13:45 15 November 2018
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    Bundestrainer Joachim Löw

    „Löws Mentalität erinnert mich an Kanzlerin Merkel“

    © REUTERS / Charles Platiau
    Sport
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    Matthias Witte
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    Bundestrainer Joachim Löw steht heute Abend unter großem Druck. Die Nationalmannschaft trifft in Paris auf Weltmeister Frankreich. Bei einer Niederlage droht der Abstieg und Löw nach zwölf Jahren im Amt der Rauswurf. Tom Röder reist der Nationalmannschaft seit Jahren hinterher. Der Fan und Fanbetreuer sieht Parallelen zwischen Sport und Politik.

    Tom Röder organisiert als Betreuer beim „Fanclub Nationalmannschaft“ seit Jahren Fußballreisen. Mit etwa 40 Anhängern der DFB-Elf war er am Samstag in Amsterdam und sah dort das 0:3 gegen die Niederlande.

    Am Montag ging es weiter in die französische Hauptstadt. Das Wetter spielte mit. In Amsterdam war es schön, und Paris erwartet am heutigen Dienstag bis zu 26 Grad.

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    So golden der Oktober auch ist, für Bundestrainer Joachim Löw könnte es ein schwarzer Monat werden. Nach der Niederlage in Holland kann eine erneute Schlappe gegen den Weltmeister sein Aus als Bundestrainer bedeuten, sind Experten und Fans sich sicher.

    Schuldlos ist Löw daran nicht. „Der Umbruch wurde nach dem WM-Aus in Russland angekündigt“, sagt Röder bitter. Passiert sei aber eigentlich gar nichts. „Sich nur darauf zu verlassen, dass der ein oder andre Spieler freiwillig zurücktritt, das ist für mich kein Umbruch.“

    „Sektenmentalität“ innerhalb der Mannschaft

    Es gebe Spieler in der Bundesliga, die nicht nur eine Einladung zum Länderspiel verdient hätten, sondern die auch spielen müssten. Röder nennt den Bremer Max Kruse und den Augsburger Philipp Max.

    Aber Spieler, die für frischen Wind sorgen, gibt es in Löws Kader kaum. „Das zeigt, dass es eine Sektenmentalität innerhalb der Mannschaft und dem Betreuerstab gibt. Dass man sich da in irgendeiner Form nicht zu nahe treten möchte, indem der eine oder andere einfach mal draußen bleibt.“

    Eine Aufarbeitung habe in der sportlichen Leitung weder bei Löw noch bei Manager Oliver Bierhoff stattgefunden, ist Fußballfan Röder überzeugt.

    „Man hat einen Presseheini drangesetzt, der dann etwas Schönes formulieren sollte, das man dann in einer mehrstündigen Pressekonferenz vortragen konnte. Aber inhaltlich war das doch nichts.“

    Löw und Merkel ähneln sich

    Das Verhalten des Bundestrainers vergleicht Röder mit dem Verhalten der Bundeskanzlerin. „Die Löw‘sche Mentalität erinnert mich an Kanzlerin Merkel.“ Die Regierungschefin würde oft abwartend agieren und die Situation beobachten. Diese Taktik habe im Sport und in der Politik in der Vergangenheit auch oft funktioniert. „Aber Zeiten ändern sich.“ Das sehe man beim Fußball deutlich an den Fehlern, die 2017 nach dem Gewinn des Confederations Cup mit einem ganz jungen Team und dem Europameistertitel in der U21 gemacht wurden.

    Damals war sich die Weltpresse einig, dass der deutsche Fußball mit seiner Masse an Talenten goldenen Zeiten entgegensehe. Aber der Blick auf den aktuellen Kader zeige, dass von diesen vielen jungen Spielern kaum einer dabei war, der sich gegen die etablierten und älteren Nationalspieler hätte durchsetzen können. „Das ist ein Hauptpunkt, warum es nicht funktioniert. Inklusive der Grüppchenbildung, inklusive des Themas Özil.“

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    Es fehlt Mut

    Aufgabe des Trainers wäre es, so Röder, nach Mesut Özils Rücktritt aus dem DFB-Team etwas auszuprobieren. „Aber das ist genau der Mut, der fehlt. Es gibt halt nichts Anderes und nichts Neues“, kritisiert er.

    Auf das Spiel am Dienstagabend gegen Frankreich angesprochen, sagt Röder: „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Das Vordringlichste ist, dass man natürlich als Anhänger seine Nationalmannschaft gewinnen sehen möchte – erst recht gegen alte Rivalen wie Holland, England und Frankreich. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass sich bei einem entsprechenden Ergebnis nichts ändert. Dann kommt das zweite Herz zum Tragen, was man eigentlich öffentlich gar nicht sagen möchte: Dass man sich schon fast eine Niederlage wünscht, damit vielleicht doch ein Umdenken stattfindet und der überfällige Trainerwechsel vollzogen wird.“

    Das Spiel in der UEFA Nations League zwischen Frankreich und Deutschland beginnt am Dienstagabend um 20.45 Uhr.

    Das komplette Interview mit Tom Röder finden Sie hier:

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    Tags:
    Fußball, Druck, UEFA, Mesut Özil, Angela Merkel, Joachim Löw, Deutschland