06:50 27 April 2018
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    Rechtsaußen des FC Bundestag „nicht betrübt“ über Ablehnung von AfD-Kickern

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    Einfach mal die Politik – Politik sein lassen: Beim traditionsreichen FC Bundestag zeigen sich die Abgeordneten von ihrer sportlichen Seite und halten fraktionsübergreifend als Mannschaft zusammen. Die Aufnahmeanträge von AfD-Kickern haben die Parlaments-Elf nun aber vor neue Herausforderungen gestellt.

    Als Neuling im Bundestag eckt die AfD bei vielen Fragen an. Doch nicht immer muss es dabei um Politik gehen. Wie vergangenen Mittwoch bekannt wurde, sind vier der sieben Anträge von AfD-Abgeordneten, die dem parlamentseigenen Fußballklub beitreten wollten, abgelehnt worden. Daraufhin verkündete die AfD, sie werde eine eigene Bundestagsmannschaft gründen. Gegenüber dem Spiegel sagte Hansjörg Müller, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD: 

    „Die AfD-Kicker werden dem FC Bundestag geschlossen fernbleiben und stattdessen eine eigene Parlamentsfußballmannschaft gründen. Wir gründen unseren Verein auf den Werten Sportsgeist und Toleranz, gegen Hass und Ausgrenzung, wie wir es vom FC Bundestag kennengelernt haben.“ Abgeordneten anderer Fraktionen stünde es frei, dem Alternativen FC Bundestag beizutreten.

    Tradition seit 57 Jahren

    Mit einem 5:3 Sieg gegen eine Prominenten-Mannschaft begann 1961 die Geschichte des Parlamentarier-Fußballs im Bundestag. Sechs Jahre später wurde es offiziell: 1967 gründete der SPD-Abgeordnete Dr. Adolf Müller-Emmert den FC Bundestag. Das Kicken für Parlamentarier fand auch auf europäischer Ebene Anklang, sodass 1971 im schweizerischen Altstätten das erste Länderspiel stattfand. 

    Auch heute noch wird beim FC Bundestag fleißig und fraktionsübergreifend gekickt. Pro Saison kommen so etwa ein Dutzend Spiele zusammen. 

    Die deutschen Parlamentskicker vom FC Bundestag
    © Foto : Studio Kohlmeier
    Die deutschen Parlamentskicker vom FC Bundestag

    André Hahn, Sprecher der Linken im Sportausschuss, ist seit Frühjahr 2014 dabei. Zuvor hat der sportbegeisterte Politiker zwanzig Jahre in der Parlamentsmannschaft des Sächsischen Landtags gespielt und ist dort Mannschaftskapitän und Torschützenkönig gewesen, erzählt Hahn im Sputnik-Gespräch. Überhaupt tue es Politikern gut, sich auch mal zu bewegen und nicht nur Sitzungen abzuhalten. Welche Position er spiele?

     „Da ich beidbeinig schießen kann, bin ich flexibel einsetzbar. Aber kurioserweise spiele ich häufig auch auf Rechtsaußen.“

    Länderspiele seien für ihn immer etwas ganz Besonderes, das Highlight in der Saison 2017 sei aber das Spiel gegen die Mannschaft der Knesset gewesen, so Hahn.

    „Natürlich war im vergangenen Jahr auch ein Spiel gegen die Knesset in Israel wirklich herausragend, denn so etwas hat es in der Form noch nie gegeben. Und das ist gerade, wenn man über die Geschichte redet und die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, auch ein Teil dessen, das man über den Sport zur Völkerverständigung beitragen kann.“

    Fraktionsübergreifende Kameradschaft, aber kein Zutritt für AfD-Hooligans

    Im Moment sei er der einzige Linke in der Bundestags-Elf, daher könne er sich nicht aussuchen, ob er lieber einen Fraktionskollegen statt eines Mitspielers aus einer anderen Partei anspiele. Das dürfe beim Fußball aber sowieso keine Rolle spielen, erklärt der Rechtsaußen des FC Bundestag.

