12:26 12 Dezember 2019
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    Spieler der russischen Nationalmannschaft bei Confed Cup 2017

    Doping-Skandal vor Fußball-WM: „Verschwörungstheorie“ zum Medienwirbel im Westen

    © Sputnik / Anton Denissow
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    Der zuständige Fußball-Arzt staunt über den neuen Doping-Verdacht gegen russische Nationalspieler. Ein russischer Kommentator befürchtet Versuche, den Skandal im Vorfeld der WM künstlich zu schüren. Doping-Vorwürfe gegen Russlands Sport machen auch in der deutschen Presse erneut Schlagzeilen.

    Eduard Besuglow, Arzt der russischen Nationalelf, sagte der Onlinezeitung championat.com,  das Team habe vor der WM 2014 zwei Dopingtests bestanden – zunächst in Oslo vor dem Freundschaftssiel gegen Norwegen, dann in Moskau vor dem Abflug nach Brasilien: „Die Ergebnisse der Tests liegen der Fifa vor, keine Verstöße wurden dabei aufgedeckt.“

    „Die außerhalb von Turnieren entnommenen Proben wurden nicht in Moskau ausgewertet, sondern in einem Labor in Lausanne. Das gilt auch unmittelbar für die WM in Brasilien: Nach jedem Spiel wurden Urin- und Blut-Proben entnommen – bei jeweils zwei Kickern durch Losentscheid. Alles wurde dann ins Labor nach Lausanne gebracht, das sofort Ergebnisse lieferte“, berichtete Besuglow.

    Er betonte: „Russland hatte mit den Probenahmen und mit den eigentlichen Tests nichts zu tun. Es ist für mich unverständlich, welches Glied in dieser Kette hätte eine Manipulation durch uns ermöglichen können und zu welchem Zeitpunkt.“

    Über die Aussage von Wada-Sonderermittler Richard McLaren, die Welt-Anti-Doping-Agentur habe 155 verdächtige Proben russischer Fußballspieler beschlagnahmt, zeigte sich Besuglow erstaunt: „Alle Proben, die bei russischen Nationalspielern in den letzten Jahren entnommen wurden, waren clean, ich unterstreiche das abermals. Alle davon waren offiziell, es gibt alle diesbezüglichen Unterlagen. Was gibt es da zu verdächtigen? Da kann ich nur rätseln (…) Spieler von Klubs wurden in jenem Zeitraum von der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada bei nationalen Meisterschafts- und Pokalspielen getestet, aber auch von der Uefa während der Europapokalwettbewerbe.“

    Sportreporter Jewgeni Sljussarenko, der den Arzt interviewte, kommentierte im Hinblick auf den jüngsten Bericht der britischen „Mail on Sunday“, der die Doping-Vorwürfe gegen Russland erneut geschürt hatte: „Betrachten wir die Fakten. Etwa diese Zahl: elf ‚aktive Fußballs-Profis‘. Wo kommt sie her? Aus dem ersten Teil des vor einem Jahr erschienenen McLaren-Berichts (…) Vor einem Jahr hatte die Fifa den russischen Fußballverband gebeten, alle Angaben zu diesen elf Kickern zu liefern (unter ihnen gab es niemanden aus der russischen Nationalelf, nur einer aus der russischen Premier-Liga; die restlichen kickten für jüngere Herren- und Damen-Teams). Alle Angaben wurden vorgelegt. Eine Fifa-Reaktion blieb aus.“

    „Offenbar ist die Frage längst geklärt. Die McLaren-Tabelle hat sich seit einem Jahr überhaupt sehr verblasst. Beim sorgfältigen Einblick verstanden internationale Sportarten-Verbände schnell, dass es entweder um längst bestrafte oder um absolut außenstehende Personen ging“, so Sljussarenko.

    In Bezug auf den britischen Bericht schreibt er weiter: „Ich habe eine Verschwörungstheorie. Zwar entbehrt sie jeglicher Begründung, doch wenn die Engländer vor so etwas nicht zurückscheuen, versuch ich mal auch.“

    „Mit wilden russischen Hooligans und Rassisten beim Confed Cup hat es vorerst nicht geklappt. Nun kommt Plan B, und zwar das russische Doping (…) Es werden Fragen nach ‚Russlands Tauglichkeit als WM-Gastgeber 2018‘ aufkommen. Vorerst soll das Thema etwas hochgespielt werden. Für alle Fälle“, so Sljussarenko in seinem Kommentar.

    Die Doping-Vorwürfe gegen den russischen Fußball machen auch in deutschen Medien reichlich Schlagzeilen. Hier manche Überschriften der letzten Tage: „Ermittlungen gegen Russlands Fußball-Nationalteam“, „Doping-Vertuschungssystem in Russlands Fußball“, „Wie die Fifa Korruption und Doping verharmlost“.

    Die „Welt“ schreibt beispielweise in ihrer Onlineausgabe: „Dem Weltfußball droht der größte Dopingskandal der Geschichte. Wie die englische Zeitung ‚Mail on Sunday‘ berichtet, ermittelt die Fifa gegen die gesamte russische Fußball-Nationalmannschaft, die an der WM 2014 teilgenommen hat. Nur ein Jahr, bevor die nächste WM ausgerechnet in Russland startet (…) Zur Glaubwürdigkeit der Information passt: Die ‚Mail on Sunday‘ hatte bereits das Staatsdoping von Sotschi enthüllt. Der Zeitung liegen offenbar E-Mails des ehemaligen Chefs des russischen Testlabors vor, in denen angeblich staatlich angeordnete Verschleierungen diskutiert wurden.“

    Die „F.A.Z.“: „Der Report des Sonderermittlers der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zu Russland enthält Hinweise auf ein systematisches Doping auch im Fußball. Dafür gibt es vor Auswertung der Analysen zwar noch keinen endgültigen Beweis. Aber warum sollte, wer bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 mit krimineller Energie Proben zugunsten der eigenen Athleten manipuliert hat, ausgerechnet im Königsspiel davon Abstand genommen haben?“

    Die „Süddeutsche Zeitung“: „Die Verdachtslage um Russlands Fußball spitzt sich zu (…) Nun gibt es zunehmend Hinweise, dass im Fußballbereich separat manipuliert worden sein könnte. In der ARD-Sportschau am Dienstag nannte McLaren eine bemerkenswert hohe Zahl von Proben russischer Kicker, die er als mutmaßlichen Teil einer Vertuschung identifizierte: ‚Es gibt noch 155 Proben, die nicht analysiert wurden. Die Wada hat sie beschlagnahmt. Das haben wir der Fifa gemeldet.‘ McLaren vermutet, diese Proben seien entweder manipuliert, um Positivbefunde zu verhindern, oder dass sie Dopingsubstanzen beinhalten. Seinen Verdacht stützt er auch auf den Mailverkehr russischer Funktionäre.“

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    Tags:
    Dopingskandal, Medienattacke, Fußball-WM 2018, Die Zeit, SZ, FAZ, Deutschland, Russland