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09:52 19 August 2019
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    Wappen auf der Uniform deutscher Olympia-Mannschaft

    DSV-Sprecher zu IOC-Entscheidung: „Deutsche Sportler fühlen mit“

    © REUTERS / Michaela Rehle
    Sport
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    Das IOC wird vor der Sperrung russischer Athleten die Beweislage sicherlich gewissenhaft geprüft haben, sagt Stefan Schwarzbach, Sprecher des Deutschen Skiverbandes. Wichtig sei jetzt, die entsprechenden Beweise vorzulegen. Die deutschen Biathleten freuen sich nicht über Shipulins Olympia-Aus, sondern fühlen mit ihm.

    Überrascht sei er nicht gewesen, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele noch russische Athleten sperrte, sagt Stefan Schwarzbach, Sprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV). Das sei aus seiner Sicht dem engen Zeitrahmen und der Fülle an Proben, die überprüft werden mussten, geschuldet. Dass das IOC dabei absichtlich auf Zeit gespielt habe, glaube er nicht. Jedoch wäre es zu begrüßen, wenn nun auch entsprechende Beweise vorgelegt würden.

    „Im Sinne des Sports, der Athleten und des russischen Verbandes wäre es schon gut gewesen, wenn man von Anfang an auch eine entsprechende Begründung mitgeliefert hätte. Ich gehe mal davon aus, dass das IOC die Fälle gewissenhaft geprüft und nicht leichtfertig eine Nicht-Einladung ausgesprochen hat, sondern dass man sich der Tatsache bewusst ist, dass im Nachgang konkrete Beweise vorgelegt werden müssen, um so eine Entscheidung rechtfertigen zu können. Aber wir als Verband haben keine Akteneinsicht, insofern ist es für uns schwer zu kommentieren.“

    Klar sei aber: Es gab ein flächendeckendes, systematisches Betrugssystem. Dies werde von keiner Seite bestritten, auch nicht von der russischen. Dass entsprechende Konsequenzen gezogen und Sanktionen verhängt worden seien, finde der DSV als Verband richtig. Die Lösung, nicht alle zu sperren, sondern individuell eine Prüfung durchzuführen, sei grundsätzlich der richtige Ansatz gewesen.

    „Dass jetzt zehn Tage vor Olympia solche Entscheidungen, die im Einzelfall auch sicherlich Härtefälle sind, bekannt werden – da kann ich mir vorstellen, dass das sehr schwer verdauliche Kost ist, die der IOC da präsentiert. Umso wichtiger wäre es, wenn man jetzt ganz konkret belastbare Beweise und Fakten auf dem Tisch hätte.“

    Schwarzbach geht davon aus, dass es für den russischen Verband noch Möglichkeiten gibt, gegen die Entscheidung des IOC vorzugehen, beispielsweise über den Internationalen Sportgerichthof CAS. Dass die verbleibende Zeit bis zu den Spielen in Pyeongchang dafür aber ausreicht, bezweifelt der DSV-Sprecher.

    Olympia-Aus des russischen Top-Biathleten Shipulin kam überraschend

    Dass unter den nicht zu Olympia eingeladenen Sportlern auch der russische Biathlon-Star Anton Shipulin sein würde, habe er nicht erwartet, räumt Schwarzbach ein.

    „Wir waren insofern ein bisschen überrascht, weil es erstmal hieß, dass von den aktiven Biathleten, die im Weltcup unterwegs sind, keiner betroffen ist. Die Informationen habe ich von Ricco Groß bekommen, mit dem wir immer mal wieder in Kontakt sind. Aber in dem gesamten Skandal überrascht mich eigentlich mittlerweile gar nichts mehr.“

    Auch wenn Shipulin möglicherweise unschuldig von den Spielen ausgeschlossen wurde, dürfe man nicht den Eindruck haben, dass hier die gesamte russische Nation an den Pranger gestellt werde.

    „Es geht darum, dass wir wieder zu einem Spitzensport kommen, wo Vertrauen untereinander herrscht und sich möglichst alle Parteien an die Regeln halten. Dass es ein hehres Ziel ist, ist mir klar – da ist der Sport genauso gut oder schlecht, wie der Rest der Gesellschaft. Aber es ist natürlich in einem so konkret nachweisbaren Fall schwierig, wenn sich bestimmte Bereiche gar nicht an die Regularien halten. Dass es Einzelfälle gibt, die unter Umständen unschuldig von diesen Sanktionen tangiert werden, ist auch klar. Insofern waren wir als Verband gegen eine generelle Strafe, die alle Sportler und Trainer ohne individuelle Prüfung betroffen hätte.“

    „Jeder Athlet, der unschuldig zuhause sitzt, ist ein Athlet zu viel“

    Schwarzbach betont, dass die Sportler im DSV-Lager sich keinesfalls darüber freuen, Konkurrenten wie Shipulin losgeworden zu sein. „Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Athlet des DSV gibt, der zuhause sitzt und sich freut: Mensch, da steigen meine Medaillenchancen!“

    Vielmehr würden die deutschen Biathleten mit den russischen Kollegen mitfühlen, mit denen sie teilweise langjährige Freundschaften verbinden.

    „Es gibt natürlich freundschaftliche Beziehungen, die über die Jahre gewachsen sind. Als Athlet fühlt man anders mit, wenn man jemanden über 10, 15 Jahre über die verschiedenen Rennserien begleitet hat. Es ist nicht so, dass man nicht miteinander spricht oder die Russen ganz argwöhnisch betrachtet. Natürlich fühlt man da mit. Und wenn es wirklich einen Athleten gibt, der unschuldig ist und zuhause sitzen muss, dann ist das ein Athlet zu viel.“

    Bericht: Armin Siebert und Ilona Pfeffer

    Das komplette Interview mit Stefan Schwarzbach zum Nachhören:

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    Tags:
    Sport, Doping, Sperrung, Sportler, Olympia, Sperre, Verbot, Teilnahme, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, Der Internationale Skiverband FIS, DSV, IOC, Anton Schipulin, Stefan Schwarzbach, Ricco Groß, Pyeongchang, Südkorea, Russland, Deutschland