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    Sport in Großbritannien - Symbolbild

    ARD-Enthüllungen: Droht jetzt Großbritannien ein Doping-Skandal?

    © AFP 2019/ ADRIAN DENNIS
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    Ein harter Schlag für die britische Anti-Doping-Agentur UKAD: Vor laufender Kamera hat ein Londoner Frauenarzt gestanden, in den vergangenen sechs Jahren über 150 renommierter Sportler aus Großbritannien und dem Ausland gedopt zu haben. Früher sah die UKAD trotz vorliegender Informationen keinen Anlass zu Ermittlungen.

    Erst unlängst ist die britische Anti-Doping-Agentur UKAD von der Welt-Anti-Doping Agentur WADA mit einer Schlüsselrolle im Anti-Doping-Kampf im Vorfeld der Olympischen Sommerspielen bedacht worden. Zudem hatte UKAD Anfang Februar mit ihren russischen Kollegen einen Kooperationsvertrag unterschrieben: Die britische Agentur sollte für die Planung der Tests russischer Athleten mitverantwortlich sein, solange Russlands Anti-Doping-Behörde RUSADA suspendiert ist. Nun wird diese Mission der britischen Agentur allerdings von einem eigenen Doping-Skandal in London bedroht.

    Am Sonntagabend zeigte die ARD-„Sportschau“ einen Beitrag, der der UKAD das Leben schwer machen könnte: Recherchen des ARD-Dopingteams und der Sunday Times haben offensichtlich ein geheimes Doping-Business in der britischen Hauptstadt aufgedeckt.

    Vor versteckter Kamera gesteht ein Frauenarzt einem Undercover-Journalisten, jahrelang Fußballer aus der Premier League, Tour-de-France-Teilnehmer, Cricket-Profis,  Kampfsportler, Boxer und Tennis-Profis mit Steroiden, Epo und Wachstumshormonen behandelt zu haben.

    „Natürlich sind einige der Behandlungen, die ich mache, im Profisport verboten. Aber ich habe das schon mit vielen Sportlern gemacht. Jahrelang. So ziemlich aus jedem Sport. Die konsultieren mich diskret. Schließlich steht ihr Ruf auf dem Spiel und meiner auch", so der Doktor. 

    Ein Ex-Spitzensportler, der einst des Dopings überführt wurde, soll sich schon vor langer Zeit an die englische Anti-Doping-Agentur UKAD gewandt und sogar Beweise für Doping-Dienstleistungen des genannten Arztes geliefert haben – allerdings vergeblich, die UKAD soll das ignoriert haben. 

    „Doktor Bonar ist für mich die britische Version von Lance Armstrongs Dopingarzt Doktor Ferrari", teilte der Sportler mit. „Es war Bonar, der mich zu Testosteron und anderen Substanzen brachte. Er fragte mich: Hast du schon mal Epo probiert? Oder Wachstumshormone?“

    Anfang 2015 habe die britische Anti-Doping-Agentur dann beschlossen, trotz vorliegender Beweise kein Verfahren einzuleiten, die Beweise seien unzureichend gewesen.

    „Für mich war es so, dass UKAD hier einen konzertierten Versuch unternommen hat, weitverbreitetes Doping im britischen Sport unter den Teppich zu kehren. Sie hatten gar kein Interesse, den Fall zu verfolgen. Das schockiert mich als Athlet, aber auch als Steuerzahler dieses Landes", fügte der Sportler hinzu.

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    Tags:
    Doping, Sport, WDR, ARD, Russische Anti-Doping-Agentur (RUSADA), Welt-Antidoping-Agentur (WADA), Britische Anti-Doping-Agentur (UKAD), Großbritannien, London