17:46 18 Dezember 2018
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    Paralympics: „Was kann denn ein russischer Bogenschütze dafür…“

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    „…dass vielleicht zwei Gewichtheber und drei Leichtathleten Dopingmittel genommen haben?“ Bei den Paralympics dürfen russische Sportler nach der Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees nicht teilnehmen. Darüber sprach Sputnik mit Dr. Andre Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linke im Bundestag.

    Die deutsche paralympische Mannschaft gewinnt in Rio de Janeiro eine Medaille nach der anderen. Es freue ihn zwar immer, wenn deutsche Sportler erfolgreich seien. „Aber es liegt durch die monatelangen Dopingdiskussionen ein Schatten über den Spielen“, sagt Dr. Hahn.

    „Es ist nicht richtig, wenn die besten Sportler der Welt nicht antreten können, weil ganze Nationen gesperrt werden“, sagt der Innen- und Sportpolitiker: „Das ist auch eine Wettbewerbsverzerrung.“

    Dr. Hahn tritt vehement für sauberen Sport ein: „Ich habe immer gesagt, wer dopt, muss gesperrt werden.“ Das gelte auch für beteiligte Trainer und Ärzte. Auf der anderen Seite dürfe es aber auch keine Sippenhaft geben: „Darum fand ich die Entscheidung des IOC auch richtig, Einzelfallprüfungen vorzunehmen und es den Verbänden zu überlassen. Das war eine Entscheidung mit Augenmaß“, erklärt der Bundestagsabgeordnete.

    Umso größer war seine Überraschung angesichts des Ausschlusses Russlands durch das Internationale Paralympische Komitee. „Da wird gerade bei den Behindertensportlern ein Exempel statuiert, ich halte das für falsch!“ erzürnt sich Dr. Hahn und er fragt: „Was kann denn ein russischer Bogenschütze dafür, dass vielleicht zwei Gewichtheber und drei Leichtathleten Dopingmittel genommen haben?“ Die Sünder seien zu sperren, nicht aber eine gesamte Nation.

    Zudem wundert sich der Linke-Politiker über das Verhalten des Präsidenten des Paralympischen Verbandes IPC, Sir Philip Craven, der auch im IOC (Internationalen Olympischen Komitee) sitzt: „Im IOC hat er für eine Einzelfallprüfung und gegen den Ausschuss Russlands von den Olympischen Spiele gestimmt. Im eigenen Verband hat er beantragt, dass die gesamte russische Mannschaft ausgesperrt wird.“ Dafür fehle ihm jedes Verständnis.

    Es gebe offenkundige politische Motivationen, die bei solchen Entscheidungen mithineinspielten. „Ich kann mich gut erinnern, als bei der Tour de France reihenweise deutsche und amerikanische Radsportler aufgeflogen sind – darunter Etappen- und Tour-Sieger – die allesamt gedopt waren. Da hat auch keiner gefordert, alle deutschen oder amerikanischen Radsportler von den Weltmeisterschaften, oder gar alle deutschen und amerikanischen Sportler von den Olympischen Spielen auszuschließen“, erinnert sich Dr. Hahn. Er bedauert das alles sehr, denn – so schließt der Hobby-Fußballer: „Das alles hat im Sport nichts zu suchen.“

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Paralympics 2016, Andre Hahn, Rio de Janeiro, Russland