00:32 15 November 2018
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    Verrücktes Radrennen Moskau-Wladiwostok gestartet

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    Nikolaj Jolkin
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    Der sensationelle Sieger beim legendären Race Across America Pierre Bischoff aus Duisburg startete am 24. Juli zum zweiten Mal auch beim längsten Etappenradrennen der Welt, Red Bull Trans-Siberian Extreme. Er war wieder angetreten, weil er im vorigen Jahr den Baikalsee verpasste, wie der Extremsportler in einem Sputnik-Interview sagte.

    Am Pausenpunkt sei er nicht stehengeblieben, sondern weitergefahren, weil keiner ihn angehalten habe. Zugleich habe er noch eine Radreise von Wladiwostok nach Hause vor. Deshalb müsse er nach Wladiwostok. „Die Willenskraft und Willensstärke, ans Ziel zu kommen, haben mich dazu beflügelt, immer weiter zu treten, auch in den Momenten, wo es mir nicht so gut ging.“ Deswegen habe er es geschafft. Von den zehn Startern von Moskau hatten im vorigen Jahr nur drei Wladiwostok erreicht. Sein Geheimnis ist:

    „Man muss immer weiter treten. Jede Bewegung auf dem Pedal bringt einen vorwärts. Wenn man aufhört, fährt man natürlich nicht. Deswegen muss man immer treten, auch wenn es gar nicht mehr geht, irgendwie die Kurve treten. Das Schwierigste war eben, als wir die lange Etappe hatten, die 1.400 km. Sie zu fahren war ok, aber dann zu wissen, nochmals zwei Etappen mit 750 km, und dann Regen, Regen… Die vorletzte Etappe war ganz, ganz schwer. Aber dafür dann die letzte Etappe, zu wissen, man hat es bald geschafft, das ist wunderbar.“

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    • P.Bischoff
      P.Bischoff
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    • P. Bischoff grüßt seine Fans
      P. Bischoff grüßt seine Fans
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    • high five zum Abschied!
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    • P.Bischoff vor dem Start
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    Gegen Regen könne man sich schon ein bisschen mit guter Kleidung schützen, so der Duisburger weiter, „aber irgendwann ist man dann immer nass, man muss dann halt wieder die gesamte Kleidung einmal wechseln und hoffen, dass man dann wieder halbwegs trocken bleibt.“

    Berüchtigte russische Straßen

    Sie enttäuschen den Extremradfahrer nicht: „Wenn man es in Relation von über 9.000 km Wegstrecke sieht, dass ungefähr 100–120 km Schotterwege sind, ist es ein völlig normales Verhältnis. Man hat gesehen, dass es sehr viele Bemühungen gibt, die Straßen immer besser und besser zu machen. Ich bin gespannt auf die Straßen, die dieses Jahr auch wirklich viel besser schon geworden sind.“

    Für seinen Rivalen, den besten russischen Straßenzeitfahrer und sechsfachen Russlandmeister Wladimir Gussew, der seit inzwischen 21 Jahren Radsport betreibt und von Kindheit an für zehn bis zwölf Stunden Fahrt trainiert hat, sind extremlange Etappen, bei denen einem schläfrig wird, auch ein Problem. Zur Bewältigung der Schläfrigkeit wendet er Stimulanzien an und reichert seine Nahrung mit Koffein an. Der Athlet meint:

    „Das Koffein regt die Großhirnrinde an. Dies löst im Organismus alle Reaktionen aus. Es ist schon möglich, an einem Tag tausend Kilometer zurückzulegen, falls man aber in den nächsten Tagen noch einige Hundert Kilometer zurücklegen muss, ist es moralisch wie körperlich eine große Belastung. Da wird viel vom Hirn abhängen. Man hat ruhig zu bleiben, nicht nervös zu werden, denn für die Nerven gibt man viel Energie aus.“

    W. Gussew
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    W. Gussew

    Die Hauptsache sei bei diesem Rennen, die eigene Taktik festzulegen. „Wird man müde, dann wird man etwas schlafen müssen, um seinen Organismus wiederherzustellen. Dazu wird man haltmachen müssen. Ich will zusammen mit meinem Helfer die Orte dafür planen. Allerdings habe ich in Gedanken schon alles geplant.“

    Rennen-Veranstalter Paul Bruck von Bruck Consult & Most Management teilte mit, dass man die Regeln strikter gemacht habe, weil letztes Jahr von zehn nur drei ins Ziel gekommen seien.

