00:12 26 April 2018
SNA Radio
    Picture of the logo of World Anti-Doping Agency (WADA)taken on September 20, 2016 at the headquarter of the organisation in Montreal.

    Bewusst verschwiegen? Überraschende Studie zum Doping bei Spitzensportlern

    © AFP 2018 / Marc BRAIBANT
    Sport
    Zum Kurzlink
    0 11170

    Eine Studie für das Fachmagazin „Science Medicine“ zeigt, wie sehr Doping im Weltsport verbreitet ist: Forscher befragten dafür mehr als 2000 führender Sportler, die an internationalen Wettbewerben teilgenommen haben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die die Studie finanzierte, soll das überraschende Ergebnis lange Zeit verschwiegen haben.

    Die Studie wurde in der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Forscher befragten demnach insgesamt 2167 Teilnehmer zweier sportlicher Großveranstaltungen: der Leichtathletik-Weltmeisterschaft des Weltleichtathletikverbands IAAF im südkoreanischen Daegu 2011 und der 12. Panarabischen Spiele in der katarischen Hauptstadt Doha im selben Jahr.

    Bei der Umfrage wurde die sogenannte Randomized-Response-Technik angewandt – eine Methode der Psychologie, bestimmte Verfälschungen von Interviewantworten zu verringern. Die Technik bietet eine Möglichkeit, durch Anonymisierung das wahre Ergebnis der Befragung zu schätzen.

    Die Sportler mussten im Laufe einer Computer-Befragung unter anderem angeben, ob sie in den letzten zwölf Monaten die Dopingregeln bewusst verletzt hatten.

    Das Ergebnis der Umfrage war laut „Science Medicine“ beeindruckend: 43,6 Prozent der Teilnehmer der Leichtathletik-WM in Südkorea und 57,1 Prozent der Teilnehmer der Panarabischen Spiele gaben an, innerhalb der letzten zwölf Monate gedopt zu haben.

    Mehr zum Thema: Eisschnellläuferin: „Wada-Whistleblower erhob Doping-Vorwürfe wegen meiner Wangen“

    Die Forscher sind zu dem Schluss gekommen, dass Doping unter führenden Athleten überraschend verbreitet sei. Außerdem sind die heutigen Dopingtests laut dem Magazin bei den modernsten Doping-Technologien höchstwahrscheinlich nicht effektiv. Daher bleibe die reale Zahl der Dopingfälle unbekannt.

    Denn die Wada untersuche ja Hunderttausende Proben von führenden Sportlern jährlich. Nur ein bis zwei Prozent von ihnen würden positiv getestet.

    Einer der beteiligten Forscher, Professor Jay Schaffer von der University of Northern Colorado, zeigte sich über das Ergebnis der Studie überrascht:. Er habe derart hohe Zahlen nicht erwartet. Er könne die Situation nur als „Epidemie“ bezeichnen. „Das heißt, dass die Hälfte der Teilnehmer internationaler Leichtathletik-Wettkämpfe Dopingmittel einnimmt.“

    Nach Angaben des Fernsehsenders RT wurden diese Angaben erst mehrere Jahre nach der Durchführung der eigentlichen Studie veröffentlicht. Unklar sei deshalb, warum die IAAF und Wada sie der Öffentlichkeit so lange vorenthalten hätten. Stattdessen nahmen internationale Anti-Doping-Behörden nur Russland ins Visier, als 2014 der Film des ARD-Experten Hajo Seppelt über Doping in der Leichtathletik erschienen war.

    Zum Thema:

    Wusste Putin über Doping Bescheid? Kreml weist auf Rodtschenkows Haltlosigkeit hin
    „Zweifellos“: Dopingskandal hat politischen Hintergrund – Putin
    „Wenn nicht Doping, dann hat Putin irgendwo Wahlen manipuliert“ – deutscher Sportler
    Tags:
    Doping, IAAF, Welt-Antidoping-Agentur (WADA), Russland