08:09 16 November 2018
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    Olympia: freigesprochen, aber noch nicht zugelassen

    Olympia: freigesprochen, aber noch nicht zugelassen - Juristin

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    Die positive CAS-Entscheidung zu den russischen Sportlern berechtigt sie laut Anna Kozmenko von der zweitgrößten Wirtschaftsanwaltskanzlei der Schweiz, Schellenberg Wittmer, nicht automatisch zur Teilnahme an den Olympischen Spielen. Die Anwältin vertritt die Interessen der russischen Olympioniken am Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne.

    Im Interview mit dem Sputnik-Korrespondenten Nikolaj Jolkin sagte sie: „Wir arbeiten daran und werden alles Mögliche tun, damit diese 28 Sportler doch zu den Olympischen Spielen kommen dürfen.

    Denn dem Internationalen Olympischen Komitee fehlen jetzt die Gründe für die Verweigerung einer Einladung dieser Athleten. Theoretisch kann das IOC das CAS-Urteil beim Schweizer Bundesgericht aber noch anfechten.“ Ob es dazu kommen werde, konnte die Juristin nicht sagen. „Jedenfalls müssen wir fürs Erste die Entscheidungsgründe des Gerichts lesen, auf die wir noch warten.

    Der Gerichtshof hat kein konkretes Datum dafür bekanntgegeben.“

    „Das IOC wird natürlich wieder nach eigenem Ermessen bestimmen, wen es einlädt und wenn nicht. Es bleibt zweifelhaft, ob es die Teilnahme jener Sportler, gegen die es lebenslange Olympia-Sperren verhängen wollte, an den jetzigen Olympischen Winterspielen zulassen wird. Es war ja das IOC, das die Athleten monatelang in Atem gehalten hat. Viele von ihnen sprachen in diesem Zusammenhang von einer kolossalen psychischen Belastung. Besonders die Anhörung durch die Oswald-Kommission soll für sie belastend gewesen sein.“ Die Juristin sprach in diesem Zusammenhang von einer Farce.

    „Die Sportler wurden dadurch natürlich entmutigt, sodass sich einige an der Teilnahme an einer solchen Olympiade weigern. Dennoch ist es wichtig, dass sie als saubere Sportler ihre verdienten Olympiamedaillen von Sotschi behalten dürfen.

    Enttäuschung beim IOC

    Das IOC war selbstverständlich enttäuscht, als die Anwälte der russischen Sportler den Prozess gewonnen hatten. Sie hatten in dem Verfahren bewiesen, dass die IOC-Sanktionen gegen sie absurd und ungerecht waren. Der Gerichtshof erklärte die Annahme für haltlos, wonach, wie in den IOC-Berichten dargestellt, in Russland ein staatliches System der Doping-Manipulation existieren würde. Das Gericht überprüfte die Tatsachen und nicht die Mutmaßungen.“

    Anna Kozmenko kommentiert weiter: „Unsere Position hat immer darin bestanden, dass diese Sportler sich keiner Verletzung der Dopingregeln schuldig gemacht hatten. Die Oswald-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees hat keinen Gegenbeweis erbringen können. Alles, was sie einholen konnte, reichte nach Meinung des Gerichtshofes nicht aus, um die Sportler eines Verstoßes gegen die Dopingregeln anzuklagen. Das Gericht untersuchte den Rechtsfall jedes Sportlers, wertete die Fakten aus und kam zu dieser Schlussfolgerung.“

    Richard McLaren, Chef der WADA-Kommission, stellt den Bericht in Toronto vor
    © REUTERS / Peter Power
    Richard McLaren, Chef der WADA-Kommission, stellt den Bericht in Toronto vor

    Auf die Frage, ob die Athleten nun eine Klage auf Schadenersatz gegen das IOC und McLaren beim Zivilgericht in der Schweiz und in den USA einreichen würden, woraus ein ansehnlicher Geldbetrag resultieren könnte, antwortete Anna Kozmenko: „Diese Situation ist Schritt für Schritt abzuwickeln. Uns wurde soeben das Gerichtsurteil mitgeteilt. Unsere erstrangige Aufgabe ist jetzt, dass die Sportler trotz allem zu den Spielen zugelassen werden.“

    Erst danach würden sie sich weitere Möglichkeiten zur Fortsetzung von Rechtshandlungen gegen das IOC und gegen weitere Personen überlegen, meinte die Juristin. „Jeder erwartet, dass doch alle von den 28 freigesprochenen Athleten, die ihre Teilnahme an der Olympia geplant haben, dorthin kommen können. Und dies möchten wir den Sportlern auch wünschen!“

     

    Nikolaj Jolkin

    Das komplette Interview mit Anna Kozmenko zum Nachhören:

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    Tags:
    Dopingregeln, Doping-Manipulation, Doping-Probe, Doping, Olympia-Sperre, Olympiamedaillen, Sportler, Olympiade, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, Wirtschaftsanwaltskanzlei Schellenberg Wittmer, Oswald-Kommission, Welt-Antidoping-Agentur (WADA), Internationaler Sportgerichtshof CAS, IOC, Schweizer Bundesgericht, Richard McLaren, Anna Kozmenko, Nikolaj Jolkin, USA, Lausanne, Schweiz, Sotschi, Pyeongchang, Südkorea, Russland