01:58 21 November 2017
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    Schweigen gebrochen: 31 BRD-Spitzenathleten gestehen jahrelanges Doping

    © AP Photo/ Felipe Dana
    Sport
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    31 ehemalige Spitzen-Leichtathleten der damaligen Bundesrepublik Deutschland haben eingeräumt, in ihrer aktiven Zeit zum Teil jahrelang Anabolika zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben. Dies geht laut dpa aus einer bislang unveröffentlichten Dissertation des Pharmazeuten Simon Krivec von der Universität Hamburg hervor.

    Für die Studie wurden demnach 121 ehemalige männliche Spitzensportler des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) kontaktiert und nach der Einnahme von anabolen Steroiden in den Jahren 1960-1988 befragt. 61 davon antworteten.

    Das Ergebnis lässt staunen: Ganze 31 Leichtathleten gaben an, in ihrer aktiven Zeit Anabolika zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben. Die Mengen und Zeiträume würden dem DDR-Staatsdoping ähneln, schreibt die WDR-Sendung „Sport Inside“ in ihrer Onlineausgabe.

    „Die Daten belegen statistisch signifikant, dass mehr als 50 Prozent der Athleten anabole Steroide eingenommen haben“, heißt es in Krivecs Dissertation.

    Welt-Anti-Dopint-Agentur (WADA)
    © REUTERS/ Christinne Muschi
    Die Dopingmengen sollen darüber hinaus in nahezu allen Fällen weit über den Empfehlungen der Hersteller gelegen haben. Bevorzugt waren offenbar die Medikamente Dianabol und Stromba, die per Rezept bezogen wurden. Sie seien bis auf wenige Ausnahmen alle von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt worden.

    Seit 1970 sind Anabolika in der Verbotsliste des Internationalen Leichtathletik-Verbandes verankert. Doch offenbar wurden jene Mittel auch danach weiterhin eingenommen, wie aus der Arbeit hervorgeht. In einem Fall sollen im Jahr 1974 sogar bis zu 5000 Milligramm Dianabol, also etwa 1000 Tabletten, eingenommen worden sein. Die Zeiträume der regelmäßigen Anabolika-Einnahme erstreckten sich auf bis zu zwölf Jahre.

    Die Dissertation deckt laut dpa darüber hinaus die Struktur des Anabolika-Missbrauchs im Westen Deutschlands auf. Daran sollen neben den Athleten selbst nämlich auch Ärzte, Apotheker, Trainer und andere Personen aus deren Umfeld zum Teil aktiv beteiligt gewesen sein.

    Obwohl den befragten Ex-Athleten Anonymität zugesichert wurde, verzichteten sechs davon laut Krivecs darauf und bestätigten ihre Namensnennung. Darunter ist auch der ehemalige Diskuswerfer Klaus-Peter Hennig, mehrfacher Deutscher Meister und Olympia-Teilnehmer 1968 und 1971.

    Gegenüber „Sport inside“ sprach Hennig von einer persönlichen Belastung und einer Zwickmühle, die mit der Einnahme der Präparate einhergegangen seien:

    „Auf der einen Seite will ich selber Leistung verbessern, hohe Leistung schaffen. Die Olympiateilnahme schaffen. Auf der anderen Seite weiß ich, dass das ohne unterstützende Mittel eigentlich nicht geht.“ Ihm zufolge ist Kirvecs Dissertation absolut glaubwürdig.

    Krivecs Dissertation unter dem Titel „Die Anwendung von anabolen-androgenen Steroiden im Leistungssport der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1960 – 1988 unter besonderer Berücksichtigung der Leichtathletik“ wird laut dpa am 3. April veröffentlicht und dann als Buch erscheinen.

    „Eine Dissertation, die ins Herz westdeutscher Leichtathletik trifft und in der die Athleten selbst mit einem Mythos aufräumen“, kommentiert „Sport inside“.

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    Tags:
    verbotene Präparate, Verbot, Sport, Leistung, Leichtathletik, Steroide, Anabolika, Doping, DDR, Deutschland
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