02:21 24 Oktober 2018
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    Nationalspieler Deutschlands Mesut Özil

    Özil zu Foto mit Erdogan: „Ich hätte das Bild so oder so gemacht“

    © REUTERS / Michael Dalder
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    Der DFB-Star Mesut Özil hat erstmals seinen umstrittenen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in einigen öffentlichen Briefen auf Twitter kommentiert.

    Özil behauptete, er habe das Foto mit dem türkischen Staatschef unabhängig von der politischen Lage in der Türkei gemacht.  

    „Die Wahrheit ist, dass wenn ich den Präsidenten nicht getroffen hätte, hätte ich die Wurzeln meiner Vorfahren nicht respektiert“, schrieb der Fußball-Spieler.

    Er sei sich bewusst, dass sein Foto mit Erdogan für großes Aufsehen gesorgt habe, es habe aber keinen politischen Hintergrund gehabt, sagte der Nationalspieler. „Für mich ging es nicht um Wahlen oder Politik, es ging um den Respekt für das höchste Amt des Landes meiner Eltern“, so Özil.  

    Mit Erdogan habe Özil – wie auch schon bei anderen Treffen zuvor – ausschließlich über Fußball gesprochen. Er sei kein Politiker, sondern ein Fußball-Spieler, so Özil, deshalb könne das Foto auch nicht als Unterstützung eingeschätzt werden. Bei einem Besuch des deutschen Präsidenten hätte er genauso gehandelt.  

    „Ich kann nachvollziehen, dass viele der Meinung sind, dass das politische Amt untrennbar mit der Person verknüpft ist. Aber in diesem Fall ist es anders. Unabhängig davon, wie die Wahl ausgegangen ist, hätte ich das Bild so oder so gemacht“, argumentiert Özil.

    ​Darüber hinaus kritisierte Özil eine Doppelmoral der deutschen Medien und verwies auf den Fall Lothar Matthäus. Die Fußballlegende war während der Fußball-WM vom russischen Präsidenten Wladimir Putin mit anderen berühmten Fußball-Spielern empfangen worden. „Lothar Matthäus (…) wurde von den Medien fast gar nicht kritisiert“, schrieb Özil. „Wenn die Medien finden, dass ich nicht Teil des WM-Kaders hätte sein sollen, dann sollte ihm sicherlich die Würde des Ehrenspielführers entzogen werden? Macht meine türkische Herkunft mich zu einem besseren Ziel?“

    Der Nationalspieler warf einigen deutschen Medien auch vor, sie hätten sein Foto mit Präsident Erdogan für „rechtsextreme Propaganda“ benutzt. „Warum sonst hätten sie Bilder und Schlagzeilen mit meinem Namen als Erklärung für das Scheitern in Russland benutzt?“, fragte Özil. „Sie haben nicht meine Leistungen kritisiert, sie haben nicht die Leistungen meines Teams kritisiert, sie haben einfach nur meine türkische Herkunft und meinen Respekt für meine Erziehung kritisiert.“

    Am 13. Mai 2018 hatten sich Özil und sein DFB-Teamkollege Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten in London getroffen. Gündogan hatte Erdogan damals ein Trikot mit der Aufschrift „Hochachtungvoll, für meinen Präsidenten“ überreicht, beide Spieler hatten dabei auch für die Medien posiert. Diese Fotos hatten für einen Skandal gesorgt. Nach dem vorzeitigen WM-Ausscheiden hatten Teammanager der deutschen Nationalmannschaft Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel gefordert, Özil solle sich öffentlich erklären. Die Zukunft Özils im Bundesteam ist nach dieser Erklärung auch unklar. 

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    Tags:
    Kritik, Medien, Unterstützung, Politik, Foto, Fußball-WM 2018, Twitter, Deutscher Fußball-Bund (DFB), Oliver Bierhoff, Reinhard Grindel, Ilkay Gündogan, Recep Tayyip Erdogan, Lothar Matthäus, Mesut Özil, Türkei, Deutschland