07:24 07 Dezember 2019
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    Heimsatdion von SV Meppen nach dem Aufstiegsspiel

    Für Romantiker: Das Märchen von Meppen oder: Plötzlich Profi

    © Foto : Hardy Kloßek
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    Der Torwart ist Schweißer, der Kapitän macht eine Lehre als Einzelhandelskaufmann, der Verein hat nur einen einzigen Festangestellten. Das klingt nicht nach Profifußball. Und trotzdem ist der SV Meppen in die 3. Liga aufgestiegen. Im dem voll auf Profit getrimmten Sport wirkt das wie ein Eigentor.

    „Der Trainer und die Spieler feiern immer noch, ich hab nur bis 5 Uhr durchgehalten“, sagt Hardy Kloßek. Trotz des Schlafdefizits ist Kloßek heute ein vielgefragter Mann. Er ist Pressesprecher des SV Meppen. Der einzige, wohl gemerkt. Schon seit dem frühen Morgen muss Kloßek den Medien zwischen Flensburg und Garmisch-Spartenkirchen das emsländische Fußballwunder erklären. Am Mittwochabend stieg der SV Meppen in die 3. Liga auf. Nach einem 4:3 nach Elfmeterschießen gegen den SV Waldhof Mannheim.

    Mit Mistgabeln und Forke zum Rathaus

    Meppen, das liegt in der Diaspora irgendwo im Norden an der holländischen Grenze. Viel Landwirtschaft, jede Menge Platz und wenige Menschen. Die aber sind Fußballverrückt. Schon in der Oberliga kamen bis zu 8.000 in die Hänsch-Arena. Sie feuern ein Team an, das zum aller größten Teil aus Amateuren besteht. Torwart Benjamin Gommert, der beim Elfmeterschießen gestern der Held war, schweißt im Hauptberuf Metall zusammen. Und Kapitän Martin Wagner macht eine Ausbildung zum Einzelhandel. „Die Spieler kommen aber nicht mit dem Trecker zur Arbeit“, erklärt der Sprecher, früher selbst eine emsländische Fußballgröße. Nach den Feierlichkeiten in Meppen geht es für die Mannschaft kommende Woche nach Mallorca.

    Der Verein hat einen einzigen Festangestellten. Alle anderen, wie Kloßek, arbeiten entweder auf Honorarbasis oder ehrenamtlich. Das ist genauso wie das Bild, das man von SV Meppen aus dem Emsland hat: „Wenn den Zuschauern etwas nicht passt, ziehen sie mit Mistgabeln und Forke zum Rathaus“, treibt der 38-jährige dieses Bild auf die Spitze.

    Maradona im Emsland

    Damit der SV Meppen in der kommenden Saison sein Märchen weiterschreiben kann, muss einiges geschehen. Denn der Aufstieg in die 3. Liga bedeutet Profifußball und damit strenge Auflagen des DFB: „Das wird eine Mammutaufgabe für uns“, gesteht Kloßek. „Dann spielen wir gegen den VfL Osnabrück, Preußen Münster oder den SC Magdeburg. Strukturell und infrastrukturell müssen wir einiges machen. Aber das kriegen wir hin.“ Ob der Torwart dann noch schweißen und der Kapitän zur Berufsschule gehen kann, ist offen.

    Immerhin haben die Meppener ein geeignetes Stadion. Über 13.000 Menschen passen hinein. Den meisten Besucher kamen im Jahr 1982. Damals kam Diego Maradona mit dem FC Barcelona und lockte über 18.000 Menschen ins Stadion. Bis das Emsland wieder solche Mannschaften empfängt, muss der SV Meppen noch ein paar Fußball-Märchen schreiben. Es sei ihm gegönnt.

    Das komplette Interview finden Sie hier: 

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    Tags:
    Meisterschaft, Wettkampf, Sport, Fußball, Deutschland