    „Wir sind auf dem Platz. Wir wollen natürlich, da wir alle ein Stück weit ehrgeizig sind, auch gern gewinnen oder wenigstens möglichst viele Tore schießen. Und das funktioniert nur gemeinsam. Und das, was in der Kabine besprochen wird, bleibt auch in der Kabine, das ist auch richtig so. Da hat es in der Vergangenheit keine Probleme gegeben.“ 

    FC Bundestag um Kapitän Marcus Weinberg (CDU) in Aktion
    © Foto : Maximilian König
    FC Bundestag um Kapitän Marcus Weinberg (CDU) in Aktion

    Mit der AfD sei nun aber nicht nur ein neuer Mitspieler auf dem politischen Parkett dazugekommen, sondern auch potentielle Mitspieler im FC Bundestag. Sieben Anträge zur Aufnahme in die Mannschaft sollen von der AfD eingegangen sein. Nur drei davon wurden bewilligt. Geht die fraktionsübergreifende sportliche Akzeptanz beim FC Bundestag also doch nicht so weit?

    „Da hat es dann Prüfungen gegeben. Es gibt dort auch Leute, die wegen Gewaltdelikten auf Fußballplätzen vorbestraft sind. So jemand ist natürlich kein Aushängeschild für den FC Bundestag. Deshalb hat es da auch differenzierte Positionierungen gegeben, nämlich wen man da aufnimmt oder aufnehmen kann und wen nicht. Wir haben auch eine Satzung als Verein, welchen Dingen wir uns verpflichtet fühlen, und da lassen sich manche Dinge nicht vereinbaren. Von daher hat es auch Entscheidungen gegeben, dass Aufnahmeanträge abgelehnt worden sind durch die Mitgliederversammlung.“

    Gemeint ist nach Berichten der „Welt“ vor allem der AfD-Abgeordnete Sebastian Münzenmaier, der vom Amtsgericht Mainz 2017 wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. Dies soll sich bei einem Angriff von Hooligans des 1. FC Kaiserslautern auf Fans von Mainz 05 ereignet haben. Münzenmaier bestreitet den Vorfall und hat Berufung eingelegt.

    Die Ankündigung der AfD, eine eigene Bundestagsmannschaft zu gründen, nimmt André Hahn gelassen. 

    „Dann sollen sie das tun. Ich bin darüber nicht betrübt. Das hätte die Situation im FC Bundestag auch verschärft, wenn dort die AfD noch dabei gewesen wäre.“ 

    André Hahn und Christoph Daum gemeinsam auf dem Platz
    © Foto : André Hahn
    André Hahn und Christoph Daum gemeinsam auf dem Platz

    WM-Saison 2018

    Welche Spiele der FC Bundestag in diesem Jahr bestreiten wird, stehe noch nicht fest, denn der Spielplan sei noch nicht beschlossen worden. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland sei aber etwas, auf das sich die Parlaments-Kicker bereits freuen.

    „Fußball-interessiert sind natürlich alle, die dort auch mitspielen und werden das intensiv verfolgen. Aber wir haben jetzt noch keine besonderen Spiele auf dem Plan, die in diesem Jahr stattfinden, und deshalb glaube ich aber trotzdem, dass sich alle auf die Weltmeisterschaft freuen und natürlich dann auch die Daumen für die Mannschaft drücken, die bei der letzten Weltmeisterschaft zum Erfolg gekommen ist, und jeder freut sich natürlich, wenn das eigene Land erfolgreich ist. Ich war ja selbst beim Confed Cup in Sankt Petersburg, da sind sehr schöne Stadien entstanden. Das wird bestimmt eine interessante und hoffentlich auch spannende Weltmeisterschaft.“

    Bericht: Ilona Pfeffer

    Das Interview mit André Hahn zum Nachhören:

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