09:39 21 Oktober 2018
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    DFB-Präsident Reinhard Grindel (l.) und Cheftrainer des Bundesteams Joachim Löw (Archivbild)

    DFB-Chef Reinhard Grindel: „Merkel braucht meinen Ratschlag nicht“ – Fußball-WM 2018

    © AFP 2018 / Christof Stache
    Sport
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    Andreas Peter
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    Russland ist gut vorbereitet auf die Fußball-WM, sagt der russische Botschafter Sergej Netschajew. Die WM von 2006 in Deutschland ist Vorbild, meint WM-Organisationschef Alexej Sorokin. Und DFB-Chef Reinhard Grindel pocht darauf, dass der Sport und die Begegnung der Menschen die WM bestimmen sollen. Ein Fußball-Abend in der Russischen Botschaft.

    Der mondäne Wappensaal der Russischen Botschaft in Sichtweite des Brandenburger Tores in Berlin hat Ausmaße, wie sie in Königsschlössern Standard sind. Dennoch drängen sich Verbandsfunktionäre, Journalisten, Bundestagsabgeordnete und Diplomaten dicht an dicht: Der Organisationschefs der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland, Alexej Sorokin, gibt eine Präsentation zum Vorbereitungsstand des Turniers. Der Andrang war diesmal noch größer als vor zwei Wochen, als Botschafter Sergej Netschajew und DFB-Präsident Reinhard Grindel gemeinsam das Weltmeisterschafts-Fanzentrum im Russischen Haus der Kultur und Wissenschaften in der Berliner Friedrichstraße besuchten.

    Sorokin begrüßt den Saal mit den Worten: „Es tut gut, hier zu sein, in einem Land, das Fußball nicht nur gut spielt, sondern auch organisiert.“ Es ist kein Geheimnis, dass das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft in Russland eng mit dem Deutschen Fußballbund zusammenarbeitet. DFB-Chef Grindel spricht aber nicht deshalb in herzlichen Worten über die kommenden Welt-Fußball-Tage in Russland. Ihm ist es offenbar ein besonderes Anliegen, das nach den Olympischen Spielen wichtigste Sportereignis der Welt so gut wie möglich aus den Turbulenzen der internationalen Tagespolitik herauszuhalten.

    „Fußball kann Brücken bauen“

    Der DFB-Präsident erklärte abermals, dass er die Fußball-WM in Russland als Chance betrachte, eine Begegnung vor allem junger Menschen beider Länder zu organisieren. Er glaubt fest daran, dass Fußball Brücken bauen kann. Er erinnerte daran, dass auch die Fußball-WM in Deutschland die Sicht vieler Menschen auf das Land verändert habe. Und er mahnt, dass Rassismus, Nationalismus und Gewalt im Fußballstadion nichts verloren haben und er deshalb die Maßnahmen der russischen Regierung gegen Aktivitäten von Hooligans begrüße.

    Grindel beschwor auch eine historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Russland. Deshalb werde die deutsche U18-Nationalmannschaft ausdrücklich am 8. Mai in Wolgograd ein Freundschaftsspiel mit der russischen U18-Auswahl bestreiten, also am Vorabend des in Russland als Tag des Sieges gefeierten Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation Hitlerdeutschlands 1945.

    Grindel bewertete dieses Freundschaftsspiel als eine gewollte Geste im Gedenken an den 75. Jahrestag des Endes der Schlacht von Stalingrad. Bekanntlich war kein prominenter Bundespolitiker zu den Gedenkfeierlichkeiten ins heutige Wolgograd gereist. Grindel erklärte, die deutsche Nationalmannschaft sei für die WM bereit, und: „Unsere russischen Freunde sind es sicher auch.“

    „Merkel braucht meinen Ratschlag nicht“

    Vielleicht war es diese eher diplomatisch warmherzige Vorrede des DFB-Präsidenten, die einen Journalisten zur Frage veranlasste, ob Grindel auch etwas Kritisches über Russland sagen könne. Die simple Rückfrage, was genau er damit meine, brachte den Journalisten etwas ins Stammeln. Letztlich ging es ihm unter anderem um mögliche Missstände zum Beispiel auf den Baustellen der WM. Grindel dazu kurz und knapp:

    „Es ist nicht Aufgabe des DFB-Präsidenten, mit erhobenem Zeigefinger durch die Russische Botschaft zu gehen.“

    Überraschend starker Beifall brandete auf. Ein weiterer Journalist versuchte trotzdem noch einmal, Grindel Kritisches zu entlocken und wollte wissen, ob der DFB-Präsident Angela Merkel einen Rat geben könne. Sollen deutsche Politiker an der WM teilnehmen, nachdem zum Beispiel Großbritannien und Island erklärten, mit prominenten politischen Vertretern fernbleiben zu wollen? Grindel wirkte leicht genervt, aber auch seine Antwort auf diese Frage erntete letztlich großen Beifall:

    „Die Zeit, in der ich Angela Merkel Empfehlungen gegeben habe, sind seit gut zwei Jahren vorbei. Die Kanzlerin wird mit ihrer Erfahrung souverän eine eigene Entscheidung treffen und braucht einen Ratschlag von mir nicht. Wenn sie einen will, wird sie mich fragen. Das hat sie aber bislang nicht getan.“

    Auch Botschafter Sergej Netschajew erklärte, Russland betrachte die WM als ein Fest des Friedens, der Freundschaft und der Annäherung. Wer diese Werte nicht teile, könne nicht gezwungen werden, die WM in Russland zu besuchen. Er sei sich sicher, dass sein Land dieses Sportfest sehr gut organisieren und durchführen werde.

    Gegen Krawalle russischer Hooligans

    Die Sicherheit bei dieser Weltmeisterschaft spielt in der Betrachtung vieler Journalisten eine zentrale Rolle. Vor allem vor dem Hintergrund von Ausschreitungen von Hooligans bei vorangegangenen Großturnieren wie der Europameisterschaft in Frankreich 2016. Dort waren vor allem russische Hooligans bei Krawallen aufgefallen. Das habe dem Ansehen Russlands sehr geschadet, konstatierte Reinhard Grindel in seiner kleinen Ansprache in der Russischen Botschaft. Auch deshalb begrüßten er und der DFB die von der russischen Regierung beschlossenen Maßnahmen gegen Hooligan-Gewalt ausdrücklich. Er sei sicher, dass die Zusammenarbeit mit den russischen Behörden „optimal funktionieren“ werde:

    „Wie immer bei solchen Turnieren stimmen wir uns mit den verantwortlichen Behörden ab. Die haben über die Sicherheitslage zu entscheiden. Die sind die Verantwortlichen, die auch den Austausch zwischen unseren Sicherheitsbehörden und ihren Partnerbehörden in Russland vornehmen. Genau wie in Frankreich bei der Fußball-Europameisterschaft, wo wir auch eine grundsätzlich nicht ganz einfache Sicherheitslage aufgrund aktueller Ereignisse hatten, werden wir uns genau an das halten, was die Sicherheitsbehörden für Hinweise an uns geben. Und ich bin sicher, dass die Zusammenarbeit optimal funktionieren wird, wie das bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften grundsätzlich der Fall ist.“

    DFB-Präsident Reinhard Grindel am 11.04.2018 in Berlin zur Sicherheit während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland 2018:

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    Tags:
    Fans, Hooligans, Sicherheit, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Fußball-WM 2018, Russisches Haus der Kultur und Wissenschaft, Russische Botschaft in Berlin, Deutscher Fußball-Bund (DFB), Sergei Netschajew, Reinhard Grindel, Alexej Sorokin, Angela Merkel, Deutschland, Russland