15:05 21 November 2019
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    EM 2016: Duell Pawel Mamajew (Russland, rechts) gegen Ashley Williams (Wales)

    „Löst die Sbornaja auf!“ – Hunderttausende Stimmen für Online-Petition an Putin

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    Im russischen Netz macht eine Online-Petition Furore, deren Intention klarer nicht sein könnte: „Die russische Fußball-Nationalmannschaft auflösen – wir wollen stolz sein und uns nicht schämen.“ Auslöser der ungewöhnlichen Forderung war das schlechte Abschneiden der Sbornaja bei der EM in Frankreich.

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    Richtig in Schwung kam der Aufruf aber erst, als bekannt wurde, dass zwei Nationalspieler in einem Club in Monaco 250.000 Euro für Schampus verpulvert haben sollen. Die Petition hat alle Chancen, bei Putin auf dem Schreibtisch zu landen.

    Wortwörtlich heißt es in dem Aufruf: „Die Fußballnationalmannschaft von Russland in der jetzigen Zusammensetzung auflösen, weil sie die Hoffnungen nicht erfüllt hat. Eine neue Mannschaft aufstellen. Für das „gesparte“ Geld Fußballplätze bauen und Jugendarbeit machen.“ Bisher hat die Petition mehr als 500.000 Unterschriften bekommen.

    500 Flaschen Champagner bringen das Fass zum Überlaufen

    Die Petition ist seit zwei Wochen online und dümpelte lange Zeit mehr oder minder lau vor sich hin. Bis die Herren Alexander Kokorin und Pawel Mamajew, ihres Zeichens Mitglieder der russischen Fußball-Nationalelf, bei einer wüsten Fete in einem Nachtclub in Monaco erwischt wurden. Wie russische Medien berichteten, sollen die Kicker 500 Flaschen Champagner für 250.000 Euro spendiert und unter Musikbegleitung der russischen Hymne die Nacht durchgemacht haben.

    Ihre Vereine (Kokorin spielt bei Zenit, Mamajew für Krasnodar) reagierten hart: Die beiden Nachtschwärmer wurden in die B-Mannschaften verbannt und müssen zudem eine saftige Geldstrafe zahlen. Kokorin gab zu, bei der Party gewesen zu sein, stritt aber ab, dass er und sein Kumpel die Zeche bezahlt hätten. Sie seien „zufällige Gäste“ gewesen.

    Des Volkes Zorn konnte er damit allerdings nicht abwenden. Da die Petition bereits die 500.000-Marke erreicht hat, soll sie beim Staatspräsidenten, in der Duma und bei der russischen Regierung landen.

    „Wir sind Scheiße“

    Nach der Niederlage gegen Wales waren mehrere Sbornaja-Spieler ins Hotelzimmer von Cheftrainer Leonid Sluzki gekommen. „Allen Anwesenden, den Spielern und mir, war völlig klar, auf was für einem Niveau wir uns befinden“, so Sluzki, der mittlerweile als Nationaltrainer zurückgetreten ist, in einem Medieninterview. „Wir riefen im Chor ‚Wir sind Scheiße‘“. Das sei eine Tatsache, die zugegeben werden müsse, so Sluzki. Das sei wie bei Alkoholentzug: Bevor die Kur beginne, müsse der Alkoholiker vor sich selbst zugeben, dass er einer ist.

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    Fußball-EM 2016, Frankreich