18:42 16 August 2018
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    Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro

    „Gestartet, um zu siegen“: Olympia 2032 im Ruhrpott?

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    Ilona Pfeffer
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    Europaweit einmalig ist die Dichte von Sportstätten in der Metropolregion Rhein-Ruhr. Genau deswegen ist sie ein hervorragender Kandidat für die Austragung von Olympischen Sommerspielen. Das sagt Sportmanager Michael Mronz, der ein Konzept für eine Bewerbung um die Sommerspiele 2032 vorgelegt hat.

    Peking, London, Rio de Janeiro und bald vielleicht der Ruhrpott? Geht es nach Sportmanager Michael Mronz und seinen Mitstreitern, könnten die Olympischen Sommerspiele 2032 nach Nordrhein-Westfalen gehen. Am Mittwoch legte die Initiative Rhein Ruhr City 2032 ein Konzeptpapier für eine mögliche Olympia-Bewerbung der Metropolregion vor. Beteiligt sollen gleich 14 Städte sein: Aachen, Bochum, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Oberhausen und Recklinghausen.

    Aber warum gerade der Ruhrpott? Für Mronz liegen die Vorteile auf der Hand:

    „Wenn man sich die Region Rhein-Ruhr ansieht mit der Vielzahl an Sportstätten, die bereits da sind, dann ist das einzigartig für Europa. Daher war die Frage naheliegend, die Sportstätten, die täglich oder wöchentlich genutzt werden, für mögliche Olympische oder Paralympische Spiele 2032 zu verwenden.“

    80 Prozent der Infrastruktur seien bereits vorhanden. Besonderen Wert lege man außerdem auf die Nachhaltigkeit, so Mronz.

    Auch Walther Tröger, ehemaliger Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und lange Zeit Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), kann sich Olympische Spiele in NRW vorstellen.

    „Das hat sicherlich gute Aussichten. Das IOC hat zu erkennen gegeben, dass die Sache mit einer einzelnen Stadt nicht immer funktionieren kann und dass man das durchaus etwas weitläufiger sieht. Ich halte das für eine gute Idee. Die Frage ist nur, wie der DOSB mit anderen möglichen Bewerbern umgeht, nämlich denen, die bisher auch schon im Geschäft waren.“

    Doch eine Olympia-Bewerbung ist noch Zukunftsmusik. Vom IOC gibt es bisher noch keine Ausschreibung für die Sommerspiele 2032. Und auch das privatwirtschaftlich finanzierte Konzeptpapier für NRW ist keine offizielle Olympia-Bewerbung, sondern ein vorläufiger Entwurf. Die Durchführbarkeit der ehrgeizigen Pläne und die Verteilung der Wettbewerbe auf die möglichen Sportstätten werden seit dem vergangenen Jahr in regelmäßigen Treffen der 14 Städte erörtert. Manche Wettbewerbe, wie Fußball, sind erwartungsgemäß besonders begehrt. Dass es darüber zu Streitigkeiten gekommen wäre, habe er aber noch nicht erlebt, sagt Jürgen Dietz, Sportverantwortlicher der Stadt Duisburg, einem der potentiellen Austragungsorte für olympische Fußball-Matches.

    Seine Stadt setze aber vor allem auf die Wassersportarten, erklärt Dietz. „Aus dem Planungspapier geht schon hervor, dass für Duisburg die Disziplinen im Bereich Kanu-Rennsport, Kanu-Slalom und gegebenenfalls Rudersport im Fokus stehen.“

    Eine Kanu-Slalomstrecke habe Duisburg bisher aber nicht, diese müsste zusätzlich angelegt werden.

    „Es gibt seit Jahren Pläne, so eine Strecke mal zu realisieren. Bisher ist es immer wieder an der Finanzierung gescheitert, wäre im Zuge einer Olympia-Bewerbung aber in einem ganz anderen Licht zu sehen. Wir reden von einer Investition von 20-30 Millionen Euro. Eine Nutzung hinterher sicherzustellen, ist aus meiner Sicht kein Problem, weil der Bedarf durchaus da ist. Sportarten wie Rafting und Wildwasser-Kanufahren boomen.“

    Wie hoch die Kosten für NRW insgesamt ausfallen würden und welche Stellen welche Posten tragen müssten – dazu will der Initiator des Projekts, Sportmanager Michael Mronz, jetzt noch nichts sagen.

    „Wir gehen erst mit Zahlen nach außen, wenn wir ein fundiertes Zahlenwerk haben. Es steht noch nicht abschließend fest, wie genau die Ausschreibungskriterien vom IOC aussehen werden. Daher wäre es unseriös, jetzt schon irgendwelche Zahlen in den Raum zu stellen.“

    Dass die Bevölkerung das Ziel Olympia 2032 unterstützt und die positiven Auswirkungen für die Metropolregion sieht, glauben Mronz und Dietz durchaus, auch wenn bisher noch keine Volksbefragung durchgeführt wurde.

    „Fakt ist, dass Duisburg in den letzten 30 Jahren immer wieder sportliche Großveranstaltungen, auch kurzfristig, durchgeführt hat und das Echo in der Bevölkerung immer sehr positiv war. Angefangen bei der Universiade 1989, der ersten großen Multi-Sportveranstaltung, bis hin zu den World Games 2005. Es ist sicherlich notwendig, dass die Meinung der Bevölkerung eingeholt wird. Aber für Duisburg habe ich da keine Bedenken“, so Dietz.

    Seit 1972 hat es in Deutschland keine Olympischen Spiele mehr gegeben. Entsprechende Vorhaben von Hamburg und München sind am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Olympia-Veteran Walther Tröger findet, es ist an der Zeit für einen neuen Anlauf: „Zeit wäre es bei uns längst! Wir sind doch ein Land, in dem es sich anbietet, Olympische Spiele durchzuführen.“

    Auch Initiator Michael Mronz gibt sich kämpferisch: „Es ist ein Marathon und dafür braucht man einen langen Atem. Aber wir sind gestartet, um zu gewinnen.“

    Das komplette Interview mit Michael Mronz zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Walther Tröger zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Jürgen Dietz zum Nachhören:

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    Tags:
    Olympiade, Olympia, Wassersport, Fußball, Olympia 2032, NOK, Internationales Olympisches Komitee (IOC), Jürgen Dietz, Michael Mronz, Walther Tröger, Rhein-Ruhr, Mönchengladbach, Dortmund, Bochum, Duisburg, Nordrhein-Westfalen
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