05:18 26 September 2018
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    Russische Eiskunstläuferin Alina Sagitowa bei der Einzelkür im Olympia-Teamwettbewerb

    Nach russischem Sieg: „Spiegel“ fordert Ausschluss von Eiskunstlauf bei Olympia

    © Sputnik / Alexander Wilf
    Sport
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    Die russischen Eiskunstläuferinnen Alina Sagitowa und Jewgenija Medwedewa haben bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang einen herausragenden Doppelerfolg gefeiert: Im Wettbewerb für die russischen Sportler haben sie Gold und Silber geholt. Vertreter deutscher Leitmedien äußerten dagegen ausgerechnet nach dieser herausragenden Leistung nur Spott.

    Die russische Sportlerdelegation kann bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang einen herausragenden Doppelerfolg feiern.

    In einer der sehenswürdigsten Sportarten der Winterspiele – dem Eiskunstlauf der Frauen – haben die jungen Russinnen Alina und Jewgenija Gold und Silber unter sich aufgeteilt.

    Ihre Läufe waren aus sportlicher Sicht beeindruckend – auch internationale Sportkommentatoren gaben dies zu.

    Die größten Nachrichtenportale der Welt platzierten die Meldungen über den Sieg der Russinnen nach oben – über einen „kometenhaften Aufstieg zu dem olympischen Titel“ von Sagitowa sprach etwa „The Guardian“.

    „Sagitowa wurde die zweitjüngste Eiskunstläuferin der Frauen, die olympisches Gold mit einem Programm von klugem Design, bemerkenswerter Ausdauer, präzisem Springen und einer Unvermeidbarkeit gewann, die von ihrer jugendlichen Gewissheit kommt“, schrieb die New York Times.

    Einer der größten US-Sportsender der USA, ESPN, platzierte die Meldung über den russischen Doppelerfolg gleich in die Top-3 Nachrichten.

    Und was tun die deutschen Leitmedien?

    Doch während die beiden jungen Sportlerinnen im Alter von 15 (!) und 18 Jahren ganz Russland sowie selbst amerikanische Sportblätter begeisterten, fanden Vertreter deutscher Leitmedien andere Worte. Sie schwadronierten darüber, dass das Eiskunstlaufen eigentliche keine richtige Sportart sei.

    „Eiskunstlauf bei Olympia – das ist Kunst, das kann weg! Warum Eiskunstlauf bei Olympischen Spielen nichts verloren hat“, so der Titel des Kommentars im „Spiegel“.

     

    Screenshot aus dem entsprechenden "Spiegel"-Artikel: An schlechtem Timing kaum zu überbieten

    Der Neid der Leitmedien: Spiegel schwadroniert über Ausschluss von Eiskunstlauf aus Olympischen Spielen - just nach dem Sieg russischer Sportlerinnen
    © Foto : Screenshot
    Der Neid der Leitmedien: "Spiegel" schwadroniert über Ausschluss von Eiskunstlauf aus Olympischen Spielen - just nach dem Sieg russischer Sportlerinnen
    Nur zwei Stunden nach dem Erfolg der jungen Russinnen veröffentlichte also der „Spiegel“ erst einmal einen Kommentar, in dem der Autor den Ausschluss der Sportart von den Olympischen Spielen fordert – eine Forderung, die an Lächerlichkeit und schlechtem Timing kaum zu überbieten ist.

    Das Eiskunstlaufen mag sich für Laien vor allem mit schönen Kleidern assoziieren. Wer aber schon einmal selbst auf dem Eis stand und sich um etwas mehr bemühte, als einfach nur geradeaus zu fahren, weiß, wie athletisch das Schlittschuhfahren an sich ist.

    Das Eiskunstlaufen dagegen ist mit seinen schnellen Geschwindigkeiten, Mehrfachsprüngen und schnellen Wendungen wohl eine der athletischsten Sportarten der Winterspiele, die Ausdauer, Kraft, Koordination und Präzision erfordert.

    Nicht zuletzt sieht man das den Eiskunstläufern an, die kurz nach ihren Auftritten nicht weniger nach Luft schnappen als Skilangläufer.

    Der Aufruf von „Spiegel“-Autor Christian Helms, die Sportart auszuschließen, weil es keine Sportart, sondern nur „Kunst“ sei, wo es nur um „Wertungen“ gehe, ist umso irritierender, da es auch Sportarten bei Olympischen Spielen gibt, die ebenfalls eine Kombination aus Athletik und Choreografie erfordern und sich beispielsweise in den Sommerspielen finden lassen: Kunstturnen und Synchronschwimmen etwa.

    Man fragt sich widerwillig, ob Herr Helms auch diese gleich mit rausschmeißen möchte? Oder doch lieber nicht, weil russische Sportlerinnen schließlich heute in diesen Sportarten keine Medaillen geholt haben?

    Ganz andere Stimmung vor einer Woche

    Auch möchten manche sich in dieser Situation an das Eiskunstlauf-Gold des deutschen Paares Aljona Savchenko und Bruno Massot vor einer Woche erinnern.

    „Spiegel“ war – wie auch andere deutsche Medien (und auch vollkommen zu Recht!) – wie „aus dem Häuschen“ über das deutsche Eiskunstlauf-Gold. Ein Artikel nach dem anderen erschien auf diversen Nachrichtenportalen – auch im „Spiegel“ – über den faszinierenden Sieg des deutschen Paares in dieser wunderschönen Sportart.

    An eine Streichung von Eiskunstlaufen aus dem Olympiaprogramm dachte in dem Moment sicherlich kein „Spiegel“-Redakteur.

    Allein der Blick auf die Überschriften lässt die Begeisterung feststellen:

    • „Paarlauf-Gold für Savchenko und Massot – Im Tränenmeer des Glücks“
    • „Deutsches Duo Savchenko und Massot holt Eiskunstlauf-Gold“
    • „Was für ein Drama: Aljona Savchenko und Bruno Massot hatten nach dem Kurzprogramm eigentlich nur noch Außenseiterchancen. Doch dank eines Weltrekordlaufs holte das deutsche Paar doch noch den Olympiasieg.“

    Begeistert berichtete „Spiegel“ über „das erste olympische Paarlauf-Gold für Deutschland seit 66 Jahren“.

    Vor einer Woche also Begeisterung für Eiskunstlauf, und heute auf einmal die Anzweiflung, ob es überhaupt „Sport“ sei?

    Vor einer Woche ein deutsches Paar, heute zwei junge russische Sportlerinnen?

    Ein Zufall? Wohl kaum, eher Doppelmoral – nun auch im Sport.

    Solch eine kuriose Forderung nur zwei Stunden nach dem weltweit beachteten Erfolg russischer Athleten lässt nämlich an eine gezielte Kampagne denken.

    Wäre der gleiche „Spiegel“-Artikel erschienen, wenn nicht zwei Russinnen, sondern zwei Deutsche oder zwei Amerikanerinnen auf dem Siegertreppchen stehen würden?

    Eher nicht.

    N. Gerassimow

     

     

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    Tags:
    Doppelerfolg, Silbermedaille, Leitmedien, Olympische Winterspiele, Goldmedaille, Olympische Spiele, Gold, Eiskunstlauf, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, Spiegel Online, ESPN, The Guardian, Der Spiegel, New York Times, Bruno Massot, Christian Helms, Alina Sagitowa, Aljona Savchenko, Jewgenija Medwedewa, Deutschland, USA, Russland