    „Wir hatten in diesem Jahr zwar 15 Anmeldungen, also es gibt jede Menge, die die extreme Strecke versuchen wollen, aber wir haben nur neun akzeptiert. Von den neun hat es ein Deutscher dann aus beruflichen Gründen auf nächstes Jahr verschoben, und den anderen beiden haben wir aus medizinischen Gründen abgesagt.“

    Der Unternehmensberater erläutert: „Wir wollen, dass die, die an den Start gehen, auch ans Ziel kommen. Wir haben letztes Jahr gesehen, Masse bringt nichts, es ist kein Massensport, das ist ein Ultra Cycling Extreme, verrücktes Projekt. Wenn ich dieses Jahr mir die Fahrer anschaue, die Chance, dass alle sechs ans Ziel kommen, ist groß. Und wenn alle sechs ans Ziel kommen, sind das doppelt so viel wie letztes Jahr. Also, nicht die Masse am Start zählt, sondern, wie viel ich ins Ziel bringe.“

    Konkurrenz zur WM in Russland?

    Bruck glaubt, dass die Fußballweltmeisterschaft ihm hilft, in Zukunft mehr Fahrer zu bekommen, „weil Russland sich erstmals seit den Olympischen Spielen (damals war politisch das Ganze schlecht, jetzt war es politisch besser)“, sagt er vorsichtig und betont, dass er kein Politiker sei, „dass die WM Russland von einer ganz unbekannten Seite gezeigt hat. Nicht mir unbekannt, aber der Welt unbekannt. Die Stimmung war so positiv, die Menschen haben so positive Erfahrungen gemacht, und alles hat perfekt geklappt und war perfekt organisiert, so wie wir Russland kennen.“

    Paul Bruck im Gespräch mit Sputnik-Reporter Nikolaj Jolkin
    © Sputnik / Stringer
    Paul Bruck im Gespräch mit Sputnik-Reporter Nikolaj Jolkin

    Er organisiert sein Radrennen mit perfekter Unterstützung der russischen Behörden und des russischen Außenministeriums. Es gibt sicher Ultra Cycler, die sagen, na ja, schon verrückt, Moskau — Wladiwostok… Und ich glaube, da hat sich was getan. Und ich hoffe, dass die WM unserem Projekt guttun wird.“

    Red Bull Trans-Siberian Extreme wurde mit dem Exportpreis der Österreichischen Wirtschaftskammer und des Österreichischen Wirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Wie der Name des Rennens besagt, werden die Sportler entlang der legendären Transsibirischen Eisenbahnlinie von Moskau bis nach Wladiwostok mit dem Rad 25 Tage fahren. Die ganze 9.100 km lange Route ist in 15 Etappen unterteilt: die kürzeste zählt 260 und die längste 1.372 km. Das Radrennen wird Städte wie Nischni Nowgorod, Kasan, Jekaterinburg im Ural streifen. Weiter geht es durch Sibirien mit Tjumen, Omsk, Nowosibirsk, Tomsk, Krasnojarsk, Irkutsk, Chabarowsk, und das Ganze endet am 17. August in Wladiwostok.

    © Sputnik .
    Start des längsten Etappenradrennens der Welt "Red Bull Trans-Siberian Extreme" in Moskau

    Man wird fünf Klima- und acht Zeitzonen, gut 80 km Steigung zurücklegen und über drei Wochen im Sattel verbringen müssen. Während der ersten Etappen wird es den Athleten sicher schwer fallen, sich an die Belastung und den superdichten Verkehr zu gewöhnen, anschließend kommt eine nächtliche Etappe. Die drei sibirischen Flachlandstrecken mit ihrer gleichbleibenden Landschaft werden zeigen, wer von den Teilnehmern nicht nur körperlich, sondern auch mental für das Rennen gerüstet ist. Ein paar Etappen später erwartet die Rennfahrer die 11. Etappe, eine der schönsten Strecken, die am südlichen Zipfel des Baikalsees verläuft. Dann kommt die „königliche“ Etappe, die längste im ganzen Rennen. Die Rekordzeit hat für sie bisher gut 52 Stunden betragen. Nach diesen Strapazen werden die zwei letzten Abschnitte je ca. 700 km wie ein Spaziergang wirken, aber gerade sie werden wohl über den Sieger entscheiden. Am Rennen nehmen sechs Athleten aus sechs Ländern — Deutschland, Brasilien, Dänemark, Spanien, Indien und Russland teil.

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    Tags:
    Straßen, Nahrungsmittel, Koffein, Medizin, Eisenbahn, Extremsportler, Extremsport, Radrennen, Red Bull Trans-Siberian Extreme, Fußball-WM, Red Bull, Moskau, Sibirien, Wladiwostok, Österreich, Russland