12:36 16 Januar 2018
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    Fußball-Europameisterschaft 2012

    Fußball-Reporterin Neumann: Das EM-Finale kommentiert sie (noch) nicht

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    Bei der Fußball-Europameisterschaft ist sie für viele Fernsehzuschauer eine der umstrittensten Figuren überhaupt, dabei steht sie nicht einmal auf dem Spielfeld, sondern sitzt auf dem Kommentatorenplatz im Stadion. Ihr Problem: Sie ist eine Frau.

    Die Rede ist von Claudia Neumann. Die erste Frau, die im TV Fußballspiele live kommentiert. Vor allem Männern ist sie ein Dorn im Auge — oder im Ohr. In den sozialen Medien wird sie böse beschimpft. Sputnik hat mit der Kollegin Claudia Neumann über die Aufregung um Ihre Person gesprochen.

    Frau Neumann, gleich vorab: Werden Sie bei der Europameisterschaft weitere Spiele kommentieren?

    Nein, das war genauso vorher verabredet. Zwei Spiele in der Gruppenphase. Da waren wir noch zu viert. Jetzt sind zwei Leute ausgeschieden, der Kollege Martin Schneider und ich. Wir haben jetzt aber auch nur noch drei Spiele beim ZDF, zwei Viertelfinals und ein Halbfinale. Das war alles von vornherein so vereinbart.

    Warum regen sich in Deutschland so viele Leute — vor allem Männer — darüber auf, wenn eine Frau ein Fußballspiel kommentiert?

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    Nun, ich kann ja nicht in die Köpfe der Leute reinschauen. Ich kann´s mir nur so erklären: Es ist halt einfach etwas Neues. Mit Neuerungen tun sich Menschen insgesamt schwer, weil es ja auch die Aufgabe von Gewohntem ist. Und im Fußball ist es halt eine ganz besondere Geschichte. Es ist immer noch, ich sage immer "des deutschen Mannes liebstes Kind". Und dann eine Frauenstimme über neunzig Minuten, das mag man dann auch nicht unbedingt…

    Es gibt zwar schon länger Frauen im Fußball, Moderatorinnen und Field Reporterinnen. Aber als Kommentatorin? Da ist eine Frau dann mehr oder weniger mit dem Zuschauer auf Augenhöhe und will einem den Fußball erklären — das ist für viele dann vielleicht doch ´ne Stufe zu viel.

    In den sozialen Medien wurden Sie zum Teil wüst beschimpft und beleidigt. Wie nahe geht Ihnen das oder haben Sie sich das gar nicht angeschaut? 

    Nee, ich habe es mir tatsächlich nicht angeschaut. ich höre es immer nur von den Kollegen oder von Ihnen jetzt davon (lacht). Iich habe durchaus Phantasie, es mir vorzustellen. Aber warum soll ich mir das anschauen? Nö, also, das geht mir tatsächlich ab.

    Sie wirken jetzt auch so, als sei Ihnen das völlig "wurscht". 

    Ja, ich kann ja die Gesellschaft nicht verändern. Ich kann ja nicht Menschen, die ohnehin kein gutes Benehmen haben oder keine gute Erziehung genossen haben, verändern. Das will ich auch gar nicht. Mit welcher Wortwahl sie sich zu Wort melden, das ist nicht mein Thema, das ist deren Thema. Wenn einer im Netz etwas postet und dann von anderen getoppt werden soll, dann ist es doch, wenn ich das richtig verstehe, eine Kommunikation von Menschen unter sich. Das hat am Ende mit mir überhaupt nichts zu tun.

    Wie ist das mit Ihren Kollegen im Fernsehen? Die sagen wahrscheinlich gar nichts dazu und zucken die Schultern?

    Genau. Die wissen ja auch um meinen Background und um meine Geschichte. Für die bin ich eine von denen und sonst gar nichts.

    Wie ist denn Ihr Background?

    Ich habe von Kindesbeinen an mit den Jungs Fußball gespielt, auf Bolzplätzen, die es heute ja bedauerlicherweise fast gar nicht mehr gibt. So viel es ging, so häufig es ging. Das war mein Hobby. Irgendwann hat es mein Rücken nicht mehr mit gemacht. Aber so etwas verliert man ja nicht. Das trägt man irgendwie mit durchs Leben… Ich habe genauso Panini-Bildchen gesammelt wie alle Jungs damals. Vom ersten Taschengeld den "kicker" gekauft und so weiter. Also, ich bin mit dem Fußball einfach aufgewachsen. Und dann war es irgendwann klar: wenn ich Sportreporterin werde, wird Fußball eine Rolle spielen.

    Interview: Matthias Witte

    Das komplette Interview mit Claudia Neumann finden Sie hier:

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    Tags:
    Euro-2016, Claudia Neumann, Deutschland, Frankreich
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