22:21 20 April 2018
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    Olympiapark in Rio de JaneiroWegen ausstehender Gehaltszahlungen und schlechter Arbeitsbedingungen demonstieren einen Monat vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Polizisten in der brasilianischen Metropole

    Experten klären auf: So terrorgefährdet ist Olympia in Rio

    © AP Photo / Felipe Dana © AFP 2018 / VANDERLEI ALMEIDA
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    Die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags während der Olympischen Spiele in Brasilien wird in sozialen Netzwerken heiß diskutiert. Der brasilianische Geheimdienst ABIN (Agência Brasileira de Inteligência) teilte nun auf seiner Facebook-Seite eine Bekanntmachung, die die User nur teilweise beruhigen wird.

    Vertreter der brasilianischen Sicherheitskräfte im Olympia-Park in Rio de Janeiro
    © AP Photo / Silvia Izquierdo
    ABIN klärt darin die Bevölkerung darüber auf, woran man einen potentiellen Terroristen erkennen kann: Das Foto zeigt eine Person mit Jacke und Rucksack. Das Gesicht ist unkenntlich. Der Text warnt: „Sie tragen Kleidung, Rucksäcke und Taschen, die nicht der Umgebung und dem Klima entsprechen. Melde das einem Sicherheitsbeamten!“ Diese Terroristen-Charakteristik gab Anlass zu bissigen Kommentaren im Internet.

    ​ABIN sah sich daraufhin genötigt, die Aktion zu rechtfertigen: Er habe die Bevölkerung nur umfassend informieren und zur Unterstützung der Sicherheitskräfte animieren wollen. „Diese Arbeit wird dadurch erschwert, dass keine Beschreibungen und keine allgemeinen Verhaltensregeln existieren, die es erlauben, einfach und sicher einen Terroristen zu identifizieren“, so die Zusatz-Note.

    „Die Gesamtheit scheinbar kleiner Signale kann auf ein Verhalten hinweisen, das wiederum auf terroristische Tätigkeit hindeutet. (…) Allein  nicht klimagemäße Kleidung oder starke Nervosität sind noch kein Grund zur Besorgnis. Doch zusammen mit anderen, scheinbar unbedeutenden Elementen können sie ein Motiv sein, sich an die Sicherheitsdienste zu wenden. Z. B. dem Fotografieren von Sicherheitssystemen an belebten Orten, bei starkem ungewöhnlichem Geruch, bei Versuchen, in gesicherte Sektoren einzudringen usw.“

    Der Anthropologe Paulo Storani, früher Offizier einer Eliteeinheit der Militärpolizei (BOPE), der jetzt an der Cândido Mendes-Universität in Rio de Janeiro lehrt, kommentierte: „In den letzten Jahren gab es das nicht, aber nun scheint der ABIN im Zusammenhang mit der Beobachtung in sozialen Netzwerken aufgewacht zu sein, wo er auf manch glaubwürdige Seiten und Accounts gestoßen ist, die auf Absichten, Anschläge zu verüben, oder auf ein einfach schlechtes Verhältnis zur Olympiade in Rio schließen lassen.“

    Wie Storani ferner hervorhebt, sei der ABIN bereits dabei, seine Strukturen zu mobilisieren, um hunderte potentielle terroristische Einzelgänger zu beobachten. Es gehe darum, diese Leute zu identifizieren, ihre Anschriften, ihre Dokumente zu prüfen, mit ihnen zu reden und vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Dies alles werde gegenwärtig in der Stadt getan.

    Yann Duzert, der am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen der Getúlio Vargas-Stiftung in Rio de Janeiro (FGV-RJ) unterrichtet, verwies auf eine Äußerung Obamas, der meinte, zufällig im Bad zu stürzen oder einen Autounfall zu erleiden, sei viel wahrscheinlicher, als bei einem Terroranschlag oder durch die Kugel eines Terroristen zu sterben. 

    „Es gibt dennoch eine geringe Möglichkeit, aber man darf sich deshalb nicht fürchten, aus dem Haus zu gehen. Der beste Beweis dafür ist, wie Europa reagiert und die EM durchgeführt hat, wo riesige Menschenmengen den Sport, die Muße und die Kontakte zwischen den Völkern gefeiert haben. Und das war ein Erfolg“, so Duzert.

    Laut Duzert besteht zwar die eine reale Möglichkeit, dass es terroristische Einzelgänger gebe. Man dürfe der Angst aber nicht die Kontrolle überlassen. Solche Einzelgänger gebe es seit jeher in aller Welt und man müsse mit diesem Risiko leben. „Die beste Lösung hat da wohl der Franzose Blaise Pascal vorgeschlagen: zu riskieren. Darauf zu setzen, dass alles gelingt. Wir sollten weiterhin Autos und Flugzeuge nutzen, Zugang zur Kultur haben und uns mit Freunden treffen. Ansonsten wäre das Leben nicht lebenswert. Eine geringe Möglichkeit besteht immer, sie existiert, und damit müssen wir leben“, so der brasilianische Experte.

     

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    Tags:
    Terror, Risiko, Terrorbedrohung, Olympische Spiele in Rio de Janeiro, Fußball-EM 2016, Militärpolizei (BOPE), ABIN, Blaise Pascal, Yann Duzert, Paulo Storani, Rio de Janeiro
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