04:51 16 August 2018
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    Das Training der russischen Nationalelf vor dem WM-Spiel mit Saudi-Arabien

    Exklusiv: WM-Vorbereitung vorbei, echtes Spiel beginnt – UdSSR-Meister Manoschin

    © Sputnik / Anton Denissow
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    Natalia Pawlowa
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    Über die Erwartungen von der WM -2018, die Chancen des russischen Teams, den Vorbereitungsgrad der Mannschaften und über die sowjetische Fußballgeschichte spricht der sowjetische Liga- und Pokalmeister Nikolai Manoschin gegenüber Sputnik.

    Echte Fußballliebhaber erinnern sich noch an Nikolai Manoschin, den Mittelfeldspieler des FK Torpedo Moskau und sowjetischen Fußball-Nationalspieler. Er war viermal einer der besten Fußballer des Landes, entzückte die Fans mit seiner Spieltechnik, wie etwa Umspielen und Dribbling, konnte den Ball über das ganze Feld auf seinem Kopf tragen und so die Zuschauer in Begeisterung versetzen.

    „Ich bin mir sicher, dass sich unsere Jungs dem Spiel völlig hingeben werden, sie brauchen keine zusätzliche Stimmung, sie sind sich der Verantwortung bewusst und fühlen, dass man von ihnen ein gutes und ergebnisvolles Spiel erwartet“, sagte Manoschin am Eröffnungstag der WM vor dem Spiel zwischen Russland und Saudi-Arabien.

    „Vieles hängt vom ersten Spiel ab. Wenn sie das Team Saudi-Arabiens schlagen, kommen sie weiter. Denn sie werden Ägypten sicherlich schlagen, sie haben ja eine schwache Verteidigung, und das wird reichen, um weiterzukommen. Für die Saudis ist der Sieg ebenfalls sehr wichtig, sie nehmen die Sache ernst. Daher wird das erste Spiel schwierig sein, und das Ergebnis ist schwer vorherzusagen. Die Saudis haben ein modernes Team, gegen die Italiener haben sie Remis gespielt, sie werden um den Sieg kämpfen. Ich erwarte kein leichtes Spiel.“

    Falls die Russen gewinnen, sollten sie sich vor dem zweiten Spiel – gegen Ägypten – nicht ausruhen, so der Landesmeister. Er erinnert sich daran, wie die russische Mannschaft dadurch beinahe gegen ein schwächeres Team verloren hätte.

    „Wir besiegten bei der WM 1962 die Jugoslawen, und dann gab es das Spiel gegen Kolumbien. Davor waren wir durch ganz Südamerika gefahren und hatten überall gewonnen. Wir dachten, dass wir auch Kolumbien schlagen würden. Wir waren entspannt und spielten unentschieden, wir hätten beinahe verloren. Ich wünsche mir, dass sich das gegen Ägypten nicht wiederholt.“

    Die europäischen Mannschaften, die an der WM in Russland teilnehmen, seien sehr stark, sagt Manoschin. Aber der südamerikanische Fußball, vor allem in Brasilien, sei ein Kapitel für sich.

    „Wenn dort ein Junge geboren wird, versucht man, in erster Linie, einen Fußballer aus ihm zu machen. Wenn das nicht gelingt, wählt man andere Berufe, wie etwa Diplomaten, Lehrer usw. In Brasilien gab es seinerzeit keinen einzigen Präsidenten, der nicht gleichzeitig Präsident des Fußballverbandes war.“

    Nikolai Manoschin (r.) im Spiel
    © Foto : Privatarchiv von Nikolai Manoschin
    Nikolai Manoschin (r.) im Spiel

    Der schlechte Platz der russischen Mannschaft in der FIFA-Rangliste, die nach den jüngsten Spielen erstellt ist, sei nicht ausschlaggebend, so der Fußballexperte.

    „Es war eine Zeit der Experimente, der Vorbereitung und Tests, der Optimierung der Mannschaften, der Auswahl der besten Spieler, des Trainings von Kombinationen. Daher dürfen diese Ergebnisse nicht ernst genommen und für die Bewertung genutzt werden. Doch was die Fähigkeiten der Spieler betrifft, ist unser Team nicht auf einem hohen Niveau. Es gibt in unserem Team keine Superstars. Vielleicht außer dem Torwart Igor Akinfejew. In der Stammmannschaft spielen unsere führenden Fußballer, ihr Niveau ist jedoch durchschnittlich. Heute gibt es keine so schillernden und talentierten Spieler wie Jaschin, Strelzow, Salnikow, Iljin und Simonjan. Aber es bestehen keine Zweifel, dass unsere Jungs heute ihr Bestes tun und all ihre Kräfte aufbieten werden.“

    Nikolaj Manoschin erinnert sich mit Bedauern an jene Zeiten, in denen seine Altersgenossen keine andere Unterhaltung hatten als im Hof Fußball zu spielen. Heute habe der Computer alles ersetzt. Bei der Ausbildung junger Fußballer wird seiner Meinung nach mehr Augenmerk auf Geschwindigkeit und Ausdauer gerichtet, zum Nachteil der Technik.

    „Man sagt bei uns im Scherz: In Island gibt es wenige Leute, doch sie spielen gut, aber in Russland ist es aus vielen Millionen schwer auszuwählen. Unsere Kinder laufen gut und haben viel Ausdauer, aber sie haben keine Technik und keine Taktik. Wenn man unsere Fußballer beim Spielen beobachtet, sieht man, welche Fehler selbst in der Oberliga gemacht werden, wo es gut trainierte Fußballer geben muss. Ich bemerke manchmal bis zu 40 Fehler.

    Am 17. August 1960 spielte Nikolai Manoschin erstmals als Mitglied der sowjetischen Nationalmannschaft in einem Spiel gegen die DDR. Die Sowjetunion gewann 1:0.

    „Die Deutschen waren anders – die Demokraten. Dann spielten alle Mannschaften aus den sozialistischen Ländern – Deutsche, Tschechen, Bulgaren – professionell, sie hatten unsere Schule. Es war schwierig gegen sie zu spielen, es war nicht einfach, zu gewinnen.“

    Der legendäre sowjetische Fußballer ist kürzlich 80 Jahre alt geworden. Die WM wird er, wie viele Fans, zu Hause am Fernseher verfolgen.

    „Von dem Turnier erwarten wir ein Fest, wir hoffen, dass alle Mannschaften guten Fußball zeigen werden. Für Fans wird es interessant, diese Teams zu beobachten. Die Zeit der Experimente, Vorbereitungen und Tests der Teams ist vorbei. Nun beginnt das echte Spiel.“

    In Brasilien gibt es in der Hall of Fame der größten Fußballer der Welt nur ein Foto eines russischen Fußballers, wo er mit Pele abgebildet ist. Das ist Nikolai Manoschin.

    Tags:
    Geschichte, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Fußball-WM 2018, Nikolai Manoschin, UdSSR, Sowjetunion, Russland
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