09:09 24 Juni 2018
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    Ricco Groß Trainer von den russischen Biathleten in Pyeongchang

    Ricco Groß noch nicht entschieden über seine Zukunft im russischen Team

    © Sputnik / Alexej Filippow
    Sport
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    Ilona Pfeffer
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    Bei Olympia sind den russischen Biathleten Medaillenchancen entgangen. Jetzt wollen sie sich erst mal auf die restlichen Weltcup-Rennen konzentrieren. Was seine eigene Zukunft als Trainer im russischen Team betrifft, sagt Ricco Groß: Im Frühjahr werden wir überlegen, wie es weitergeht und wo umstrukturiert werden muss.

    Die Olympischen Winterspiele 2018 sind Geschichte. Auch die russischen Biathleten sind schon aus Korea zurückgekehrt. Rückblickend sagt Ricco Groß, der deutsche Trainer der russischen Biathlon-Herren: „Die Bedingungen vor Ort waren wirklich klasse, alles hat hervorragend funktioniert.“

    Weniger zufrieden dürfte der vierfache Olympia-Sieger mit den Ergebnissen gewesen sein, die sein stark dezimiertes Team in Pyeongchang erzielen konnte. Keine einzige Olympia-Medaille – nach den Erfolgen in Sotschi 2014 ein schwerer Schlag für Trainer und Sportler.

    „Das IOC hat sich vorbehalten, Athleten einzuladen oder nicht einzuladen. Sehr viele Athleten aus meiner Mannschaft hat es betroffen, weil sie schon mal erfolgreiche Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in Sotschi waren. Offenbar hat sich das IOC dann entschieden, diese erfolgreichen Sportler nicht einzuladen, aus welchen Gründen auch immer. Seitens des IOC ist bis heute noch keine Erklärung erfolgt. Für uns als Mannschaft war es sehr schade, dass in dem Moment große Medaillenchancen aufgrund von Nicht-Einladung nicht aufgehen konnten“, so Groß gegenüber Sputnik.

    Bis zuletzt hatten die vom CAS entlasteten, aber trotzdem nicht zu den Spielen eingeladenen russischen Wintersportler vor dem Ad-hoc-Gericht des CAS versucht, ihre Teilnahme an Olympia juristisch durchzusetzen. Unter den Klägern war auch der Biathlon-Gesamtweltcup-Vierte Anton Schipulin.

    Für die einzigen zu den Spielen zugelassenen russischen Biathleten Anton Babikow und Matwej Jelisejew sei die Situation sehr schwierig gewesen, so der Trainer.

    „In dem Moment kommt eine brutale psychische Anspannung dazu, wenn man es gewohnt ist, als Athlet immer in einer großen Mannschaft zu sein, und dann ist man nur zu zweit da. Da ist es schwierig, sich so umzustellen, um Topleistung bringen zu können.“

    Erstaunlich, dass so viele Norweger Asthma-Mittel brauchen

    Wie zu Beginn der Olympiade bekannt wurde, hatten die norwegischen Teamärzte 6000 Einheiten von Asthma-Medikamenten zu den Spielen mitgebracht. Bei insgesamt rund 100 Athleten eine beachtliche Menge. Auch wenn der große Aufschrei ausblieb und keine Sanktionen gegen norwegische Sportler verhängt wurden, warf dieser Umstand doch Fragen auf, zumal auch die Substanz Salbutamol im Spiel gewesen sein soll, die bei höherer Dosierung als Dopingmittel gilt.

    Ricco Groß will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht an diesbezüglichen Spekulationen beteiligen, schließlich sei er Trainer und kein Mediziner.

    „Aber es ist schon eine erstaunliche Menge für ein Team. Ich kenne es aus meiner aktiven Zeit, dass man ein Attest eines Arztes gebraucht hat, und zwar eines Facharztes. Man musste einen Provokationstest machen. Und wenn es tatsächlich so war, dass man Probleme hatte, dann durfte man das medikamentös behandeln. Das ist aber wohl irgendwann aufgegeben worden.“

    Norwegen hat in Pyeongchang mit insgesamt 39 Medaillen Platz 1 im Medaillenspiegel belegt.

    Olympia ist Geschichte – was kommt als nächstes?

    Ricco Groß und seine Schützlinge wollen sich nun erst mal auf die Weltcup-Wettbewerbe in Kontiolahti, Oslo und Tjumen konzentrieren. Anders als bei den Olympischen Spielen dürfen dort die russischen Biathleten weiterhin normal starten.

    „Wir versuchen jetzt, das Beste daraus zu machen. Die Mannschaft bereitet sich momentan in St. Petersburg vor. Wir wollen für die letzten drei Wochen nochmal richtig Schwung aufnehmen. Damit uns da noch ein paar Sachen gelingen, dass die Athleten sich mit guten Leistungen auch ein Stück weit rehabilitieren können.“

    Groß hofft, dass neben seinem Top-Athleten Anton Schipulin mindestens ein weiterer Biathlet aus dem russischen Team die Saison mit einer Top-15-Platzierung abschließen kann.

    Ob er nach dieser Saison und all den Schwierigkeiten, die er und sein Team haben überstehen müssen, noch Lust und Energie habe, als russischer Herren-Trainer weiter zu machen? Eine eindeutige Antwort gibt Ricco Groß nicht.

    „Mit den Athleten zusammenzuarbeiten macht wahnsinnig viel Spaß, weil sie, genauso wie ich als Trainer, wirklich alles geben. Natürlich wird man sich im Frühjahr zusammensetzen und überlegen: Wie geht es weiter, was muss man umstrukturieren, was muss man anders machen? Aber jetzt konzentrieren wir uns auf die drei Wochen Weltcup und den rein sportlichen Erfolg, und dann schauen wir weiter.“

    Das komplette Interview mit Ricco Groß zum Nachhören:

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    Tags:
    Zukunft, Skandal, Doping, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, CAS, NOK, IOC, Ricco Groß, Norwegen, Südkorea, Russland
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