00:46 19 Oktober 2018
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    Edgar Prib

    Ein Mann für Russland? Bundesligaprofi Edgar Prib möchte für sein Vaterland spielen

    © AFP 2018 / John Macdougall
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    Nach dem Schalker Roman Neustädter möchte ein weiterer Spieler aus der Fußball-Bundesliga für die russische Nationalmannschaft auflaufen: Edgar Prib, 26-jähriger Mittelfeldspieler von Hannover 96.

    Prib wurde in Nerjungi in Jakutien geboren und siedelte als Kind mit seinen Eltern nach Fürth um. Mit Sputnik sprach Prib über seine Russland-Pläne.

    Woher kommt der Wunsch für Russland zu spielen? 

    Im Alter von drei Jahren bin ich nach Deutschland umgesiedelt. Ich bin ein bisschen gespalten, mein Herz liegt in beiden Ländern. Trotzdem ist es ein Traum, für Russland zu spielen.

    Wie "russisch" sind Sie und Ihr Umfeld noch?

    Mein Umfeld war eher deutsch. Durch meine Eltern habe ich halt relativ ordentlich die Sprache lernen können. Die Kultur haben sie mir nähergebracht und natürlich auch das Essen. Wenn die Mama gekocht hat… war super!

    Das Essen ist sehr nahrhaft, nicht unbedingt optimal für einen Fußballprofi…

    (Lacht) Da muss man schon ein bisschen vorsichtig sein, die ganzen Zweitgerichte… aber Borschtsch kann man jeden Tag essen.

    Wo und wie kommt bei Ihnen Russland im Alltag vor? 

    Man kriegt zum einen eine Menge Nachrichten mit, Politik und Sport, da lese ich viel. Außerdem ist jedes Familienfest "Kultur pur". Wenn meine Tanten Essen kochen, das ist Wahnsinn! Was da an Essen auf den Tisch kommt — auch mal ein Gläschen Wodka — so ist das in Russland, wenn die Familie zusammenkommt. Das Zusammenleben ist ausgeprägter als in Deutschland.

    Waren Sie denn schon einmal in Russland?

    Nein, bis jetzt noch nicht. Meine Familie ist komplett nach Deutschland umgesiedelt — Cousins, Kusinen, Onkel und Tanten. Mein Geburtsort in Jakutien ist ziemlich weit weg. Damals wäre ein Besuch zu teuer gewesen und heute ist niemand mehr da, zu dem wir Kontakt hatten.

    Kommen wir zum Sportlichen: Sie sind Linksfuß und können auf der linken Seite offensiv und defensiv spielen, aber auch im zentralen Mittelfeld. Wo spielen Sie denn am liebsten?

    Am liebsten im Mittelfeld. Aber wenn mich der Trainer an anderer Position braucht, ist das auch kein Problem.

    Seit Sie Fußball spielen, haben Sie in deutschen Mannschaften gespielt, erst in Fürth und jetzt bei Hannover 96. Für das russische Nationalteam aufzulaufen wäre ein ziemlicher Neustart für Sie, oder?

    Ja, natürlich. Ich kenne nicht so viele russische Spieler. Einige Bundesligaspieler sprechen russisch. Aber der Kontakt ist nicht so eng. Von daher wäre das ein ziemlicher Neustart, aber den hatte ich auch nach meinem Wechsel hier in Hannover.  

    Für einen Einsatz bei der Europameisterschaft, die in knapp zwei Monaten in Frankreich beginnt, kommen Sie nicht mehr in Frage. Woran liegt das?

    Ich bin gerade dabei, den Pass zu beantragen. Das dauert seine Zeit. Ich denke, dass ich frühestens im Herbst spielen könnte. Darum hatte ich auch noch keinen größeren Kontakt zu Russlands Nationaltrainer Leonid Sluzki. Erst die müssen die Papiere da sein. 

    Was trauen Sie der russischen Mannschaft bei der Euro zu? Sie spielt gegen England, Wales und die Slowakei.

    Es ist viel drin, warum auch nicht? Wenn das Team geschlossen und kämpferisch gut auftritt, ist viel möglich. Ich hoffe, sie kommen so weit wie möglich.

    Lassen wir uns zum Schluss noch in die Zukunft schauen: Können Sie sich vorstellen, auch einmal in Russland zu spielen? 

    Ja, natürlich kann ich mir das vorstellen. Aber ich muss erst einmal den Pass haben, dann öffnen sich Türen.  

    Hier gibt es das ganze Interview mit Edgar Prib:

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    Tags:
    Hannover 96, Edgar Prib, Deutschland, Russland