15:48 23 Juli 2018
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    Training deutscher Nationalelf vor dem ersten WM-Spiel gegen Mexiko

    „In der Elf herrschte Angst“: Kicker-Chefredakteur rechnet nach WM-Aus ab – EXKLUSIV

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    Matthias Witte
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    Deutschlands historisches Ausscheiden bei der WM in Russland kommt für Jörg Jakob nicht überraschend. Der Chefredakteur des Fußballfachmagazins „kicker“ legt den Finger in die Wunde und sagt, wer künftig nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen wird.

    Jakob kommt gleich zur Sache: „Ohne besserwisserisch klingen zu wollen – so völlig unvorbereitet war ich dann doch nicht mehr angesichts der beiden vorangegangenen Spiele vor allem gegen Mexiko und Schweden.“ Es habe an der Mannschaft gelegen. Bei der „famosen WM 2014“ habe sich Deutschland als solche gezeigt und am Ende den Titel gewonnen. Eine Mannschaft habe sich allerdings in Russland nicht präsentiert. Der Grund des Übels liege tiefer:

    „Man hat nicht erkannt, dass schlechte Vorstellungen in den Vorbereitungsspielen gegen Saudi-Arabien und gegen Österreich kurz vor der WM deutlich auf Mängel hinzeigen. Man glaubte im deutschen Team, mit dem Zusammenkommen im WM-Camp würde sich das alles von selbst regeln. Das war eine Selbsttäuschung. Das war fahrlässig. Und dafür hat man jetzt die Quittung bekommen.“

    Real Madrid und Erdogan-Affäre haben belastet

    Zum Kader bemerkt der Fußballexperte: „Die Qualität der einzelnen Spieler reicht in Summe natürlich aus, um Mannschaften wie Mexiko, Schweden und Südkorea zu schlagen. Aber das ist eben eine Falle gewesen.“ Dazu kommen für Jakob Faktoren, die kurz vor dem Weltmeisterschaft auftraten. Zum einen seien neben Torwart Manuel Neuer die anderen Spieler von Bayern München weder körperlich noch mental in bester Verfassung zum Turnier gefahren. Grund dafür war für den Experten das Ausscheiden in der Champions League gegen Real Madrid.

    Zudem habe die Erdogan-Affäre das Team enorm belastet. „Das wurde nie richtig geklärt. Özil spielte jenseits von Gut und Böse. Auch Gündogan konnte sich nicht durchsetzen, als er eingewechselt wurde.“ Das seien Probleme, die bei einem großen Turnier nicht von heute auf morgen gelöst werden können.

    Dazu haben sich alle, auch die Medien, vom Sommer 2017 täuschen lassen. Vor einem Jahr gewann ein junges DFB-Team ohne die etablierten Stars in Russland den Confederation Cup. Und die U21 Jugend-Nationalmannschaft wurde Europameister.

    „Da waren wir der Meinung, wir haben drei gute Mannschaften. Plötzlich stellen wir aber fest, dass sich außer Stürmer Timo Werner von den jungen Spielern keiner wirklich aufgedrängt hat. Zudem haben wir keinen richtigen Mittelstürmer, der Tore schießt. Und auf den beiden Außenverteidiger-Positionen sind wir in Deutschland auch nicht so gut besetzt, wie es einmal in der Vergangenheit war.“

    Trotzdem standen am Mittwoch elf Spieler auf dem Platz, denen man zutrauen konnte, gegen Südkorea zu gewinnen. Sie taten es nicht. Das hochgelobte deutsche Kombinationsspiel verfing sich allzu oft in den Beinen der koreanischen Abwehrspieler. „Man muss konstatieren, dass mit Sicherheit auch eine gewisse Angst in dieser Mannschaft herrschte. Das war gegen Mexiko zu erkennen. Aber auch gegen Südkorea. Im Spiel nach vorne fehlte die Selbstsicherheit im Kombinationsspiel und in Eins-zu-eins-Situationen.“

    „Özil wird wohl zurücktreten“

    Joachim Löw hat sich Bedenkzeit erbeten. Das ist aus Jakobs Sicht völlig normal. Der Bundestrainer werde sich selbst am Meisten hinterfragen. Zu beachten sei, „dass der DFB Löws Vertrag ohne Not vor der Weltmeisterschaft bis 2022 verlängert hat.“ Letztlich werde Löw selbst entscheiden, ob er weitermacht oder nicht. „Ein Umbruch muss her. Ich denke, dass es einige Rücktritte aus der Nationalmannschaft geben wird, unter anderem von Mesut Özil.“

    Der Sportjournalist betont, dass sich auch das Team hinter dem Team, die Betreuer und Co-Trainer hinterfragen müssen. „Man muss fragen, ob das denn alles so richtig funktioniert hat. Das WM-Quartier war umstritten.“ Hintergrund war, dass Teammanager Oliver Bierhoff sich für Moskau entschied, während Löw lieber wieder wie beim Confed-Cup nach Sotschi gegangen wäre.

    Doch Kicker-Chefredakteur Jakob sagt auch klipp und klar: „Die Vorbereitung auf das Mexiko-Spiel war eines Weltmeisters nicht würdig.“ Auch das ist ein triftiger Grund, warum die Weltmeisterschaft ohne den amtierenden Weltmeister weitergeht.

    Das komplette Interview mit „kicker“-Chefredakteur Jörg Jakob finden Sie hier:

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    Tags:
    Fußball-WM, Fußball-WM 2018, FC Bayern München, Real Madrid, Jörg Jakob, Oliver Bierhoff, Mesut Özil, Joachim Löw, Manuel Neuer, Recep Tayyip Erdogan, Mexiko, Sotschi, Deutschland, Moskau, Russland
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