wenn Ratings jetzt als Waffe im Interesse des Informationskrieges und der westlichen Propaganda wahrgenommen werden, dann sollte man damit auch entsprechend umgehen können.

    Vor Russland steht jetzt die Aufgabe, keine Angst mehr vor Ratings zu haben, an dieser globalen Ratingmanie nicht mehr teilzunehmen, kein Geld bzw. keine Kräfte für diese sinnlosen „Kakerlaken-Rennen“ um positive Ratings zu vergeuden. Man muss verstehen, dass alle Ratings schlecht sind, weil sie nichts anderes als eine Waffe des Informationskrieges sind.

    Ein fremdes Spiel

    Dabei sollte man konsequent handeln: Es geht doch nicht, dass man auf der einen Seite sich für die Ideen der Multipolarität engagiert, auf der anderen Seite sich aber zugleich um die Unifizierung und Festigung der monopolaren Welt bemüht.

    Angesichts mancher Ratings ist unklar, warum Russland überhaupt immer noch existiert. Vor kurzem hat der Leiter des Komitees für Bürgerinitiativen und einer der Mitbegründer des modernen Finanzsystems Russlands, Alexej Kudrin, vorausgesagt, Russland müsste sich 2015 mit dem „Ramschniveau“ abfinden.

    Die Rankings von Moody’s, wie auch die von Standard&Poors und Fitch, sollten niemanden täuschen, weil sie alle einst als ideologische Instrumente gegründet wurden, um die Interessen der USA und des Dollars in der ganzen Welt zu verteidigen – alle drei Unternehmen sind immerhin eng mit dem US-Finanzministerium und der Wall Street verbunden. Davon, dass ihre Prognosen nichts wert sind, hat sich die ganze Welt während der Weltwirtschaftskrise 2008 überzeugen können, denn ihre Prognosen haben eben großenteils die Krise ausgelöst.

    Trotz solcher langjährigen Messungen und demotivierenden Prognosen ist Russland nach wie vor stark, auch wenn das gewisse Kräfte verärgert. Solche Ratings und Indizien sind nichts als eine Technologie zum Kleinreden Russlands, zu seiner Gleichsetzung mit drittklassigen „Bananen-Republiken“, die die Rolle von Rohstoff-„Anhängseln“ der Industrieländer spielen müssen.

    Viele so genannte „einflussreiche Ratings“ sind absolut untauglich und verfolgen das einzige Ziel, ein falsches globales Koordinatensystem zu bilden, in dem der Status einzelner Staaten und ganzer Regionen künstlich gehoben wird. Dabei sind diese Ratings im Grunde virtuell: Sie haben kaum etwas mit der Realität zu tun und sind nur dafür da, die Menschenmassen zu zombifizieren. Beispiele dafür gibt es massenweise: So wurde China – immerhin die Wirtschaft Nummer eins der Welt – im „Doing Business“-Ranking der Weltbank nur auf Platz 90 unter insgesamt 189 Ländern gesetzt. Die Weltbank-Experten denken offensichtlich, dass „Business auf chinesische Art“ keine lukrative Sache ist.

    Parasitierende Expertokratie

    Man muss sich im Klaren sein, dass die meisten globalen Ratings nichts als ideologische Konstruktionen sind, die mit realen Vergleichsforschungen von Staaten nichts zu tun haben, die sich auf gründliche Analysen von statistischen Angaben stützen würden. Das Hauptmerkmal der globalen ideologischen Ratings  sind die Expertenumfragen. Wenn Expertenumfragen Teil der Methode zur Erstellung eines Rankings sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieses Ranking subjektiv ist und dem realen Sachverhalt nicht entspricht – sprich falsch ist. Die Erstellung von globalen ideologischen Ratings ist eine parasitierende Industrie. Die Technologie zur Einflussnahme der Expertokraten, die sich auf subjektive Kriterien und Schätzungen stützt – dabei geht es um die Bemühungen von illegitimen Strukturen, legitime Institutionen zu beeinflussen. Wie auch jede andere Form der parasitischen Aktivitäten, verfolgt die Expertokratie in erster Linie ihre eigenen Ziele anstatt die Interessen der Gesellschaft zu verteidigen.

