00:06 21 November 2017
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    Ricco Groß EXKLUSIV: „Ich gehe davon aus, dass wir bei Olympia starten“

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    Trotz der bedenklichen Sicherheitslage im südkoreanischen Pyeongchang, des Vorwurfs des Staatsdopings gegen Russland und der jüngsten Strafmaßnahmen seitens des IOC sagt der ehemalige deutsche Biathlon-Star und gegenwärtige Trainer der russischen Biathlon-Herren Ricco Groß: Wir werden in Südkorea starten.

    Knapp drei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt im schwedischen Östersund gibt sich der russische Herrentrainer Ricco Groß optimistisch. Seit er 2015 seine Tätigkeit aufgenommen habe, sei eine kontinuierliche Leistungssteigerung bei seinen Schützlingen zu beobachten gewesen und er hoffe, diesen Trend in der kommenden olympischen Saison fortsetzen zu können, so Groß. Die Arbeit im russischen Team sei sehr interessant und mache ihm großen Spaß.

    „Ein Highlight war letztes Jahr die Staffel in Hochfilzen, wo wir als Weltmeister hervorgegangen sind. Es hat extrem viel Spaß gemacht, in dem Moment alle zu schlagen.“

    Das Ankommen in Russland sei schon in mancherlei Hinsicht eine Umstellung gewesen, erinnert sich der neunfache Weltmeister. Die Sprache habe ihn vor eine Herausforderung gestellt, obwohl er aus der Schulzeit noch einige Sprachkenntnisse hatte. Der Trainingsablauf aber  sei sehr ähnlich.

    „Hauptsächlich trainieren wir Laufen und Schießen – das ist genauso wie in Deutschland. Was wirklich anders ist: In Deutschland gibt es ein sehr gutes Stützpunkttraining, während man in Russland eher auf ein Lehrgangssystem vertraut. Wir haben deutlich mehr Trainingskurse. Das hat den Vorteil, dass  die Athleten immer zusammen sind und entsprechend gut gearbeitet werden kann.“

    Bei jedem der sechs Athleten, mit denen die russische Herrenmannschaft im Weltcup an den Start geht, sieht Trainer Groß das Potential, ganz nach vorne zu laufen. Bei dem Blick auf die Konkurrenz hat Ricco Groß neben dem französischen Überflieger Martin Fourcade vor allem die deutschen Biathleten auf dem Zettel.

    „Natürlich sind von deutscher Seite aus mit Simon Schempp, Arndt Peiffer, Benedikt Doll, Erik Lesser vier Athleten dabei, die eine ganz große Rolle spielen werden. Österreich ist mit zwei-drei Athleten im Favoritenkreis, Norwegen eigentlich auch mit der kompletten Mannschaft. Wichtig für uns ist, dass wir mit zwei-drei Athleten immer im absoluten Spitzenbereich sind. Darum werden wir kämpfen und versuchen unser Bestes!“

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    Sicherheit bei Olympia an erster Stelle

    Genauso wie beim DSV ist auch im russischen Team das Thema Sicherheit bei Olympia im Gespräch. Wegen der geografischen Nähe des olympischen Austragungsortes Pyeongchang zur nordkoreanischen Grenze prüft derzeit der DSV zusammen mit dem DOSB, dem BKA und dem Auswärtigen Amt, ob die Teilnahme der deutschen Skisportler an den olympischen Wettkämpfen aus sicherheitstechnischen Gesichtspunkten vertretbar ist.

    „Wir haben darüber auch schon gesprochen, ganz klar. Aber da ist auch ein Stück weit das IOC gefordert. Das IOC hat die Olympischen Spiele dorthin vergeben, auch unter dem Gesichtspunkt Sicherheit, und sicherlich wird man sich Gedanken gemacht haben. Aber klar: Wenn es unsicher ist, dann ist es unlogisch, dort an den Start zu gehen.“

    Unabhängig von der Teamentscheidung könne jeder Athlet seine eigene Entscheidung über die Olympiateilnahme treffen, wenn ihm die Lage zu unsicher erscheine, so der russische Herrentrainer.

    Dopingvorwürfe belasten die Athleten

    Nachdem in der vergangenen Saison der McLaren-Report und die damit verbundenen Dopingvorwürfe gegen die russischen Wintersportler die Wettkämpfe überschattet hatten, trüben die jüngsten Diskussionen und das Vorgehen des IOC gegen russische Athleten die Vorfreude auf die Saison. Erst diese Woche sind sechs russischen Skisportlern ihre Ergebnisse von den olympischen Spielen 2014 aberkannt worden, zudem wurden sie lebenslang für Olympia gesperrt.

    „Ganz klar, Strafe muss sein. Wenn Athleten betrogen haben, sollen sie auch nicht an den Start gehen. Wir sprechen auch darüber. In erster Linie sind wir aber in der gleichen Situation wie letztes Jahr. Es gibt momentan keine Beweise dafür, dass irgendeiner unserer Athleten, die im Weltcup auftauchen werden, betroffen ist. Damit gibt es für mich auch keine Handhabe, irgendjemanden nicht starten zu lassen“, so Ricco Groß im Sputnik-Interview.

    Natürlich würden die Verdächtigungen seine Athleten psychologisch belasten: „Sie haben immer wieder das Gefühl, dass auf sie mit dem Finger gezeigt wird, denn es ist  unberechtigt.“

    Die Entscheidung des IOC, ob und unter welchen Bedingungen die russischen Wintersportler in Pyeongchang an den Start gehen dürfen, steht noch aus. Ricco Groß gibt sich in dieser Hinsicht optimistisch:

    „Ich gehe davon aus, dass wir bei Olympia an den Start gehen und erfolgreich daran teilnehmen werden.“

    Bericht: Ilona Pfeffer

     

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    Tags:
    Biathlon, Doping, Südkorea, Deutschland, Russland
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