15:03 04 April 2020
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    Das nationale Olympia-Komitee hält es für ungerecht, alle russischen Athleten von den Sommerspielen in Rio fernzuhalten. Manche russische Politiker und Sportler haben unterdessen den Eindruck, dass die jetzt intensivierten Doping-Vorwürfe gegen das Land einer gezielten Kampagne ähneln.

    Das Olympische Komitee Russlands hat am Dienstag eine sorgfältige Untersuchung in Bezug auf die jüngsten WADA-Vorwürfe gefordert und davor gewarnt, dopingfreie russische Athleten an der der Olympia-Teilnahme zu hindern.

    Russland unterstütze zwar möglichst harte Maßnahmen gegen jene konkreten Athleten, die des Dopings überführt wurden, wolle sich aber für die Rechte seiner „cleanen“ Sportler einsetzen, hieß es.

    Das Komitee wies auch darauf hin, dass die Vorwürfe gegen Russland hauptsächlich auf der Aussage einer einzelnen Person basieren. Es geht dabei um Grigori Rodtschenkow, den Ex-Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors. Mindestens 15 russische Medaillenträger sollen laut Rodtschenko bei den Winterspielen in Sotschi Teil eines staatlichen „Doping-Programms“ gewesen sein.

    Jene Aussage hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zu einer eigenen Untersuchung veranlasst. Deren Ergebnisse wurden nun am Montag in Toronto präsentiert. Dem WADA-Bericht zufolge soll das russische Sportministerium hinter massiven Manipulationen mit Dopingproben gesteckt haben. Die WADA empfahl, allen russischen Athleten die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen zu verweigern.

    Wassili Schestakow, Mitglied des russischen Duma-Ausschusses für Sport, kommentierte: „Russlands Olympia-Ausschluss wird den Grad des sportlichen Kampfes drastisch senken, die Spiele minderwertig machen und einen Zerfallsprozess der Olympia-Bewegung initiieren.“

    Ohne Russland werden die Olympischen Spiele laut Schestakow nicht mehr von internationaler, sondern nur von örtlicher Bedeutung sein: „Man darf nicht eine der führenden Sportmächte einfach so vom Wettbewerb ausschließen. Das wäre aus meiner Sicht eine Dummheit und ein nicht wettzumachender Rückschlag für den Weltsport.“

    Olympiasieger Alexander Lebsjak, derzeit Trainer der russischen Box-Mannschaft der Herren, sagte im Hinblick auf den WADA-Bericht: „Das ist eine rein politische Situation (…) Man will vor allem unserem Land schaden – auf welche Weise, spielt dabei kein Rolle.“

    Ein Olympia-Verbot für Russland fordert nach Angaben der Onlinezeitung vz.ru auch die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA. Deren Leiter, Travis Tygart, hatte einen entsprechenden Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOK) gerichtet, und zwar kurz vor der Veröffentlichung des WADA-Berichts.

    Der russische Sportminister, Witali Mutko, kommentierte in einem Interview für R-Sport: „Mit Tygart ist alles verständlich (…) Das Szenario ist klar, es sind weitere Erklärungen zu erwarten. Wird das IOK diesen Druck verkraften?“

    Vz.ru zitierte auch aus einem Instagram-Post der russischen Olympiasiegerin im Stabhochsprung, Jelena Issinbajewa, es gebe den Eindruck, dass „dem Weltleichtathletikverband IAAF befohlen wurde“, eine Olympia-Teilnahme der russischen Sportler „um jeden Preis“ zu verhindern.

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    Tags:
    Doping, Sportler, Olympische Spiele in Rio de Janeiro, Welt-Antidoping-Agentur (WADA), Witali Mutko, Sotschi, Brasilien, Rio de Janeiro, Toronto, Russland