    Als Beispiel für solche subjektiven Ratings lässt sich das Ranking von angesehensten Universitäten der Welt anführen. Dabei wird nur ein Ziel verfolgt: die Führung des angelsächsischen Bildungssystems zu unterstreichen.

    Nach ihrem Wert sind solche Ratings mit Meinungsumfragen während einer Wahlkampagne vergleichbar, von denen viele – Politikexperten wissen das ja – nicht auf der Straße, sondern in bestimmten Arbeitszimmern erstellt werden, wobei die Zahlen aus dem Finger gesogen werden. Solchen Umfragen, wie auch solchen Ratings, kann man keineswegs glauben. Solche „Analysen“ sind nach ihrem Wert mit dem von Horoskopen für Hausfrauen vergleichbar.

    Die Ratings, egal von welch angesehenen westlichen Expertenzentren sie erstellt werden, sind ein faules Produkt. Die Devalvierung von Ratings entspricht der Tiefe der Vertrauenskrise, in die die westliche Expertengemeinschaft in letzter Zeit geraten ist: Das Vertrauen zu ihr ist derzeit gleich null. Jetzt ist die Bedeutung dieser Ratings für Russland genauso groß, wie die Meinung des Westens und solcher „Gurus“ wie Brzezinski, solcher Medienstars wie Psaki oder solcher Lobbyisten wie Nuland oder McCain, die eine rücksichtslose und feindselige Vorstellung von Russland verkörpern.

    Wie kann man denn den westlichen Experten nur vertrauen, wenn ihr Ziel in der Unterdrückung Russlands und in der maximal möglichen Schädigung unseres Landes besteht? Die Meinung jedes solchen „Experten“ über Russland ist absolut nichts wert.

    Die Mechanik der neuen Weltkolonisierung

    Die Ratings sind eine der ideologischen Methoden zur Unifizierung der Welt, auf die die Globalisierung zurückgreift. Dabei spielt jede handelnde Person – sprich jeder Staat – eine ganz bestimmte Rolle. Das ist im Grunde Teil eines Mechanismus zur Kolonisierung der Welt, zur Etablierung eines neuen Kasten-Systems, zur Segregation von Staaten und Gesellschaften. Ich formuliere einmal die Worte von Alexander Sinowjew neu, der einmal die globalen Medien als „Vatikane des Westentums“ bezeichnete: Die modernen Ratingagenturen lassen sich durchaus als Stützen des Westentums bezeichnen – der neuen Kolonisierung der Welt, der Festigung der Segregation von Staaten nach Tausenden von künstlichen Kriterien. Noch mehr als das: Diese Segregation der Welt durch die Ratingagenturen ist eine Äußerung der Außerordentlichkeit des Westens, von der die westlichen Führungspolitiker in letzter Zeit immer öfter reden. Haben Sie jemals solche ideologischen globalen Ratings gesehen, in denen die westlichen Staaten nicht an der Tabellenspitze gestanden hätten? Und zeugen die hohen Positionen der Länder der so genannten „goldenen Milliarde“ etwa nicht davon, dass sie sich den Reichtum der Welt angeeignet haben?

    Die Ratings sind ein wichtiger Mechanismus zur Entwicklung der Zukunft bzw. der „verwaltbaren Geschichte“ (so sagte Alexander Sinowjew einst über die moderne Zeit). Das globale Finanzsystem hat die Berechnung von Krediten und Investitionen abhängig von den Ratings gemacht. Eine niedrigere Einstufung in diesem oder jenem Ranking ist für das jeweilige Land wie die Gelbe Karte im Fußball. Die Ratings sind heutzutage etwas viel Wichtigeres als bloße Indikatoren: Sie bedeuten Einflusskraft, Wirtschaftsmacht und die Möglichkeit, anderen die Spielregeln aufzuzwingen.

