02:48 19 September 2020
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    Die Sicherheitslage bei den Olympischen Spielen im Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang gilt infolge der Korea-Krise als unklar. Immer mehr deutsche Skisportler äußern ihre Bedenken und erwägen einen Startverzicht. Das Bundeskriminalamt (BKA) untersucht die Lage, hält sich aber mit seinen Erkenntnissen bedeckt.

    Vor dem Hintergrund des Korea-Konfliktes mehren sich die Stimmen, die die Austragung der Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang kritisieren. Der Hauptort ist gerade einmal 80 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt ist. Der Deutsche Skiverband (DSV) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) betonen, die Sicherheit der Athleten habe für sie oberste Priorität.

    DSV-Präsident Franz Steinle sagte bei einer Pressekonferenz des DSV am Donnerstag:

    „Für uns und für den DOSB steht an oberster Stelle die Sicherheit der Athleten, Trainer und Betreuer. Dem werden wir auch Rechnung tragen. Wir sind in engem Kontakt mit dem DOSB, der wiederum ist im engen Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundeskriminalamt. Es sind auch Leute vor Ort, um die Sicherheitslage zu überprüfen und täglich oder zumindest wöchentlich die neusten Wasserstandsmeldungen durchzugehen.“

    Auf Sputnik-Anfrage, was genau das BKA prüft und zu welchen Erkenntnissen es bisher gekommen ist, hieß es in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme aus dessen Pressestelle lediglich: „Das Bundeskriminalamt bewertet anlassbezogen die individuelle Gefährdungslage der deutschen olympischen Equipe vor dem Hintergrund einer polizeilich-messbaren Gefährdung (z.B. Allgemeinkriminalität vor Ort oder Terrorismus).  Bei Bedarf unterstützt das Bundeskriminalamt die deutsche olympische Mannschaft jeweils vor Ort durch die Gestellung von Verbindungsbeamten, die als Bindeglied zwischen den Funktionären des DOSB und den örtlichen Behörden sowie als Ansprechpartner der Athleten dienen.“

    Inwiefern der zwischenstaatliche koreanische Konflikt die Olympioniken gefährde, wollte das BKA nicht beantworten und verwies auf das Auswärtige Amt.

    „Es ist immer ein bisschen Unwohlsein dabei, wenn man irgendwelche Sachen über Nordkorea hört, weil man weiß, dass man im Februar nicht weit davon entfernt sein wird“, äußerte Biathlon-Staffelweltmeisterin Maren Hammerschmidt gegenüber Sputnik ihre Bedenken. Gemeinsam mit Teamkollegin Laura Dahlmeier habe sie sich Dokumentationen zu Nordkorea angesehen. „Wir haben ein paar Reportagen geschaut, wo uns schon ein bisschen anders zumute  geworden ist. Alles überschatten sollte das aber natürlich auch nicht.“

    Deutsche Skisportler bei einem Fototermin im Rahmen der Auszeichnung mit dem „Goldenen Ski 2017“ (19.10.2017)
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Deutsche Skisportler bei einem Fototermin im Rahmen der Auszeichnung mit dem „Goldenen Ski 2017“ (19.10.2017)

    Der vierfache Biathlon-Weltmeister Arnd Peiffer kritisierte, dass die Spiele überhaupt nach Süd-Korea vergeben wurden:

    „Das Kind ist aus meiner Sicht schon viel früher in den Brunnen gefallen, denn das Aggressionspotential von Nordkorea ist ja nicht neu. Dass wir nah an einer Grenze sind, an der sich zwei Armeen gegenüberstehen, ist auch nicht neu. Das heißt, als man die Spiele dorthin gegeben hat, ist man dieses Risiko eingegangen, und jetzt muss man damit umgehen.“

    Ski-Alpin-Star Felix Neureuther  erwägt sogar einen Verzicht auf die Olympischen Spiele.  Bis zur roten Linie fehle nicht mehr viel, sagte der frischgebackene Familienvater der Zeitung „Salzburger Nachrichten“:

    „Da steht doch der Sport nicht mehr im Mittelpunkt, sondern wird von der Politik benutzt. Außerdem geht es ja nicht nur um mich. Mein Servicemann ist zweifacher Familienvater. Soll ich ihm sagen: Du musst in eine Krisenregion, weil ich dort unbedingt Medaillen machen will?“

    Sollten die Olympischen Spiele in Pyeongchang ausfallen, gebe es keinen „Plan B“, so DSV-Präsident Steinle. Man könne die Spiele nicht einfach in ein anderes Land verlegen, sie würden ersatzlos gestrichen werden.

    Ilona Pfeffer

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    Tags:
    Krise, Teilnahme, Verzicht, Biathlon, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, DSV, Bundeskriminalamt (BKA), Laura Dahlmeier, Franz Steinle, Pyeongchang, Koreanische Halbinsel, Südkorea, Deutschland