07:20 17 November 2018
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    Ausschreitungen auf dem Heimstadion von Hansa Rostock

    Pyrotechnik im Stadion: Fan-Forscher wirft Pistorius Populismus vor

    © REUTERS / Hannibal Hanschke
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    Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) stellt nach den Vorfällen von Rostock das Verbot von Pyrotechnik in Fußballstadien zur Diskussion. Unter Auflagen könne man darüber sprechen, sagte er in einem Interview. Dafür bekommt Pistorius heftige Kritik vom Fußball-Fanforscher Gunter A. Pilz.

    Gunter A. Pilz, Sportwissenschaftler und Fan-Forscher an der Leibniz Universität Hannover, wirft dem niedersächsischen Innenminister vor, „offensichtlich vom Paulus zum Saulus geworden“ zu sein. Für die Äußerungen von Pistorius habe er nur „völliges Unverständnis“ und meint, dass das mit der näher rückenden Neuwahl in dem Bundesland zu tun haben könnte. Pilz ist Vorsitzender der „AG Fair Play & Gewaltprävention“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Ich weiß nicht, was ihn geritten hat, dieses Fass aufzumachen“, sagte er gegenüber Sputnik. „Ich halte es, um es deutlich zu sagen, für äußerst verantwortungslos und kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie man so etwas formulieren kann.“ Nach eigenen Angaben hat Pilz den niedersächsischen Innenminister eine Zeit lang auch bei Fanprojekten beraten.

    Anlass sind Ausschreitungen während eines DFB-Pokalspiels am Montagabend im Rostocker Ostseestadion. Dabei hatten Anhänger von Hertha BSC Berlin Pyrotechnik, darunter sogenannte Bengalos, gezündet und Fans des Gegners mit Raketen beschossen. In einem Interview mit der Zeitschrift „Sport Bild“ hatte der niedersächsische Innenminister Pistorius, zuvor ein strenger Gegner der Pyrotechnik, seine Meinung geändert.

    "Wenn einige Ultra-Gruppen ganz viel Wert darauf legen, Pyrotechnik zu zünden, kann man sich darüber unterhalten, dafür bestimmte Bereiche im Stadion zu schaffen — aber nur, wenn sich dann auch daran gehalten wird", sagte Pistorius der Zeitung. 

    „Pyrotechnik ist Mittel der Provokation“

    Die Diskussion über Pyrotechnik in den Stadien sei nicht neu, so Sportwissenschaftler Pilz. Es habe „intensivste Überlegungen gegeben, ob ein kontrolliertes Abrennen von Pyrotechnik überhaupt erlaubt sein kann.“ Viele Gründe sprechen aber dagegen: Zum einen gebe es Stadien, in denen kontrolliertes Zünden technisch nicht möglich sei. Dazu kommt: Verantwortlich wären als Veranstalter die Vereine: „Wenn da ein Unfall passiert, möchte ich wissen, wer diese Verantwortung übernimmt.“ Darüber hinaus sei Pyrotechnik im Sinne der Versammlungsstätten-Verordnung untersagt.

    Außerdem ginge es den Ultras nicht darum Stimmung zu erzeugen: „Pyrotechnik ist ein Mittel der Provokation. Und es ist ein symbolischer Akt der Eroberung des gegnerischen Stadions. Man kann Polizei und Ordnungsdienst zeigen: Seht mal, trotz eurer Kontrollen haben wir es geschafft.“ Pilz kann Pistorius´ Pirouette nicht nachvollziehen: „Ich halte das für populistisch und völlig unüberlegt.“

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    Ausschreitungen, Verbot, Pyrotechnik, Fußball, Rostock, Deutschland