20:42 06 Juni 2020
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    Ein intellektuelles TV-Quiz mit Spielern der russischen Nationalelf hat im Internet eine Welle ironischer Kommentare ausgelöst. Nun fordert man von den Kickern bei der EM eine nicht weniger beeindruckende Leistung.

    Trainer Leonid Sluzki und fünf Spieler der Nationalmannschaft haben am Fragespiel „Was? Wo? Wann?“ im russischen Fernsehen teilgenommen und überraschenderweise gegen die Zuschauer gewonnen.

    Dieses in der Sowjetunion erfundene Quiz besteht seit 1975 und ist auch im postsowjetischen Russland sehr beliebt. Das Team im Studio (genannt „Die Kundigen“) soll Fragen beantworten, die von Zuschauern zugeschickt werden. Die Antwort soll innerhalb einer Minute im Zuge eines Brainstormings geliefert werden. Laut Organisatoren ist nicht nur allgemeines Wissen im Spiel gefragt, sondern vor allem die Fähigkeit, schnell und effizient zu denken.

    Fragespiel „Was? Wo? Wann?“
    © YouTube / Perwy kanal
    Fragespiel „Was? Wo? Wann?“
    Artjom Dsjuba
    © Sputnik / Vladimir Pesnya
    Artjom Dsjuba

    Das Team der Fußballer konnte nun mit 6:4 gewinnen. Sechs richtige und vier falsche Antworten wurden also gegeben. Kritiker wiesen allerdings sofort darauf hin, dass die Fragen diesmal deutlich leichter waren als bei sonstigen Staffeln: Die Redaktion wollte die Kicker offenbar nicht intellektuell überstrapazieren.

    Leonid Sluzki
    © Sputnik / Anton Denisov
    Leonid Sluzki

    Tatsächlich braucht man keinen überdimensionalen IQ, um etwa zu antworten, wozu man vor der Oscar-Verleihung die Sitzplätze im Saal mit Fotos der eingeladenen Gäste versieht (genau, damit die Kameraleute im Voraus wissen, wer wo sitzen soll). Es gab auch Fragen, die mit Fußball zu tun hatten (wenn auch etwas verschleiert), wie beispielsweise: „Ende des 20. Jahrhunderts ist ein Buch erschienen, das ein Kapitel mit dem Titel ‚7.32x2.44‘ enthielt. Nennen Sie den Beruf des Autors.“ Torwart, so lautete die richtige Antwort, geliefert vom derzeitigen russischen Nationalkeeper Igor Akinfejew.

    Igor Akinfejew
    © YouTube / Perwy kanal
    Igor Akinfejew
    Sergei Ignaschewitsch und Igor Akinfejew
    © Sputnik / Ramil Sitdikov
    Sergei Ignaschewitsch und Igor Akinfejew

    Das Echo im Internet war nach dem Quiz immens. Wie ein Kommentator bemerkte, ist bei weitem nicht jeder Spieltag der russischen Fußball-Liga fähig, so viel Resonanz zu finden. Manche Zuschauer waren echt unzufrieden: „Die Fragen waren wie im Kindergarten. Hat diese Clownerie überhaupt Sinn?“ Oder: „Mögen die Jungs lieber weiter bei Reality Shows auftreten. Fußball können sie ja sowieso nicht spielen.“

    Die anderen witzelten: „Das war wohl der letzte Sieg dieser Nationalmannschaft“. Auch ätzend: „Es gibt nun zumindest eine Veranstaltung, wo die russische Elf gesiegt hat.“

    „Nach dem Quiz kamen Doping-Beamte und forderten Doping-Proben zur Untersuchung“, so ein weiterer Kommentator in Anspielung auf den Meldonium-Skandal und die entsprechenden Vorwürfe der WADA gegen Russland.

    Alexej Beresuzki
    © Sputnik / Ramil Sitdikov
    Alexej Beresuzki

    Andere Kommentatoren zeigten sich dagegen positiv überrascht mit cleveren Antworten mancher Kicker wie Alexej Beresuzki: „Dieser ist ein kluger und gebildeter Kerl.“ Nach dem Quiz wurde eben Beresuzki als Spieler des Abends ausgezeichnet. Ein weiterer Kommentar: „Generell habe ich Lust, für diese netten Jungs und insbesondere für den Coach zu fiebern.  Viel Glück bei der EM!“

    Vasiliy Beresuzki
    © YouTube / Perwy kanal
    Vasiliy Beresuzki
    Vasiliy Beresuzki
    © Sputnik / Maxim Bogodwid
    Vasiliy Beresuzki

    Die Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“ kommentierte in ihrer Onlineausgabe: „Im Vorfeld der EM konnten die russischen Nationalspieler den Mythos zerstören, wonach die Kicker kein hohes Denkvermögen haben (…) Nur eine Kleinigkeit bleibt übrig: Man muss beweisen, dass die russische Nationalelf auf dem Rasen nicht schlechter aussehen kann als im Klub der Kundigen.“

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    Tags:
    Fußball, Leonid Sluzki, Russland