16:56 10 Dezember 2018
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    ein Fan beim Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Mexiko

    Wundern Sie sich nicht, wenn Deutschland nicht ins Halbfinale kommt…

    © REUTERS / Carl Recine
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    Bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft scheint sich ein Negativtrend fortzusetzen – der Weltmeister wird die Gruppenphase nicht überstehen. Dieser Artikel wurde vor dem Spiel mit Mexiko verfasst, bei dem die deutsche Mannschaft den Kürzeren zog. Die in diesem Artikel (der prophetisch wurde) beschriebenen Probleme bleiben bestehen.

    Löw verzichtet auf besten deutschen Kicker

    Keiner der deutschen Spieler war in dieser Saison besser als Leroy Sané. Er passte dem Bundestrainer nicht, weil er nicht in die taktische Ordnung passe, bei Trainings passiv sei und seine Mitspieler auf dem Feld ignoriere.

    Wenn jemand allein in der Premier League es 15 Vorlagen bringt, kann man nun nicht unbedingt davon sprechen, dass Sané seine Mitspieler übersieht. Draxler und Brandt, die für die WM ausgewählt wurden, haben die ganze Saison dann wohl mit Augenbinden gespielt.

    Die Befürworter der Nichtnominierung von Sanés merken an, dass das junge Talent in den letzten Spielen (nur eine Vorlage in neun Spielen) kaum in Erscheinung getreten sei. Doch Löw entschied sich für Julian Brandt. Bei dem Leverkusener läuft es in der Nationalmannschaft auch nicht rund (zwei Assists in neun Spielen).

    Der wahrscheinlichste Grund, warum Sané nicht mitfahren durfte, ist wohl sein Verhalten. Im vergangenen Jahr hätte er zum Confed Cup kommen sollen, doch er verzichtete darauf — mit dem Hinweis auf eine dringende Nasen-Operation. Löw erfuhr später, dass die Operation auch hätte verschoben werden können.

    Sané schert häufiger aus der Reihe, was dem Bundestrainer überhaupt nicht gefällt. Joachim Löw reagiert auf Eskapaden des Jungstars sehr sensibel. Die Wahl zwischen einem Kicker, der strikt seine Aufgaben wahrnimmt und regelmäßig Treffer erzielt, und einem Kicker, der sich eigensinnig benimmt, aber Torchancen kreieren kann, wird immer zugunsten des Ersteren ausfallen. Gerade deshalb gibt es in der Mannschaft den gehorsamen Verteidiger Antonio Rüdiger von FC Chelsea, der regelmäßig Fehler in der Defensivarbeit macht. Der Torjäger von Werder Bremen, Max Kruse, gehört zwar zu den besten deutschen Stürmern, doch für Löw ist er ein verantwortungsloser Faulenzer, der vor einem Training  Schokoriegel isst.

    „Leroy hat ein riesiges Talent.<…> Ich habe ihm gesagt, dass er ab September wieder dabei ist“, sagte der Bundestrainer. Wodurch sich der Leroy vom September von dem jetzigen Leroy unterscheiden wird, fragte Löw niemand.

    Özil und Gündogan unter Druck der Fans

    Vor einem Monat trafen sich die deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieses Bild und das mediale Aufsehen stellten die Trainingseinheiten, Freundschaftsspiele und selbst die Bekanntgabe des 23-köpfigen Kaders in den Schatten. Ende Juni finden in der Türkei vorgezogene Präsidentschaftswahlen statt. Die deutschen Nationalspieler nahmen beim Fototermin mit dem Präsidenten eines anderen Landes damit de facto an dessen Wahlkampf teil. In Deutschland hat Erdogan den Ruf eines Diktators, der Andersdenkende bestraft, die Opposition unterdrückt und Gesetze nach seinem Gusto ändert. Natürlich gefiel das dem Deutschen Fußball-Verband und den Fans nicht. „Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden. Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen“, schrieb der DFB-Chef Reinhard Grindel auf Twitter.

    >>Mehr zum Thema: „Deutsches Auto ohne rechtes Hinterrad“: WM-Kommentar aus Russland

    Im letzten Spiel vor der Abreise nach Russland wurde Gündogan im Spiel gegen Saudi-Arabien in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Er wurde bei jedem Ballkontakt von den Fans lautstark ausgepfiffen. Joachim Löw war sauer auf diese Reaktion und musste Gündogan im Umkleideraum nach dem Spiel trösten.

    Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, hatten Unbekannte vor wenigen Tagen das Auto des Nationalspielers zerstört.

