11:47 22 November 2019
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    „Kollektivstrafe rechtswidrig“: LINKE fordert Zulassung russischer Paralympics

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    Mit einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung haben die LINKEN Niedersachsens das Internationale Paralympische Komitee (IPC) aufgefordert, den Komplettausschluss der russischen Sportler bei den Paralympics in Rio zurückzunehmen.

    „Ich war sehr erstaunt über die Entscheidung des IPC“, so Andreas Maurer, Mitglied des Landesvorstands der niedersächsischen LINKEN. „Daraufhin habe ich sofort in der Partei und in der Landesarbeitsgemeinschaft selbstbestimmte Behindertenpolitik, wo ich selbst Mitglied bin, angefragt, wie wir darauf reagieren sollen. So ist die Initiative zustande gekommen.“

    Wie Maurer betont, steht die gesamte Partei hinter der Kampagne. So heißt es in der Pressemitteilung: „In diesem Sinne unterstützt DIE LINKE Niedersachsens Forderungen, faire Sportlerinnen und Sportler nicht durch die Komplettsperre zu bestrafen und die unangemessene Entscheidung des IPC zurückzunehmen.“ 

    Maurer dazu: „Eine Kollektivstrafe ist eigentlich nur aus Staaten bekannt, wo keine Rechtsstaatlichkeit gilt. Darüber hinaus haben die Sportler, genau wie andere Athleten, ein Leben lang darauf hin gearbeitet, an diesen Spielen teilzunehmen. Menschen mit Handicap, für die allein das Dabeisein eine große Rolle spielt, werden nun für etwas bestraft, womit sie wohlmöglich gar nichts zu tun haben. Genau das verurteilen wir aufs Schärfste, dass auf dem Spielfeld Weltpolitik betrieben wird.“

    Im Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Anne-Kathrin Glück kritisierte er auch die deutsche Olympia-Berichterstattung, die dazu beitrage, dass Russland über den Sport als Feindbild stigmatisiert wird.

    „Allein die Tatsache, dass ein ganzes Land auf dem Medaillenspiegel einer deutschen Tageszeitung nicht vorkommt — sowas hat es noch nie gegeben. Wir wollen mit unserer Kampagne deutlich machen, dass nicht alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands das gutheißen. Es gibt viele Menschen, die das anders sehen. Politik soll sich aus dem Sport raushalten.“

    Auf die Frage, welche Reaktionen auf die Pressemitteilung bisher eingegangen sind, sagt Maurer: „Einige Medienvertreter haben sich bereits bei uns gemeldet. Und auch die Kommentare in den sozialen Netzwerken sind überwiegend positiv. Die Leute diskutieren nun darüber. Das war eines unser Anliegen.“

    Martin Dolzer, der LINKE-Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft, hat mittlerweile seine Erklärung zur Haltung der deutschen Politik gegenüber der IPC-Entscheidung. Auf die Frage, warum sich bisher kaum ein deutscher Politiker dazu geäußert hat, äußerte er gegenüber Sputnik: „Direkt soll die politische Motivation, die hinter dem Ausschluss russischer Sportler steckt, nicht sichtbar werden. Es wird ja eher auf der indirekten Schiene Druck aufgebaut. Es ist aber der falsche Weg, politische Strategien über die Ausgrenzung einer ganzen Nation zu verfolgen.“

    Laut Dolzer ist es jedoch nicht das erste Mal, dass man über den Sport versucht, politische Differenzen auszutragen. „Ob nun der Olympia-Boykott von 1980 oder die Spiele in Sotschi: In Zusammenarbeit mit den Medien baut die Politik aufgrund von außenpolitischen Interessen ein Feindbild gegenüber Russland auf, was dann auch auf die Ebene des Sports übertragen wird.“

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    Paralympics 2016, Bund der Demokratischen Linken (SLD), Anne-Kathrin Glück, Russland, Deutschland