05:07 26 September 2018
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    Russische Fans während Eishockey-Olympia-Finale

    Russland runter, Norwegen hoch – Gegensätze von Olympia

    © AP Photo / Jae C. Hong
    Sport
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    33 Teilnehmer an der Friedensfahrt nach Lausanne, die hauptsächlich aus Deutschland und teilweise aus der Schweiz stammen, haben eine Petition mit der Forderung nach Fair Play für russische Sportler mit 9200 Unterschriften dem IOC und CAS übergeben.

    „Der weiteste kam sogar von der Nordsee, andere aus Sachsen und dem Rheinland“, sagte Rainer Rothfuß, Vorsitzender des Druschba Global e.V. im Interview mit dem Sputnik-Korrespondenten Nikolaj Jolkin. „Es ist alles friedlich gelaufen, in bester Tradition unserer Druschba-Fahrten, mit denen wir die Völkerfreundschaft mit Russland fördern wollen. Wir hatten gedacht, warum sollen wir nur in Richtung Russland fahren, wenn jetzt Russland als das Land betrachtet werden kann, das internationalem Mobbing ausgesetzt ist, seitens der Medien und der großen Politik, vor allem in den USA, aber auch in der EU, und jetzt auch noch verstärkt im Sportbereich.“

    Rothfuß fuhr fort: „Wir wollten zeigen, dass wir diesem Land beistehen und ihm signalisieren: Wir sind für Fairness, für Völkerfreundschaft, die keine nationalen Grenzen kennt. Deswegen haben wir gesagt, fahren wir jetzt einfach in die Schweiz und schicken die Unterschriften nicht per Post, sondern machen wir uns selber auf den Weg und setzen unseren Willen durch. Denn wir wissen ja, dass allein das kritische Berichten in Medien über diese Missstände, die sich bei der Olympischen Bewegung eingeschlichen haben, nicht ausreicht.“

    Der Mitinitiator der Aktion erinnert an die einseitige und fokussierte Bestrafung Russlands im Jahre 2016, wo alle Sportler mit Einschränkungen „bei der paraolympischen Olympiade nicht teilnehmen durften. Das ist ein Skandal, dass eine ganze Nation ohne Nachweis der Schuld gegenüber einzelnen Sportlern ausgeschlossen wird.“

    Der Aktivist ist sich sicher, dass man direkt nach Lausanne fahren und laut werden müsse, um dort die Proteste sichtbar zu machen. Er ist sich sicher, dass „das direkt vom IOC-Präsidenten und CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb wahrgenommen wurde. Von ihm zumindest haben wir ein E-Mail aus Südkorea bekommen, dass er selbst die Unterschriften nicht entgegennehmen kann.“

    Dass jemand gegen sie demonstriert, sei für das IOC und den CAS ein absolutes Novum, vermutet Rothfuß. „Die olympische Bewegung ist in der Vergangenheit mit der Förderung der Völkerfreundschaft im Sport assoziiert worden. Und jetzt ist ein recht zweifelhaftes ungutes Licht auf diese olympische Bewegung gefallen.“

    Der Aktivist findet es katastrophal, dass auch die Werbeträger, die Medien, die zwei Milliarden für die Winterspiele in Pyeongchang hineingesteckt haben, Einfluss genommen haben, um die Russen an den Rand zu drängen.

    Rainer Rothfuß freute sich natürlich, dass Deutschland den zweiten Platz in der Olympia-Gesamtwertung belegte. Aber „bleibt natürlich immer dieser bittere Beigeschmack, wie hätte es ausgesehen, wenn die russische Konkurrenz zugelassen worden wäre. Es gab freigesprochene Sportler, wo der CAS, der Internationale Sportgerichtshof, ganz klar festgestellt hat, es liegen keine Verstöße vor, die nachweisbar sind. Und sie wurden trotzdem nicht vom IOC eingeladen.“

    Er stellt die Frage: „Wer hat da auf das IOC Druck ausgeübt? Denn es gibt keinen offensichtlichen Grund, warum man diese Sportler nicht hätte einladen sollen. Und wie viele Medaillen hätten wir und Norwegen bekommen, wenn die Russen als eine der stärksten Wintersportnationen dabei gewesen wären? Es ist einfach eine Schande, dass Russland jetzt auf Platz 13 abgeschlagen wurde.“

    Das könne nicht an einem Leistungsabfall liegen, so Rothfuß. „Das kann nicht dadurch erklärt werden, dass Doping weggelassen wurde, sondern dadurch, dass eben die stärksten und erfahrensten Athleten, die schon Goldmedaillen gewonnen hatten, nicht eingeladen wurden, obwohl sie vom CAS freigesprochen wurden. Und dass Norwegen im Medaillenspiegel anführt, hat auch so einen etwas bitteren Beigeschmack. Denn eine schwedische Studie hat festgestellt, dass 70 Prozent aller norwegischen Skiläufer Asthmasprays verwendet haben. Dann ist es ein bisschen bizarr, denn man denkt, man brauche Asthma als Erkrankung, um auf dem Medaillentreppchen landen zu können.“

    Der Aktivist wundert sich, dass sich die Weltdopingagentur überhaupt nicht für die Feststellung interessiert habe, dass Norwegen 6000 Dosen Asthma-Medizin nach Südkorea mitgeführt hat. „Da hat sich wohl niemand darüber aufgeregt.“

    Das komplette Interview mit Rainer Rothfuß zum Nachhören:

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    Tags:
    Vorwürfe, Doping, Petition, Sportler, Druck, Druschba Friedensinitiative, IOC, Russland