    Özil wurde bei diesem Spiel nicht eingewechselt. Die deutschen Fans werden ihn wohl in den ersten WM-Spielen mit ihrem Hass konfrontieren. Weil der Volkshass so groß war, mussten sich die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (FAZ) für eine Titelseite mit Özil quasi entschuldigen und präzisierte, dass die Aufnahmen und das Interview einige Tage vor seinem Treffen mit Erdogan stattfanden.

    Nicht überzeugend in den Testspielen

    Die Erdogan-Affäre um Özil und Gündogan wäre wohl in Vergessenheit geraten, wenn die Mannschaft in Topform gewesen wäre. Doch die Deutschen hatten eine sehr schwache Vorbereitung – der minimale Sieg gegen Saudi-Arabien beendete die Serie von fünf sieglosen Freundschaftsspielen, die im November begann. Davor hatten die Deutschen vor 30 Jahren so lange nicht gewinnen können.

    Der Trainerstab ist mit Özil unzufrieden und verheimlicht nicht, dass von ihm mehr erwartet wird. Das betrifft vor allem die Torchancen.  Bei den Testspielen sah er nicht überzeugend aus. Zudem hat er Knieprobleme.

    Die linke Verteidigerposition ist mit Jonas Hector schlechter besetzt als mit Joshua Kimmich auf der rechten Seite.  Von Hector wird kein großartiges Offensivspiel, sondern Abwehrarbeit erwartet. In der letzten Zeit macht Hector viele Fehler in der Verteidigung – sowohl im Klub als auch in der Nationalmannschaft (wie beim Siegestor der Österreicher im Freundschaftsspiel).

    Kapitän versäumte die ganze Saison

    Alle wussten, dass Löw Neuer zur WM mitnehmen würde. Die Frage war nur, ob sich Löw wagenwürde, den Kapitän, der seit acht Monaten nicht gespielt hat, auf die Ersatzbank zu setzen.

    Wenn ihnen wieder mal gesagt wird, dass Deutschland eine sehr gute Auswahl von Torhütern habe, sollten sie das nicht unbedingt glauben. Das besondere Verhalten Löws zu Neuer tötet das Prinzip des Leistungsgedankens bei der Aufstellung der Mannschaft. Es spielt also keine Rolle, dass Marc-André ter Stegen eine hervorragende Saison gespielt hat, Kapitän beim FC Barcelona war und vor allem durch sein Spiel mit dem Ball beeindruckte. Der positive Befund des medizinischen Stabs bezüglich des Gesundheitszustandes des Bayern-Torhüters überwog.

    Die Mannschaft ändert sich nicht mehr

    Vor dem Sieg im WM-Finale 2014 legten die Deutschen einen Silber-Bronze-Bronze-Gold-Weg zurück. Zu Beginn der 2010er Jahre wurden alle Titel im Juniorenfußball gewonnen, es gab ein deutsches Champions-League-Finale, fast jedes Jahr drei bzw. vier neue Weltklasse-Spieler für die Nationalmannschaft.

    Jetzt sind plötzlich Kader-Probleme aufgetaucht. Fußballschulen gibt es immer noch, doch es gibt weniger Talente, die den Kern der Mannschaft bilden könnten. Vor der Meisterschaft in Südafrika wurde die Nationalmannschaft durch Özil, Khedira, Boateng, Neuer und Müller verstärkt – Gewinner der UEFA Under-21 Championship 2009. Heute wurden die Gewinner der UEFA Under-21 Championship 2017 vom Bundestrainer komplett ignoriert.

    >>Mehr zum Thema: Wieso hat Mexiko gegen Deutschland gewonnen? – Dieses virale VIDEO lüftet Geheimnis

    In den letzten Jahren zeigte Löw Interesse nur für ein zwei jungen Sportler – Kimmich und Werner. Es sieht so schlecht aus, dass selbst als Reservespieler die üblichen Matthias Ginter, Sebastian Rudy und Mario Gomez und nicht die Newcomer des vorjährigen Confed Cups berufen wurden. Sandro Wagner spielte in dieser Saison stabiler als Gomez und schoss mehr Tore, doch Löw nahm den Bayern-Stürmer nicht mit.

    Das Team, das am 17. Juni gegen Mexiko auf dem Platz stand, wurde von uns zu 90 Prozent bereits vor einem Jahr genau prognostiziert. Der Weltmeister, der seinen Titel verteidigen will, kann nicht vorhergesehen werden.

    Pavel Sinowjew

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