20:24 28 März 2020
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    Man will den Athleten die Möglichkeit geben, sich bei den Wettkämpfen auf ihren Sport zu konzentrieren, statt auf Anschuldigungen und Diskussionen – so lautet die Begründung, mit der der Internationale Bob- und Skeleton-Verband (IBSF) Russland die Bob-WM 2017, die in Sotschi stattfinden sollte, entzogen hat.

     Gemeint sind die Doping-Vorwürfe, die im jüngsten McLaren-Bericht erhoben wurden. Nach der Veröffentlichung des Berichtes hatten die Teams aus Kanada, den USA und Großbritannien bekannt gegeben, sie würden die Bob-Weltmeisterschaft im russischen Sotschi boykottieren.

    Der deutsche Bob- und Schlittenverband (BDS) begrüßt die Entscheidung der IBSF.

    „Wir begrüßen diese Entscheidung. Aufgrund des McLaren Berichtes und der Dopingvorwürfe wäre, glaube ich, die Berichterstattung rund um die WM keine rein sportliche gewesen, sondern hätte einen sehr bitteren Beigeschmack gehabt, weil diese Thematik einfach nicht totzuschweigen wäre“, so Thomas Schwab, Generaldirektor des BDS im Sputnik-Interview mit Ilona Pfeffer.

    Die Entscheidung habe die IBSF keinesfalls alleine, sondern in Absprache mit der russischen Seite getroffen, so Schwab weiter.

    In der Presseerklärung des russischen Bobverbandes heißt es dazu:

    „In einem Klima des gegenseitigen Misstrauens ist der Verband gezwungen, die Entscheidung der IBSF über die Verlegung der Weltmeisterschaft aus Russland in ein anderes Land anzuerkennen. Die BSF sah sich einem möglichen Zerwürfnis im Sport und Massenboykotts der Wettbewerbe gegenüber… Es ist unmöglich, ein Fest des Sportes unter solchen Umständen auszurichten… Wir sind bereit, dieses Opfer zu bringen, um die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu signalisieren. Wir mussten das kleinere von zwei Übeln wählen.“

    Wladimir Koslow, russischer Olympiasieger im Zweier-Bob, bedauert die Entscheidung sehr. Sie habe bei den russischen Sportlern Verwunderung und Ärger ausgelöst. Der Sportler sieht einen Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro, zu denen russische Athleten nicht zugelassen wurden.Koslow möchte nicht das Schlimmste erwarten – den Ausschluss aller russischen Sportler bei den Olympischen Winterspielen 2018. Man müsse um die Zulassung zur Olympia und um die Reinheit der eigenen Reihen ringen, fordert er.

     „Wir müssen bis auf den letzten Punkt alle Anforderungen erfüllen, die das IOC und der Internationale Bob- und Skeleton-Verband an uns gestellt haben. Jedenfalls müssen wir an allen Wettkämpfen teilnehmen, wo immer sie ausgetragen werden. Unsere Athleten haben diese Saison würdig angefangen, haben eine Etappe des Weltcups gewonnen, und wir sollen weiter kämpfen.“

    Dmitri Swischtschow, Vorsitzender des Sportausschusses der russischen Staatsduma, fordert hingegen eine klare Reaktion Moskaus. Der Sportverband dürfe den Boykottdrohungen einzelner Athleten oder nationaler Verbände nicht nachgeben, so der Abgeordnete. Außerdem ist er der Ansicht, Russland müsse angesichts der großen Ausgaben bei der Organisation der Weltmeisterschaft Schadenersatz für die entstandenen Kosten fordern.

    Über den neuen Austragungsort wird am kommenden Sonntag entschieden. Das bayerische Königssee gilt als aussichtsreicher Kandidat.

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    Wladimir Koslow, Dmitri Swischtschow, Sotschi, Russland