20:34 20 Februar 2018
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    WADA-Labor mit Doping-Tests (Archiv)

    Neue Doping-Berichte: Hunderte westliche Sportler unter Betrugsverdacht

    © REUTERS/ Christinne Muschi
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    Die Berichte um das angeblich systematische Doping unter russischen Sportlern haben hohe Wellen geschlagen, aufwendige Ermittlungen laufen an. Neue Erkenntnisse zeigen allerdings, dass etwa im Ski-Langlauf deutlich mehr westliche Sportler unter Doping-Verdacht stehen, jedoch trotzdem ungestört auftreten dürfen. Der mediale Aufschrei bleibt aus.

    Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“, das sich auf eine Untersuchung des Recherchenetzwerks aus der ARD-Dopingredaktion, der britischen "Sunday Times", des schwedischen Senders SVT und des Online-Magazins "republik.ch" bezieht, gerieten bei Olympia und Weltmeisterschaften im Ski-Langlauf zwischen 2001 und 2017 Hunderte Sportler und Medaillengewinner unter Doping-Verdacht.

    313 Medaillen seien an Ski-Langläufer mit „verdächtigen oder sehr verdächtigen“ Blutwerten vergeben worden, 91 dieser Medaillen seien Goldmedaillen gewesen.

    Damit wurde fast die Hälfte aller Langlauf-Medaillen in dieser Zeit von Sportlern mit auffälligen Dopingtest-Ergebnissen gewonnen, dennoch sind mehr als 50 dieser Athleten auch für die Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang qualifiziert.

    „Es gibt eine beachtliche Zahl von Medaillengewinnern mit ungewöhnlichen oder höchst ungewöhnlichen Blutprofilen“, zitiert das Blatt den amerikanischen Mediziner James Stray-Gunderson, der früher mit dem Internationalen Skiverband (FIS) zusammengearbeitet hatte.

     

    >>>Neues zum Thema: Berichte über Hunderte gedopte Ski-Langläufer: FIS wehrt sich und dementiert<<<

     

    Das alles weise klar auf die „beachtliche Verbreitung von Doping im Skilanglauf“, denn bei dem überwiegenden Teil der auffälligen Proben käme keine andere Erklärung als Doping in Betracht.

    Doppelmoral der Sportwelt

    Doch wo bleiben der Aufschrei der Sport- und Medienwelt und die imposant inszenierten Untersuchungen der WADA gegen die Sportler?

    Diese bleiben in der Tat aus. Kein Wunder: Denn auf der Grundlage dieser Berichte müssten die Untersuchungen vor allem westliche Sportler treffen.

    Von den 313 Medaillen, die Sportler mit anormalen Blutwerten gewonnen hätten, seien nämlich zwar 60 nach Russland vergeben worden, allein Norwegen, Deutschland, Schweden und Italien kämen aber auf mehr als 100 dieser „anormalen“ Medaillengewinne.

    Auch die restlichen Medaillengewinner mit verdächtigen Blutwerten stammen hauptsächlich aus westlichen Ländern.

    Der Großteil der mutmaßlichen Dopingsünder stammt somit keineswegs aus Russland, sondern vor allem aus dem Westen, der sich gerne als der Vorkämpfer gegen das Doping inszeniert.

    Die Doppelmoral im Umgang mit diesem Problem liegt auf der Hand:

    Während die internationalen Sportgremien eine Sanktion nach der anderen gegen den russischen Olympischen Sport und nachweislich auch gegen „saubere Athleten“ verhängen, bleiben Untersuchungen und Strafmaßnahmen gegen westliche Sportler aus.

    Deutsche Institutionen versuchen unterdessen die Berichte zu relativieren. Laut „Spiegel“ wollte der Deutsche Olympische Sportbund zunächst keine Stellungnahme zu den Berichten abgeben.

    "Wir brauchen noch mehr Informationen", zitiert das Blatt die DOSB-Sprecherin Ulrike Spitz.

    Die „Sportschau“ merkt in ihrem Bericht nur kurz am Ende an:

    „Die größte Anzahl an Athleten mit verdächtigen Werten stammt aus Russland. Doch andere erfolgreiche Skilanglaufnationen sind ebenso vertreten: Medaillengewinner aus Norwegen mit auffälligen Werten. Ebenso Stars aus Schweden, aus Österreich, aus Deutschland.“

    /NG/GS

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    Tags:
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