03:12 17 Dezember 2018
SNA Radio
    DFB-Präsident Reinhard Grindel in Dortmund (Archiv)

    Exklusiv: WM in Russland verspricht harte Herausforderung für DFB-Elf – Grindel

    © AFP 2018 / Patrik STOLLARZ
    Sport
    Zum Kurzlink
    Nikolaj Jolkin
    1322

    In Russland wird es schwerer werden Weltmeister zu sein, als in Brasilien. Dies gab der DFB-Präsident Reinhard Grindel im Sputnik-Interview preis.

    „In Brasilien hieß es“, so der Sportfunktionär, „eine europäische Mannschaft kann in Südamerika nicht Weltmeister werden. Das war das erste Mal. Insofern glaube ich, dass uns der eine oder andere etwas unterschätzt hat. Und zum anderen will jetzt jeder gegen den Weltmeister gewinnen und daher werden alle zu 100 Prozent konzentriert und fokussiert zu Werke gehen. Insofern wird jedes Spiel schwierig, weil jeder unserer Gegner an die Grenzen der Belastbarkeit gehen wird.“

    >>Mehr zum Thema: Nun Geheimnis gelüftet? Wissenschaftler sagen Gewinner für WM-2018 vorher

    Der Grundsatz, Fußball sei ein einfaches Spiel – 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach und am Ende gewinnen immer die Deutschen – gelte nicht mehr, behauptet Grindel. „Wir haben leider bei der Europameisterschaft in Frankreich beim Spiel gegen den Gastgeber diese Erfahrung machen müssen. Wir sind auch jetzt gut vorbereitet und werden bei den Spielen alles geben, aber wir sind nicht so arrogant zu behaupten, dass wir in Russland alle Spiele gewinnen werden.“

    Der DFB-Chef hat schon einige WM-Stadien besucht. Die Luschniki-Arena würde ihn an das Berliner Olympia-Stadion erinnern, „weil man von außen den Eindruck hat, es ist wie früher. Wenn man aber ins Stadion kommt, stellt man fest, es ist absolut mit dem vergleichbar, was wir an Stadien in Westeuropa haben. Das gilt auch für die Stadien in Sankt Petersburg, Kasan und Sotschi, wo wir gespielt haben.“

    Besonders hebt Grindel ein Stadion in Wolgograd hervor, wo er das russische Pokalfinale verfolgt habe. „Dieses Stadion hat eine Reihe von Architekten mitentwickelt, die sich an ähnlichen Bauten in Europa, auch in Deutschland, beteiligt haben. Ohne auf technische Details einzugehen,  kann ich sagen, dass die Stadien ein schönes und modernes Erscheinungsbild aufweisen. Auch die bauliche Struktur soll eine gute Atmosphäre schaffen.“

    Die Weltmeisterschaft sei sehr stark ins Bewusstsein von jungen Menschen in Russland eingedrungen, so der DFB-Präsident. Daher gehe er davon aus, „dass viele Russinnen und Russen anfangen werden, Fußball zu spielen. Dies war in Deutschland der Fall, als in der Saison 2006-07 nach der WM so viele Kinder und Jugendliche als registrierte Spieler Fußball in Vereinen zu spielen begannen, wie noch nie zuvor.“

    Dafür benötige man jedoch ausreichend Trainer und natürlich auch Fußballplätze, um diesen Ansturm zu bewältigen, fährt Grindel fort. Er sei überzeugt, dass die Weltmeisterschaft ein Initialzünder sein werde, um ein ganz neues Talentförderprogramm für den russischen Fußballverband aufzubauen. „Auf diese Weise werden viele junge Menschen und Vereine an Schulen und Universitäten, die durch das ganze Land verteilt sind, einen Weg finden, wie Talente in diesem riesigen Land entdeckt und dann in den Nachwuchsleistungszentren weiter ausbildet werden können.“

    >>Mehr zum Thema: Fußball-WM 2018: Putin nennt mögliche Favoriten

    Die Infrastruktur der Vereine, die in diesen 12 neuen Stadien in 11 Städten spielen, erhalte einen unglaublichen Anstoß, ist sich der Präsident sicher. „Für Zuschauer wird es attraktiver, zu diesen Spielen zu gehen. Die russische Liga wird ein großer Profiteur sein, weil man jetzt mit diesen Stadien und ihrer Infrastruktur, die auch mit vielen Trainingszentren verbunden sind, sehr viel anfangen kann.“

    Außerdem bemerkte Grindel, man wolle die WM in Russland dazu nutzen, um die deutsch-russische Städtepartnerschaft und den Jugendaustausch zu intensivieren. „Im Zusammenhang mit unserem letzten Gruppenspiel gegen Südkorea in Kasan wollen wir ein Freundschaftsspiel zwischen den Juniorenmannschaften aus Kasan und Braunschweig, der Partnerstadt von Kasan, durchführen. Dabei werden junge deutsche Spieler bei dort ansässigen Familien untergebracht sein.“

    DFB-Präsident Reinhard Grindel
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    DFB-Präsident Reinhard Grindel
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Fußball-WM 2018: Arbeitsfrei für eine ganze Stadt
    WM-2018: Das sind die „heißesten“ Frauen der Fußballstars, die nach Russland kommen
    Vor WM in Russland: USA verlegen Stratotanker in die Ukraine
    Tags:
    Erfahrung, Weltmeister, Jugend, Vergleich, Fußball, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Deutscher Fußball-Bund (DFB), Reinhard Grindel, Brasilien, Deutschland, Russland