09:10 20 Oktober 2018
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    Paralympische Spiele (Archivbild)

    „Erst ermitteln, dann sperren!“: Russlands Behindertenvereine appellieren an IPC

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    Die größten Behindertenorganisationen Russlands haben den Präsidenten des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), Philip Craven, in einem offenen Brief aufgerufen, das russische Team von der Teilnahme an den Paralympics 2016 in Rio nicht auszuschließen, solange die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind.

    „Wir sind äußerst besorgt von der Eile, mit der in kürzester Zeit aufgrund von uneindeutigen Informationen schicksalhafte Entscheidungen getroffen werden. Zu diesen sollte aus unserer Sicht zumindest flächendeckend unter Beteiligung aller betroffenen Seiten ermittelt werden“, heißt es in dem Brief, den die Leiter des Allrussischen Blindenvereins, des Allrussischen Gehörlosenvereins sowie des Allrussischen Behindertenvereins unterzeichneten.

    Widrigenfalls sei die Objektivität solcher Entscheidungen fragwürdig. Sie können, so die Autoren des offenen Briefs, unumkehrbare negative Folgewirkungen nicht nur für die „sauberen“ und ehrlichen Sportler, sondern auch „für die ganze Gemeinschaft der Behinderten in Russland und im Endeffekt auch für die Entwicklung der gesamten internationalen paralympischen Bewegung“ haben.

    Die Autoren des Briefes machen zudem darauf aufmerksam, dass „saubere“ Athleten nicht für die Umstände verantwortlich sein können, die zu „einer verspäteten und unvollendeten Ermittlung führten“.

    Nach Angaben der Wohlfahrtsorganisationen, die den Brief unterzeichnet hatten, war Russlands Paralympische Komitee nicht unmittelbar in die Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln einbezogen und sollte demnach auch keinen Sanktionen unterzogen werden. Es könnten derzeit zudem noch keine zuverlässigen Schlussfolgerungen in Bezug auf das Maß der Unterstützung und der faktischen Beteiligung einzelner Personen und Organisationen gezogen werden. Dabei sprechen sich die Autoren des Briefes nicht gegen eine Bestrafung allgemein aus. Einzelne Personen, die die Regeln tatsächlich verletzt hatten, sollten durchaus mit Sanktionen belegt werden – aber erst nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens.

    „Die weitere stabile Entwicklung hin zu positiven Veränderungen in der Gesellschaft, die dank der IPC-Leitung erzielt worden waren, dürfen nicht durch vereitelte Strafmaßnahmen vor dem Hintergrund einer präzedenzlosen Kampagne von Massenmedien überschattet werden. Wir sind fest davon überzeugt, dass derzeit keine Sanktionen, die zu einem kompletten Ausschluss der russischen Mannschaft von der Teilnahme an den Paralympischen Spielen führen kann, verhängt werden dürfen, solange die Ermittlungen nicht vollendet sind“, schlossen die Autoren des Briefs.

    Am 7. August war Russlands Auswahl von der Teilnahme an den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro, die vom 7. bis 18. September stattfinden, ausgeschlossen worden. Diese Entscheidung wurde aufgrund des Berichts der von Richard McLaren geleiteten unabhängigen Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) getroffen. In dem am 18. Juli vorgelegten Dokument war insbesondere von 35 verschwundenen Doping-Proben russischer Paralympioniken die Rede. Außerdem wurde behauptet, in Russland existiere ein staatlich gestütztes Programm zur Vertuschung von Dopingsünden.

    Russland hat inzwischen beim CAS in Lausanne Berufung gegen diese Entscheidung des IPC eingelegt und hofft auf ein positives Urteil, das die Teilnahme der Russen an den Spielen in Rio ermöglicht.

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    Ermittlung, Doping-Sperre, Paralympics 2016, IPC, Rio de Janeiro, Russland