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    Vorbereitungen zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang

    Swetlana Schurowa: „Lebenslange Disqualifizierung wie lebenslange Haftstrafe“

    © AP Photo / Charlie Riedel
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    Natalia Pawlowa
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    Die Olympiasiegerin im Eisschnelllauf Swetlana Schurowa äußerte in einem Sputnik-Gespräch ihre Sicht auf die Haltung des IOC nach der Aufhebung der lebenslangen Olympia-Sperren für russische Sportler durch das CAS.

    Dass das IOC eine Einladung von 13 freigesprochenen russischen Sportlern und zwei Trainern zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang abgelehnt hat, war für viele russische Athleten zu erwarten. Zunächst freuten sie sich über die faire Entscheidung des Schiedsgerichtshofes in Lausanne.

    „Der CAS hatte die Beweisführung unzureichend gefunden, um solche verhängnisvollen Entscheidungen zu fällen. Eine lebenslange Disqualifizierung ist doch für einen Sportler wie eine lebenslange Haftstrafe. Das muss man verstehen. Ein Gericht, das eine solche Entscheidung trifft, darf sich nicht auf Aussagen einer einzigen Person verlassen. Im Gegensatz zur McLaren-Kommission befragte das CAS alle Athleten, und ihre Aussagen unterschieden sich stark von den Aussagen des Kronzeugen Grigori Rodtschenkow. Darüber hinaus machte Rodschenkow selbst vor Gericht andere Aussagen, die sich von seinen früheren Zeugnissen unterschieden. Angesichts dieser Details konnte das Gericht keine andere Entscheidung als einen Freispruch fällen“, so Schurowa.

    Das Urteil des Gerichts reichte dem IOC jedoch nicht aus, um die russischen Athleten zuzulassen.

    „Die Sache ist, dass das IOC in eine sehr peinliche Lage geraten ist. Der Prozess ist weltweit bekannt geworden, und jetzt ist es ohne Zweifel sehr schwer, die Lücken zuzugeben.“

    Es sei selbstverständlich, nicht nur über eine CAS-Reform nachzudenken, wie der IOC-Präsident Thomas Bach vorgeschlagen hat, sondern  auch über die Reformierung der WADA sowie des IOC. Die Sportler seien nicht daran schuld, dass die Gerichtsverhandlungen in die Länge gezogen worden seien, ist der Sportjournalist Alexei Ossin sich sicher.

    „Im Ergebnis der enormen Bemühungen einer Vielzahl von Kommissionen sind Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln lediglich bei elf Athleten festgestellt worden. Das sind zwei Prozent der russischen Mannschaft in Sotschi. Aus diesem Grund wurde eine beispiellose Welle gegen Russland ausgelöst. Das war eigentlich das Ziel. Die WADA hat sich völlig diskreditiert. Sie war nicht in der Lage, Kontakte zu Unternehmen aufzubauen, die Urin-Probenflaschen herstellen können, die sich nicht leicht öffnen lassen. Sie hat die Dopingkontrolle in Rio de Janeiro und in Sotschi zum Scheitern gebracht, ebenso wie in Pyeongchang, obwohl die Olympischen Spiele noch nicht gestartet sind. Und diese Leute entscheiden wie Inquisitoren, wen sie bestrafen und wen sie begnadigen.“

    Laut Nikolai Jaremenko, Chefredakteur einer Sport-Zeitung, ist die Hauptsache, dass russische Athleten bei den Winterspielen starten werden.

    Nun sind 169 Athleten zu den Olympischen Spielen zugelassen, früher waren es etwas mehr als 200. Die Zahl sei nun fast voll.

    „Wir durften gehen, ohne Flagge und ohne Hymne, aber das sind Nuancen. Das Wort Russland wurde nirgends gestrichen, wie es in anderen Ländern der Fall war. Wenn wir an das Jahr 1980 denken, trat der jetzige Leiter des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF), Sebastian Coe aus Großbritannien, damals in Moskau unter der olympischen Flagge an und gewann Gold im 1500-Meter-Lauf. Jahre sind vergangen, und im Protokoll steht „Coe (Großbritannien)“ geschrieben. Über unsere Gewinner in Pyeongchang werden wir wissen, dass sie aus Russland kommen. Das Wort Russland wird nirgends weggestrichen werden. Unter anderem in Zeitungen wird das Wort Russland in der inoffiziellen Gesamt-Mannschaftswertung erscheinen.“

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    Tags:
    Disqualifizierung, Aufhebung, Doping, IOC, WADA, Swetlana Schurowa, Grigori Rodtschenkow, Russland