05:58 15 November 2019
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    Unschuldsvermutung und Rechtsschutz auch für russische Athleten – deutscher Jurist

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    Die Gesamtverantwortung und das Recht des einzelnen Athleten, sich an den Olympischen Spielen in Rio zu beteiligen, ist laut dem deutschen Rechtsanwalt der Moskauer Kanzlei Brand & Partner Thomas Brand rechtlich kaum vereinbar.

    „Es besteht keine rechtliche Basis dafür, dass die einzelnen Sportler, die nicht gedopt haben oder den Doping nicht nachgewiesen wurde, ausgeschlossen werden“, sagte Brand in einem Sputnik-Interview. Auch für eine Kollektivschuld gebe es keine rechtliche Grundlage. Darüber hinaus sieht er hier das Problem des effektiven Rechtsschutzes. „Die Olympischen Spiele beginnen in Kürze, und die Sportler, die ausgeschlossen wurden, haben jetzt keine Möglichkeit, sich gegen diese Entscheidung rechtzeitig zur Wehr zu setzen.“

    Der deutsche Jurist habe den Eindruck, dass es hier um eine Kollektivbestrafung gehe, „weil im McLaren-Report gesagt wird, dass es in Russland staatlich organisierte Dopingsysteme gebe, obwohl er keine endgültige Aussage trifft.“

    Brand äußerte die Auffassung, dass es falsch sei, von staatlich organisiertem Doping zu reden. „Sicherlich gab es Funktionäre und auch Sportler sowie andere Beteiligte, die wirtschaftliche Interessen an gewissen Sachverhalten hatten, aber ich glaube nicht, dass diese Schussfolgerung, wie es in vielen westlichen Zeitungen zu lesen ist, einer gerichtlichen Überprüfung standhält. Einzelverfehlung und eine gewisse Organisationskraft — ja, aber staatlich gelenkt — nein. Und in diesem Zusammenhang ist eine Kollektivbestrafung fehl am Platz.“

    Die russische Seite werde sicherlich den Rechtsweg ausschöpfen, so der Rechtsanwalt weiter. Das sei ihr gutes Recht. Die ausgeschlossenen russischen Sportler würden jetzt versuchen, vor Sportgerichten ihr Recht einzuklagen, so der deutsche Jurist, um eine gewisse Klarheit zu bekommen. Denn Doping sei kein russisches, sondern ein internationales Problem.

    „Wenn wir uns die Listen der gesperrten Sportler ansehen, treffen wir Athleten aus aller Herren Länder. Deswegen ist es für die Entwicklung des Sportrechts wichtig, diese strittigen Fragen durch unabhängige Gerichte klären zu können.“

    Ein Rechtsstaat oder in diesem Fall eine internationale Organisation müsse gewährleisten, dass es auch einen effektiven Rechtsschutz gebe, ist sich der Rechtsanwalt sicher, d.h. dass der Rechtsschutz rechtzeitig gewährt werden könne. Und das sei im Falle der russischen Sportler nicht so.

    „Ich gehe davon aus, dass diese Sportler die Gerichte nicht mehr rechtzeitig anrufen können, um eine Starterlaubnis zu erhalten. Man muss in Zukunft einen Mechanismus schaffen, der ausschließt, dass Sportler, die sauber sind und ihr Recht einklagen wollen, dies nicht rechtzeitig tun können.“

    Die Unschuldsvermutung müsse auch für alle Sportler gelten, und das Dopingvergehen müsse nachgewiesen werden. Und das sei bei einigen gesperrten russischen Sportlern der Fall, wo es keinerlei Beweise gebe. Und das hält Brand für rechtlich zweifelhaft.

    Auch Doppelstandards dürfe es nicht geben. „Wir haben hier Dopingsünder aus Russland, die jetzt nicht antreten dürfen, aber wir haben Dopingsünder aus anderen Staaten, z.B. aus den USA. Sie haben auch ihre Strafe,abgesessen‘ und sie dürfen starten. Nur die Russen nicht. Da frage ich mich, ob hier andere Standards angewendet werden.“

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    Doping, Olympische Spiele in Rio de Janeiro, Deutschland, Brasilien, Russland