12:24 24 Januar 2018
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    Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang (Archiv)

    „IOC-Beschluss soll russisches Volk spalten“ – Olympioniken verschaffen sich Gehör

    © Sputnik/ Ramil Sitdikow
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    Die IOC-Entscheidung, russische Sportler nur unter neutraler Flagge zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang zuzulassen, hat im Land Bedauern und Empörung hervorgerufen. Boykottieren oder teilnehmen? Mit dieser Frage beschäftigen sich auch ehemalige Athleten und Olympia-Medaillenträger – und geben eindeutige Antworten.

    Einige fordern auf, die Olympiade zu boykottieren. Andere sagen, die Sportler sollen selbst entscheiden, ob sie angesichts der harten IOC-Anforderungen in Südkorea antreten oder nicht. Der endgültige Beschluss soll diesbezüglich am 12. Dezember auf der Tagung des Olympischen Komitees Russlands getroffen werden.

    Die Doppel-Olympiasiegerin im Kunstturnen Swetlana Chorkina sagte auf einer Pressekonferenz in der Nachrichtenagentur „Rossija Segodnja“, sie habe gehofft, „IOC-Präsident Thomas Bach würde seine Entscheidung ausgehend davon treffen, dass er selbst einst Sportler gewesen ist und dass er bei Olympischen Spielen wohl kaum gern ohne Nationalhymne und Flagge angetreten wäre.“

    Chorkina scheint es, als ob der Beschluss schon lange vor seiner Bekanntgabe gefasst worden sei. „Vielleicht war sogar der Text ausgemacht. Es ist kein selbstständiger Beschluss des IOC-Exekutivkomitees. Heutzutage läuft ein ideologischer Krieg. Die Olympischen Spiele in Sotschi sorgten dank dem Sieg der Sportler für Russlands Zusammenschluss. Diejenigen, die heute die Regeln der olympischen Bewegung diktieren, waren darüber bestimmt nicht froh. Ihnen wurde klar, dass man den Sportlern, auf die das ganze Land und Millionen Fans außerhalb Russlands stolz sind, einen Schlag versetzen muss. Sie haben an diesem Beschluss seit mehreren Jahren gearbeitet.“

    Will Wada mit Olympioniken-Urin Gurken düngen?

    Die Olympionikin hob hervor: „Die IOC-Beamten haben vergessen, dass die zentrale handelnde Person im Sport der Sportler selbst ist und dass das IOC, die Wada, der Schiedsgerichtshof für Sportler nur Dienstpersonal darstellen, die bei Wettkämpfen für alle Sportler die Voraussetzungen schaffen sollen. Inzwischen hat sich aber die Wada in ein Probenarchiv verwandelt. Wenn ein Sportler heute schneller als alle anderen läuft, wird er auf der Stelle auf Doping getestet. Ist die Probe negativ, dann ist er der Olympiasieger. Wozu bewahrt die Wada aber seine Dopingproben jahrelang auf? Um aus dem Olympier-Urin Mineraldünger für Gurken herzustellen?“

    Die Olympiasiegerin im Weitsprung Tatjana Lebedewa warnte ihrerseits vor einer möglichen Spaltung innerhalb der russischen Gesellschaft. Sie erinnerte sich: „Als es bei der Leichtathletik-WM in London 2017 erlaubt wurde, ohne Flagge und Hymne zu starten, wurden diejenigen, die das akzeptiert hatten, Verräter genannt, weil das eine Erniedrigung für das Land sei und man deshalb auf die Olympia-Teilnahme stolz verzichten solle.“

    Dabei forderte die Athletin auf, den Fehler von 1984 nicht zu wiederholen, als die Sowjetunion die Olympischen Spiele in Los Angeles boykottiert hatte: „Auch damals hatten sich die Sportler auf die Spiele vorbereitet. Wegen der Sicherheit der Athleten in den USA wurde damals die Atmosphäre angeheizt, und unsere Sportler reisten nicht zu der Olympiade. Viele von ihnen sagten mit Bedauern: Wir waren in Hochform, konnten uns aber nicht verwirklichen, sind nicht Olympioniken bzw. Olympiasieger geworden.“

    Boykott ist keine Lösung

    Jetzt gebe es eine Möglichkeit anzutreten, urteilt die Athletin, wenn auch in einem engeren Rahmen. „Wenn wir jetzt die Olympischen Spiele boykottieren, obwohl Sportler unter der Flagge eines anderen Landes starten können, wird das ein grober Fehler sein. Diesmal wurde aber den Athleten erlaubt, am Olympia zwar unter neutraler Flagge, aber unter dem Titel eines ‚Athleten aus Russland‘ teilzunehmen. Jeder von ihnen wird sowieso Russland im Inneren tragen. Das kann man ihnen ja nicht wegnehmen.“

    Der Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, hat am Mittwoch allen nahegelegt, Emotionen auszuschließen und die IOC-Beschlüsse ernsthaft zu analysieren. „Jedenfalls werden die Kontakte zum IOC aufrechterhalten, damit man alles klären kann.“

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Ausschuss, Reaktion, IOC, Russland
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