18:48 14 Juli 2020
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    Die geleakten Wada-Dokumente rufen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Welt-Anti-Doping-Agentur hervor, schreibt der Bloomberg-Kolumnist Leonid Bershidsky

    Westliche Medien diskutierten lauthals die angebliche russische Spur in den Cyber-Angriffen auf die Welt-Anti-Doping-Agentur, schreibt Bershidsky. Ob die Einnahme verbotener Substanzen durch olympische Champions ethisch zu vertreten sei, falle dabei unter den Tisch.

    Dass Hacker im Auftrag der russischen Nachrichtendienste die Wada-Datenbank knacken, sei leicht vorstellbar – erstrecht angesichts der Enttäuschung der Russen über die Olympia-Sperre, schreibt der Kolumnist. „Und Russlands Wunsch, seine westlichen Gegner mit geheimen Wada-Dokumenten zu diskreditieren, wäre auch erklärlich“, schreibt der Bloomberg-Kommentator.

    Doch hätten die westlichen Medien gleich nach dem Bekanntwerden des Hacker-Angriffs nur über die Enthüllung an sich berichtet, den Inhalt der geleakten Unterlagen aber ausgeklammert. Dabei werfe die ans Licht geförderte Medikation der berühmten Athleten ernsthafte moralische Fragen auf, unterstreicht der Experte. Indes schweigen auch die Wada und die internationalen Sportverbände zu den Enthüllungen.

    „Die Informationen sind aber veröffentlicht. Sie werden diskutiert und säen Zweifel“, betont der Kolumnist. „Dass die Wada die Einnahme verbotener Präparate zu medizinischen Zwecken erlaubt, macht einen wirklich stutzig.“

    Jene Medikamente, die die Williams-Schwestern und die Basketballspielerin Elena Delle Donne einnahmen, wirkten nicht nur therapeutisch, sondern verbesserten auch die sportlichen Leistungen. So würden Corticosteroide zwar bei Allergien, Haut- und Atemwegserkrankungen verschrieben, aber auch zur beschleunigten Regeneration von Athleten nach starken Belastungen eingesetzt. Der Radrennfahrer Lance Armstrong sei einst wegen Corticosteroiden bei einem Doping-Test durchgefallen. Und solche Substanzen wie Adderall und Focalin, die bei ADHS verordnet werden, seien Amphetamine: Sie steigern die Aktivität, lindern Schmerzen und zögern Ermüdung hinaus, erklärt der Journalist.

    Um die Zweifel nicht anzuheizen, solle die Wada die aus medizinischen Gründen erlaubte Einnahme verbotener Substanzen transparent diskutieren, rät Bershidsky. Doch die Welt-Antidopingagentur werde sich allen Diskussion verschließen, was den Russen sicherlich in die Hände spielen werde.

    Derweil schreibt die „New York Times“, dass viele US-Sportler die Schlupflöcher nutzten, um verbotene Präparate mit ärztlicher Erlaubnis einzunehmen. Nachdem die Basketball-Liga 2007 den Einsatz von Amphetaminen verboten hatte, versuchten laut der Zeitung zahlreiche Spieler über den Umweg der therapeutischen Notwendigkeit an die verbotenen Substanzen zu gelangen: Vor dem Verbot hätten 28 Athleten die Amphetamine aus medizinischen Gründen eingenommen. Nach dem Verbot sei die Zahl der ADHS-erkrankten Sportler auf 103 hochgeschnellt.

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    Tags:
    Hacker, WADA, Russland