    Als Instrument der virtuellen Wirtschaft (und wie kann man denn die jetzige Wirtschaft noch bezeichnen, wenn die Geldmasse nicht mit realen materiellen Gütern gedeckt ist?) dienen die Ratings nur spekulativen Zielen. Wenn faire und gewissenhafte Wirtschaftssubjekte auf die Ratings achten und ihnen folgen, dann ist das wie ein ungleicher Kampf eines Normalbürgers gegen bis an die Zähne bewaffnete Banditen.

    Nach Auffassung der Ideologen des Liberalismus spielen die Ratings eine wichtige Rolle beim Funktionieren des so genannten „freien Marktes“ mit seiner „unsichtbaren Hand“ und der „Selbstregelung“. Diese Hand ist allerdings nicht gerade unsichtbar,  ihre Bewegungen sehen aus wie die Manipulationen eines Illusionisten, wenn nicht eines Falschspielers. Die Ratings spielen dieselbe „unsichtbare“ Rolle, die im Mittelalter Wucherer spielten und die heutzutage für Spekulanten und Hedgefonds typisch ist, die durchaus imstande sind, diese oder jene nationale Währungen zum Einsturz zu bringen, die Öl- oder Goldpreise zu manipulieren und durch ihre Handlungen mit den Aktien dieser oder jener Firma an der Börse das Eigentum neuaufzuteilen.

    Aber wie kann man darüber ernsthaft sprechen, wenn die größten Schuldner der Welt ausgerechnet die USA, Japan, Großbritannien und die EU sind – die in den Wirtschaftsratings ganz oben stehen? Wie kann man von einer Objektivität solcher Falsch-Ratings ernsthaft sprechen, wenn die Geldmasse in der Welt zig Mal so groß wie die Warenmasse ist und den realen morgigen Reichtum nur die virtuelle Futures-Wirtschaft ausmacht? (Nach Einschätzung des IWF ist der aktuelle Wert der Finanzprodukte auf dem Weltmarkt um das 3,5-fache größer als der Wert von Produkten der Realwirtschaft.) Unter solchen Bedingungen ist die Erstellung eines Rankings der Weltwirtschaft so etwas wie die Messung des durchschnittlichen Fiebers in einem imaginären Krankenhaus.

    Das ist eine ganze Industrie, die parasitiert, indem sie sich mit der Statistik tarnt. Das ist gerade der Fall, wenn man sagen kann: Es gibt die Lüge, die freche Lüge und die Statistik. Diese ist dabei ein Instrument für die Spekulationen und für die Manipulierung mit den Märkten.

    Sich von den Ratings zu befreien, würde bedeuten, sich von der sklavischen Abhängigkeit von der Meinung derjenigen zu befreien, die absolut grundlos viel zu viel von sich selbst halten.

    Russland muss die Ratingmanie loswerden – diesen Drang, mit anderen Ländern verglichen zu werden. Es ist an der Zeit, auf die Ratings nicht mehr zu achten und sich auf die eigene Entwicklung zu konzentrieren.

    Wir Russen sollten unser Verhalten zu unserem Land wechseln und die Einmaligkeit unserer russisch-russischen Zivilisation begreifen. Zu diesem Zweck müssen wir aber unsere sklavische Abhängigkeit von allen möglichen Ratings, Tests und Indizien überwinden, von der Meinung irgendeiner „Frau XYZ“ von dieser oder jener ausländischen Denkfabrik.

    Falls sich Russland auch weiterhin gedankenlos an den globalen ideologischen Ratings von Moody’s & Co. richtet, dann wird es immer nach fremden Regeln spielen und garantiert hinter andere Teilnehmer des Spiels zurückfallen und verlieren.

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    Tags:
    Globalisierung, Sinowjew-Klub, Rating, Fitch Ratings, Moody’s, USA, Russland