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    Turin: Tempoverlust bei Medaillenjagd moniert

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    MOSKAU, 26. Februar (RIA Novosti). Vor dem Abschlusstag der Olympischen Spiele in Turin liegt Russland hinter Deutschland, den USA und Österreich im Medaillenspiegel auf dem vierten Rang. Viel wird sich daran nicht mehr ändern, selbst dann nicht, wenn noch ein Sieg beim Skimarathon der Herren herausspringen sollte.

    "Nur" zwei Silbermedaillen gingen in den letzten beiden Tagen an das russische Olympiaaufgebot. So krittelte denn auch NOK-Chef Leonid Tjagatschow bereits nach dem missglückten Kampf der Eishockeyspieler um den Einzug in das Halbfinale, das gesamte Olympiaaufgebot Russlands habe "begonnen, Tempo bei der Jagd nach Medaillen zu verlieren". Moskaus "Herr der olympischen Ringe" hatte wohl auch vor Augen, dass in den letzten Tagen weder im Eischnelllauf noch im Biathlon oder im Skilanglauf der Damen und Herren das Plansoll erreicht wurde.

    Deutschlands ewige Eis-Prinzessin Kati Witt sieht das nuancierter. "Ich bin überrascht von den Russen. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems ging es bei ihnen auch im Leistungssport abwärts. Sie haben (nun) zu einstiger Stärke zurückgefunden", lobte sie in der "Welt am Sonntag".

    Und in der Tat, Julia Tschepalows Silbermedaille über 30 Kilometer Langlauf der Frauen oder der zweite Platz des russischen Viererbobs waren zweifellos Leistungen der Sonderklasse.

    Nun endlich im Besitz einer olympischen Medaille in einer Einzeldisziplin von Turin, zeigte sich Tschepalowa hoch erfreut. Dies umso mehr, als ihr die Strecke generell schwer fällt und sie angesichts des widrigen Wetters alles geben musste. Zu Journalisten sagte sie jedoch nüchtern: "In Russland läuft es manchmal noch schlechter, sowohl mit dem Wetter wie auch mit der Strecke. Im Vergleich damit waren die Bedingungen regelrecht ideal, zumal ein Profi bei jedem Wetter laufen muss".

    Vom Viererbob hatte man in Russland ein gutes Abschneiden erwartet, zumal Alexander Subkow in diesem Jahr bereits beim Weltcup seine Klasse demonstriert hatte. Mit seinen Teamgefährten Philipp Jegorow, Alexej Seliwerstow und Alexej Wojewoda blieb er nur um Hundertstel hinter dem deutschen Gespann um Doppelolympiasieger Andre Lange zurück. Beim Start zum letzten Durchgang "haben wir uns den Kopf nicht über das Ergebnis zerbrochen; wir mussten geradewegs hinunter und unser eigenes Können zeigen. Was wir drauf haben, haben wir dann auch geleistet", sagte er im Russischen Haus auf der Pressekonferenz am Abend. Von den Journalisten mit der Frage provoziert, ob er nicht verärgert sei, dass es nicht zu Gold gereicht hat, meinte er nüchtern, "dazu muss noch viel gearbeitet werden". Sowohl technisch wie auch vom Gerät her sieht er noch Nachholbedarf.

    Die russischen Verbandsfunktionäre verhehlen ihrerseits nicht, dass die erste olympische Medaille eines russischen Bobsportlers in der Geschichte überhaupt schwer wiegt. Sie erhoffen sich neue Impulse für ihre Sportart, wohl aber auch mehr staatliche Förderung.

    Kontrovers wird indessen das Abschneiden der russischen Eishockeyspieler diskutiert. Zum zweiten Mal nach 1994 fährt die Mannschaft ohne Medaille von Olympischen Spielen nach Hause.

    Schon vor Turnierbeginn gingen die Meinungen über das Leistungsvermögen des Aufgebots weit auseinander. Die Mannschaft sei die Beste, über die Russland in den letzten Jahren verfügt habe, wurde einerseits behauptet. Die Fachleute sahen die Dinge kritischer. Nach den Gruppenspielen hatten sie, wie RIA Novosti bereits berichtete, rückhaltlos Stärken und Schwächen analysiert. Nicht in jedem Punkt sei sie den Gegnern überlegen, lautete die Schlussfolgerung.

    Cheftrainer Wladimir Krikunow bescheinigte auf der Pressekonferenz nach dem verlorenen Spiel um die Bronzemedaille seinen Schützlingen, sie hätten alles gegeben. Der erste Treffer der Tschechen habe jedoch das taktische Konzept über den Haufen geworfen. Zum Fazit aus dem Turnierverlauf sagte er: "Das Einzige, was wir ihnen (den Spielern) vorwerfen können, ist, dass in den letzten beiden Spielen überhaupt keine Tore erzielt worden sind. Ansonsten haben wir (der Trainerstab) ihnen gegenüber keine Beanstandungen."

    Am heutigen Abschlusstag greifen russische Athleten beim Skilanglaufmarathon über 50 Kilometer noch einmal in den Kampf um Medaillen ein. An den Start gehen neben Olympiasieger Jewgenij Dementjew noch Iwan Babikow und Alexander Legkow. Außerdem erlebt Nikolai Pankratow seinen Olympiaeinstand, nachdem er zuvor wegen erhöhtem Hämoglobinwert unter die Schutzsperre gefallen war.

    Aber selbst wenn einer von ihnen anschließend das Ehrenpodest besteigen sollte, die Österreicher sind vom dritten Platz im Medaillenspiegel nicht mehr zu verdrängen.

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