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    Athleten unter Strom: Wada billigt E-Doping aus USA

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    Olympia Rio-2016 (173)
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    Die Vereinigten Staaten steigern die Leistungsfähigkeit ihrer Sportler in Rio durch Elektrostimulation des Gehirns, wie das russische Nachrichtenportal lenta.ru berichtet. Die internationale Anti-Doping-Agentur Wada hat dieses Verfahren bislang nicht verboten.

    Die Technik heißt „Transkranielle Gleichstromstimulation“ (tDCS). Zu den Olympischen Spielen in Rio bietet das Privatunternehmen „Halo Neuroscience“ aus San Francisco dieses Verfahren an. Die Stimulation erfolgt mittels der speziellen Ausrüstung „Halo Sport“, die die Athleten beim Training aufsetzen müssen. Dabei werden den Sportlern mehrere Elektroden am Kopf, im Bereich des Motorcortex, angelegt.    

    Die Elektrostimulation ist ein nichtinvasives Verfahren, bei dem elektrische Stöße von 1,5 bis 2 Milliampere auf die Hirnrinde einwirken, was zur Anregung neuronaler Gruppen und zur Bildung neuer Nervenbahnen in den Hirnzonen führt, die mit physischer und geistiger Aktivität verbunden sind. Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass dies die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigere, wobei das Ergebnis nicht nur einen Tag, sondern Wochen und Monate anhalten könne.

    Die Vertreter von „Halo Neuroscience“ erklären, dass die Athleten das Verfahren positiv aufnehmen. Der Hürdenläufer Mikel Thomas aus Trinidad und Tobago, Teilnehmer der Sommerspiele 2012 in London, bestätigte die Effektivität der Elektrostimulation. Die Sprinterin Hafsatu Kamara aus Sierra Leone sagte, sie habe nach der Anwendung des Verfahrens einen persönlichen Rekord beim 100-Meter-Lauf aufgestellt. Auch die US-Amerikaner Michael Tinsley, Mike Rodgers und Samantha Achterberg haben „Helo Sport“ beim Training angewandt.

    Die Wada verbietet das Elektrostimulationsverfahren nicht, weil es bislang keine eindeutigen Erkenntnisse über die Technik gibt. Der US-Anbieter beteuert jedoch, die Wirksamkeit des „Helo Sport“ an Freiwilligen getestet und nachgewiesen zu haben. Das Unternehmen plant, die Erkenntnisse dieser Tests der Fachwelt zu präsentieren. Indes hat auch der US-Skisport-Verband „Helo Sport“ 2015 an einem Skispringer getestet und die Effektivität des Verfahrens bestätigt.

    In der Fachpresse häufen sich bereits Berichte über die Wirksamkeit der Elektrostimulation als Mittel zur Steigerung körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit. Neurobiologen aus der Schweiz und den USA haben letzte Woche ihre Erkenntnisse darüber vorgestellt, dass die Anwendung der transkraniellen Wechselstromstimulation in der Nacht das operative Gedächtnis des Menschen verbessern und zur Heilung neurologischer und psychischer Erkrankungen beitragen kann. Wie der Name sagt, funktioniert dieses System mit Wechselstrom statt mit Gleichstrom.

    Auch diese Methode ist nichtinvasiv: Eine Elektrode wird an der Stirn, zwei weitere am Hals und am oberen Hinterkopf befestigt. Die dabei eingesetzten Stromstöße haben eine Spannung von 5 bis 15 Volt – für den Menschen so gut wie nicht spürbar. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Technik die Schlafspindeln des menschlichen Gehirns beeinflusst. Diese Art von elektrischer Aktivität des Gehirns soll mit der Speicherung von Information im Zusammenhang stehen, die der Mensch vor dem Schlaf erhält. Auch der Abruf und die spätere Verwendung der gespeicherten Informationen führen die Forscher darauf zurück.

    In einer Testreihe wurden die 16 gesunde Männer nachts mit dem beschriebenen Verfahren stimuliert. Zuvor mussten sich die Probanden bestimmte Informationen merken: Wortpaare oder Kombinationen von Fingerbewegungen. In einer Nacht wurde die Wechselstromstimulation vorgenommen, in der anderen kamen Placebo-Geräte zum Einsatz. Jeden Morgen wurden die Versuchsteilnehmer in speziellen Tests auf die gespeicherten Informationen hin überprüft. Die Wissenschaftler konnten keine Verbesserung beim Erinnern der Wortpaare feststellen, waren jedoch von den deutlichen Fortschritten bei der Wiedergabe der motorischen Kombinationen beeindruckt.

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    Tags:
    Doping, Olympische Spiele in Rio de Janeiro, USA